Beleuchtung im Flugzeug Orangetöne zum Abendessen

Orangefarbene Beleuchtung eignet sich gut zum Essen.

(Foto: Achim Leder)

Der Mensch fühlt sich unter der Sonne am wohlsten. Aber wenn sie nicht da ist, wie etwa im Flugzeug? Dann muss man mit den Lichtverhältnissen nachhelfen.

Von Alexander Stirn

Die besten Sonnenaufgänge erleben Fluggäste, wenn sie die Jalousien vor ihren Fenstern geschlossen lassen. Ganz langsam macht sich dann ein sanftes rotes Licht in der Kabine breit. Es wird heller, es wird intensiver, dann leuchtend gelb. Kurz vor dem Frühstück bekommt das Licht einen Blaustich - um auch die letzte Müdigkeit zu vertreiben. "Mood Lighting", auf Deutsch: Lichtstimmung, nennt sich das farbenfrohe Konzept, das zunehmend Anklang bei Flugzeugherstellern findet.

Aktuelle Maschinen wie Boeings 787 haben die Technik bereits serienmäßig an Bord. Aber auch bei älteren Modellen steht der stimmungsvollen Kabinenbeleuchtung im Prinzip nichts entgegen. Die Idee hinter den Lichtspielen: Der Rhythmus, in dem Menschen schlafen und wieder wach werden, hängt stark von den optischen Reizen ab, mit denen die Sehzellen im Auge konfrontiert werden. Gerade bei langen Flügen über Zeitzonen hinweg kann das richtige Licht daher helfen, besser zu schlafen und fitter am Ziel anzukommen. "Die Beleuchtung der Kabine geht somit weit über rein ästhetische Aspekte hinaus", sagt Achim Leder, Wirtschaftspsychologe an der Bergischen Universität Wuppertal. "Richtig eingesetzt, kann sie psychologische und sogar physiologische Effekte haben."

Was dabei im Körper der Passagiere vor sich geht, hat Leder mit Experten des Fraunhofer-Instituts für Bauphysik im oberbayerischen Valley, des Flugzeugherstellers Airbus sowie der Zulieferer Diehl Aerospace und Osram untersucht. Noch Ende der 1990er Jahre dominierten Leuchtstoffröhren den Innenraum neuer Flugzeuge - lange Paneele, die die Kabine in ein steriles, wenig einladendes Licht tauchten. Sie ließen sich zwar dimmen, veränderten dabei aber (abhängig von ihrem Alter) Farbe und Helligkeit. Die Beleuchtung wurde uneinheitlich. "Im Grunde gab es deshalb nur An oder Aus", sagt Achim Leder. Dann kamen die Leuchtdioden - kleine Halbleiterelemente, die sich inzwischen so fertigen lassen, dass sie im Prinzip jede Farbe erzeugen können.

Natürliches Licht ist ideal zum Arbeiten und Lesen.

(Foto: Achim Leder)

Anfangs, zum Beispiel im Airbus A380, wurden diese LEDs noch gemeinsam mit Leuchtstoffröhren verbaut. Mittlerweile sind die hell genug, um die ungeliebten Lichtquellen zu ersetzen. So vertraut Boeings neuer Dreamliner im Innenraum komplett auf Leuchtdioden. Airbus' nächstes Flugzeug, die A350, wird denselben Weg einschlagen. "Leuchtdioden sind leicht, sparsam und können flexibel angesteuert werden", sagt Nicole Wintergerst, Expertin für Lichtsysteme beim Kabinenausstatter Diehl Aerospace. "Dadurch lassen sich sehr viele Effekte erzielen." Während des Einsteigens kann das Flugzeuginnere zum Beispiel in einem hellen Licht erstrahlen, das die Kabine groß und einladend erscheinen lässt. In den ersten Flugstunden dominiert natürliches Licht - ideal zum Lesen und Arbeiten. Anschließend signalisieren Orangetöne, dass es Zeit zum Abendessen ist.

"Mithilfe der Lichtstimmung können wir die Passagiere sogar früher ins Bett schicken", sagt Wintergerst. Ein simulierter Sonnenuntergang um 17 Uhr ursprünglicher Zeit lässt die Fluggäste entschlummern. Eine Morgenstimmung einige Stunden später - idealerweise synchronisiert mit der Zeit am Zielort - weckt sie wieder auf. "Die Leute haben dadurch zwar nicht ihr volles Pensum an Schlaf bekommen, aber sie sind zumindest ausgeruht, und ihr Körper hat den neuen Rhythmus schon verinnerlicht", sagt Wintergerst.