Bettwanzen in Berghütten Der Feind in meinem Bett

Geschlossene Hütten, verunsicherte Wanderer: Die Alpenvereine kämpfen in ihren Unterkünften gegen Bettwanzen. Und die sind leider verdammt hart im Nehmen.

Von Dominik Prantl

Die gemeine Bettwanze ist nicht nur ein fieser und nach allen Prinzipien der Ästhetik zudem hässlicher Blutsauger; sie ist auch noch verdammt hart im Nehmen.

Vor ein paar Jahren musste in New York eine Filiale der Modekette Abercrombie & Fitch desinfiziert werden, und auch die kaum einzunehmenden Räume des Wall Street Journal und des Time-Warner-Konzerns wurden schon von den vier bis acht Millimeter großen Parasiten gekapert. Sie hausen in Bruchbuden genauso wie in Fünf-Sterne-Hotels, überleben bis hinauf zum nördlichen Polarkreis - und jüngeren Meldungen zufolge auch immer häufiger auf Berghütten.

Wirklich neu ist das Phänomen der Hüttenwanze nicht. Die Alpenvereine gehen in der jüngeren Vergangenheit nur ziemlich offen mit dem Thema um und widmeten dem Parasiten auf dem 16. Internationalen Hüttenfachsymposium im Februar 2016 sogar einen Vortrag.

Erst vor zwei Wochen sah sich der Österreichische Alpenverein (ÖAV) dann zu einer Stellungnahme zur "medial thematisierten Wanzenplage" genötigt: Die Klagenfurter Hütte hatte kurz zuvor akuten Schädlingsbefall im Schlafbereich gemeldet, worauf mehrere Medien berichteten, dass rund 20 Prozent aller alpinen Hütten von Bettwanzen befallen seien. Der ÖAV taxiert den Wert hingegen eher auf 1,5 Prozent.

Schöne Verstecke und viel frisches Blut

Peter Kapelari, Leiter der Abteilung für Hütten, Wege und Kartografie im ÖAV, meint: "Die Alpenvereine betreuen über 400 Hütten im Alpenraum, und es sind uns genau sechs Fälle eines Befalls bekannt." Bereits von Wanzen heimgesucht wurden schon bekannte Ausflugsziele wie die Vorderkaiserfeldenhütte, die deshalb bis vergangene Woche geschlossen hatte, das Pürschlinghaus im Ammergebirge oder die Falkenhütte im Karwendel. Die beiden Letzteren mussten im vergangenen Jahr gereinigt werden - mit großem Aufwand.

Denn hat sich das Ungeziefer erst einmal auf Hütten eingewanzt, bleibt es gerne. Die oft verwinkelten Schlafräume bieten etliche Versteckmöglichkeiten - und viel frisches Blut. Die hohe Fluktuation von Übernachtungsgästen, darunter Weitwanderer, die Insekten oftmals in ihren Hüttenschlafsäcken als blinde Passagieren transportieren, fördert eine Verbreitung.

Zudem erfrieren die Tiere erst nach längerem Aufenthalt bei unter minus 18 Grad und zeigen sich damit robuster als ihre Wirte. Der ÖAV empfiehlt nach dem jüngeren medialen Aufschrei jedenfalls nicht nur das Einfrieren (drei Tage) oder Saunieren (eine Stunde) der verwanzten Gegenstände als Gegenmaßnahme, sondern vor allem, den Verdacht auf Bettwanzen sofort beim jeweiligen Beherbergungsbetrieb zu melden.

Über allen Gipfeln ist Ruh, zum Kuckuck

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