Handwerg: Genau kann ich das auch nicht sagen. Eine gewisse Sicherheit gibt aber, dass das Gepäck und sein Gewicht automatisiert erfasst wird und auch automatisch beim Boarding registriert wird, wie viele Leute wirklich an Bord gehen. Dazu kommt aber noch das Gewicht der Fracht.

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sueddeutsche.de: Könnten auch Techniken wie etwa Waagen für Flugzeuge weiterhelfen?

Handwerg: Es gibt sogar schon Systeme, die in den Beinen des Flugzeugs das Gewicht ermitteln - nur haben sich diese "Waagen" nicht bewährt, sie waren zu ungenau und bereiteten technische Probleme, so dass viele Airlines sie nicht gekauft haben. Aber auch technische Änderungen sind nur begrenzt zuverlässig, schließlich machen Menschen auch bei der Konstruktion und dem Bau Fehler, was auch schon zu Zwischenfällen geführt hat.

sueddeutsche.de: Nun sollen ja möglichst viele Piloten aus den Fehlern der Anderen lernen und diese nicht erst selbst begehen müssen. Gibt es da ein Informationsnetz unter Piloten?

Handwerg: Vorfälle wie in Australien sorgen durchaus für Diskussionen, da muss man der Ursache auf den Grund gehen. Hier wurde der Presse anonym von einem Piloten mitgeteilt, dass auch Übermüdung der Piloten ein Problem war - da passieren Zahlendreher oder ein Vertippen bei den Kommastellen natürlich eher. Es stellt sich die Frage, was Fehler eher vermeidet, ein Dreifachcheck oder angemessene Dienst- und Ruhezeiten für Piloten.

sueddeutsche.de: Tauschen sich die Airlines untereinander aus?

Handwerg: Ja, da gibt es eine ganz gute Kultur unter den Airlines, die Berichte über Vorfälle, Arbeitsfehler und Schwächen im System austauschen. Die Sicherheitsabteilungen der Fluggesellschaften sammeln anonyme Hinweise der Mitarbeiter über Fehler und Probleme - das ist wichtig, dass hier nicht bestraft wird, so wird erst das nötige Vertrauensverhältnis hergestellt, damit Vorfälle uneingeschränkt gemeldet werden. Nur so aber können auch Andere Lehren aus den Fehlern und Erfahrungen ziehen. Dann kann man zusätzliches Training anbieten oder Abläufe verändern. Wie etwa nach dem Absturz bei Überlingen am Bodensee, als die Piloten zwar vom automatischen Warngerät an Bord noch vor der Kollision gewarnt wurden, sich aber die Cockpitcrew auf die Vorgaben des Fluglotsen am Boden verließ. Nach dem Unglück wurden Piloten aber auch Lotsen geschult, wie man verbindlich in so einem Fall reagieren muss.

sueddeutsche.de: Und was ist die richtige Reaktion?

Handwerg: Man folgt dem Warngerät an Bord, denn der Lotse am Boden hat auf seinem Radar nur eine zeitverzögerte Information, während die automatischen Warngeräte direkt miteinander kommunizieren. Wären die Piloten beider Maschinen den Vorgaben des Computers gefolgt, zu steigen oder eben zu sinken, wären die Flugzeuge wohl nicht zusammengestoßen.

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(sueddeutsche.de/kaeb/dd/cmat)