Busreisen Nach Berlin für den halben Bahnpreis

Künftig sollen auch Fernbusse die großen Städte in Deutschland fahrplanmäßig ansteuern. Dennoch muss die Bahn keine allzu große Angst vor der billigeren Konkurrenz haben.

Es ist ein Monopol aus der Nazi-Zeit. 1934 war im Personenbeförderungsgesetz festgelegt worden, dass bis auf wenige Ausnahmen nur auf den Strecken Fernbusse rollen dürfen, wo es keine anderen Verbindungen, also vor allem Bahnstrecken gibt. Union und FDP wollen nun nach dem Vorbild der amerikanischen Greyhound-Busse mehr Alternativen zwischen großen Städten ermöglichen.

Künftig soll es kaum noch Einschränkungen geben - dies geht aus dem Entwurf für eine Reform des Personenbeförderungsgesetzes hervor. Ab 2012 könnten Hunderte Fernbusse in Deutschland rollen. "Auch aus ökologischen Gründen streben wir die Liberalisierung an", heißt es im Hause von Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU). Mehr Busse auf die Straße zum Schutze der Umwelt?

Dahinter verbirgt sich auch ein Angriff auf die Mitfahrzentralen, deren private Angebote nach Schätzungen von jährlich mehr als einer Million Menschen genutzt werden. Hier gibt es eine Grauzone, weil oft Kurierdienste in Kleinbussen bis zu zehn Leute mitnehmen und sich schwarz ein nettes Zubrot verdienen. "Mit einem Bus können 50 Leute fahren statt viele Mitfahrer in dutzenden Autos", wird in Ramsauers Verkehrsministerium argumentiert.

Dort will man den Eindruck vermeiden, dass das Gesetz gegen die Deutsche Bahn gerichtet ist. Nach dem Krieg wurde die Regelung aus den 1930er Jahren im Personenbeförderungsgesetz übernommen. Betreiber der bisher nur rund 100 innerdeutschen Fernbusstrecken, die vor allem von und nach Berlin und später als Zubringer zu den Airports der Billigfluglinien entstanden sind, ist bis heute oft die Bahn selbst. Und diese will notfalls massiv in den neuen Markt einsteigen, um die neuen Konkurrenten auszubooten.

Die DB macht im Hintergrund Druck und fordert eine Mautpflicht für die Fernbusse, schließlich müssten in die Bahntickets auch die Trassenkosten eingepreist werden. Genehmigte Angebote sollten einen Bestandsschutz erhalten, da Firmen in Fahrzeuge, Betriebsstätten und Personal investiert hätten. Das zielt natürlich auf die Bahn als bisher größten Busbetreiber in Deutschland ab.

Vielleicht wird es die Bahn noch ärgern, dass sie vor fünf Jahren die Busgesellschaft Deutsche Touring an ein spanisches Konsortium um den Buskonzern Alsa verkaufte.