Von Titus Arnu

Ende der Durchsage: Die Bahn entlastet Fahrdienstleiter kleiner Nahverkehrsbahnhöfe von stressigen Mikrofon-Ansprachen.

Der Job eines Fahrdienstleiters bei der Bahn ist eigentlich eine Führungsaufgabe. Der Bahnhofsvorsteher, wie er früher hieß, gibt die Ankunft und die Abfahrt von Zügen durch, er führt zwischendurch Telefongespräche mit anderen Fahrdienstleitern, lässt Schranken hoch und runter - und hechtet dann auch noch zum Mikro, um die Ankunft von Zügen durchzusagen. Ein Riesenstress.

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(© Foto: AP)

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Der Inhalt der atemlos durchgenuschelten Durchsagen erschließt sich deshalb manchmal eher schwer: "Achtung an Gleis 1, der Chhhhrrzug von Krrrxtch nach Mchhhh erhält voraussichtlich ksssstng chnnn." Ende der Durchsage, und der Passagier versteht leider nur Bahnhof.

Das soll sich nun ändern. Die Deutsche Bahn AG will die Information der Reisenden im Nahverkehr auf kleinen Bahnhöfen nach und nach verändern. "Die Tatsache, dass ein Zug fahrplangemäß auf Gleis 1 einfährt, wird von uns nicht durchgesagt", sagt Bahnsprecher Martin Walden durch.

Kleine und kleinste Bahnhöfe verzichten schon seit 2005 auf solche Durchsagen, um die Fahrdienstleister zu entlasten. Über Abweichungen vom Fahrplan, wie Verspätungen, Gleiswechsel oder geänderte Wagenfolge, würden die Bahnkunden aber weiterhin informiert, so Walden.

Der für Bahnhöfe zuständige Chef der DB Station & Service AG, André Zeug, wies einen Bericht der Bild-Zeitung zurück, nach denen die Bahn eine Ausdünnung der Lautsprecherdurchsagen plane und auf viele Informationen verzichten wolle. Diese Nachricht sei irreführend, denn auf vielen kleinen Stationen seien überflüssige Lautsprecheransagen bereits längst weggefallen, erläuterte die Bahn in ihrer eigenen Logik. Auf 4500 von 5700 Bahnhöfen in Deutschland fahren die Züge inzwischen ohne Ansagen ein und aus.

Einheitliche Standards

Derzeit wird stattdessen ein Konzept für "dynamische Informationsanzeigen und -ansagen" am Bahnhof entwickelt. Geplant sind ab 2009 elektronische Anzeigetafeln und Durchsagen vom Band. Mit dem neuen System für kleine Bahnhöfe will die Bahn einheitliche Standards bei der Kundeninformation schaffen. "Das Informationsniveau soll möglichst auf allen Bahnhöfen einer Kategorie gleich sein", sagt Bahnsprecher Walden.

Stellt sich die Frage: Gleich gut oder gleich schlecht? Der oberste Bahnhofsvorsteher André Zeug versichert: "Auch auf kleinen Bahnhöfen wird es weiterhin die für die Reise notwendigen Informationen geben." Ende der Durchsage.

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(SZ vom 19.09.2008)