Von F. Berth und M. Thiede

Hohe Energiekosten, gestiegene Preise: Viele Familien mit Kindern können sich laut einer GfK-Studie das Verreisen nicht mehr leisten.

Deutsche Familien verreisen seltener als früher. Das zeigt die Bilanz der Feriensaison 2007/2008. Während die Tourismus-Branche insgesamt Zuwächse verzeichnete, sank die Zahl der Reisen von Familien um bis zu neun Prozent.

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Familienurlaub in Deutschland (© Foto: Tourismusverband Mecklenburg-Vorpommern)

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Der Untersuchung der Gesellschaft für Konsumforschung (GFK) zufolge sind von dem Rückgang Mittelschicht-Familien besonders betroffen. Sie leiden unter den gestiegenen Preisen am stärksten.

Im Winterhalbjahr 2007 / 2008 fuhr etwa jeder dritte Deutsche in Urlaub, ermittelte die GfK bei einer Befragung von 20.000 deutschen Haushalten. Damit stieg die Zahl der Ferienreisen innerhalb eines Jahres um knapp ein Prozent.

Der Marktanteil der Singles wuchs, ähnlich wie der laut GfK "traditionell hohe Marktanteil der 50- bis 64-Jährigen". Auch die Zahl der reisenden Rentner stieg, ermittelte die GfK.

Deutlich anders verhielten sich allerdings die Familien. Die Zahl ihrer Urlaubsreisen sank innerhalb eines Jahres um 3,6 Prozent. Bei Familien mit zwei Kindern ging sie um 8,5 Prozent zurück.

"Vermutlich suchen sie in Zeiten steigender Preise, steigender Energiekosten und hoher Steuern nach Einsparmöglichkeiten", sagt Rolf Bürkl, Konsumforscher der GfK. Familien seien von den Preissteigerungen überproportional betroffen. "Wenn eine Familie vor dem Winter noch mal den Heizöltank des Hauses füllen muss, kann das zu Lasten der Urlaubspläne gehen", meint Bürkl.

Insgesamt weniger Familien in Deutschland

Ein Teil des Rückgangs ist demographisch zu erklären. Die Zahl der Familien in Deutschland sinkt, was derzeit auch beim Kindergeld sichtbar wird: Im Jahr 2007 musste der Staat erstmals weniger Kindergeld auszahlen als im Vorjahr, weil weniger Kinder Anspruch darauf hatten.

Nach Berechnungen der GfK spielt dieser Effekt aber nur eine Nebenrolle: "Das Verhalten der Familien hat sich stärker geändert als ihre Zahl", sagt Roland Gassner von der GfK.

Für die Zukunft erwarten die Forscher eine Fortsetzung dieser Entwicklung: Familien mit mittlerem Einkommen planten derzeit weniger Reisen als bisher, während die Reiseabsichten bei Azubis, Studenten und Berufsanfängern "überdurchschnittlich hoch" seien. Unterm Strich planten die Deutschen "so viele Reisen wie auch in den vergangenen Jahren".

Branche spürt keine Reisemüdigkeit

Von einer allgemeinen Reisemüdigkeit spürt auch die Tourismusbranche nichts. "Die Buchungen in allen Segmenten sind in diesem Sommer gut", heißt es beim Marktführer Tui. Manche Ziele wie Mallorca oder Ägypten seien ausverkauft. Familien seien meist auf Sicherheit bedacht und würden bevorzugt Pauschalreisen buchen, heißt es bei Neckermann. Deshalb spürten die Veranstalter wenig von deren Zurückhaltung.

Konkrete Buchungszahlen nennen die Unternehmen nicht. Allerdings bestätigt der Branchenverband DRV ebenfalls eine rege Reisetätigkeit. So haben die Reisebüros in dieser Sommersaison vier Prozent mehr Umsatz gemacht als im vergangenen Jahr. Dabei muss allerdings berücksichtigt werden, dass die meisten Veranstalter ihre Preise um ein bis zwei Prozent erhöht haben.

Auch die Anzeichen für die nächste Wintersaison verbreiten in der Reisebranche gute Stimmung. Für die Monate November bis April melden die Reisebüros bisher ein Umsatzplus von 40 Prozent. Diese Zahl basiert auf den Angaben von 1200 Reisebüros. Vor Ort waren die deutschen Urlauber der GfK-Studie zufolge weniger spendabel: 1,3 Prozent weniger Reisende buchten eine Zusatzleistung am Urlaubsort.

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(SZ vom 11.9.2008)