Willi Reiss: "Es ist einfach haarsträubend, was sich die Bahn erlaubt. Das Schlimmste ist der Mangel an Information. Man bleibt eine halbe Stunde in der Pampa stehen, aber keinerlei Information, absolut nichts. Ich habe mich mehrmals beschwert in München, bei der Beschwerdestelle in Nürnberg, ja direkt beim Bundesverkehrsminister in Berlin.

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Gebracht hat es nichts. Nun habe ich meine Bahncard gekündigt und fahre wieder Auto. Es widerspricht meiner Einstellung, aber ich habe resigniert. Ich will mich nicht mehr weiter ärgern."

Benedikt Breinl: Ich habe regelmäßig das zweifelhafte Vergnügen, mit der Regionalbahn zwischen München und Garmisch zu fahren. Abgesehen davon, dass die Züge nie pünktlich in Murnau ankommen oder abfahren, geht dort der einzige Fahrkartenautomat, an dem man mit Bargeld bezahlen kann, entweder nicht oder er nimmt - welche Ironie - kein Geld an. So auch am vergangenen Sonntagabend. Freundlicherweise war dann auch das Kartendruckgerät des Schaffners im Zug defekt, so dass er mir keine Karte verkaufen und ich mir den Fahrpreis sparen konnte. Die Verspätung betrug in München ,nur' 20 Minuten.

Helmut Müller: "Ich bin im August 2008 wegen der hohen Benzinpreise auf die Bahn umgestiegen. Die Verspätungen habe ich am Anfang als ,Mehrdorn gegeben' hingenommen. Seit Dezember führe ich jetzt aber darüber Buch. Die Bilanz ist grausam. Vor allem bei der Heimfahrt von München nach Weilheim sind die Verbindungen besonders störanfällig. Von 25 Fahrten sind praktisch fünf ganz ausgefallen. Die Frage, ob sich der Umstieg auf die Bahn überhaupt lohnt - immerhin kostet die Abo-Plus-Karte monatlich 170,60 Euro- ist nur aufgrund der geringeren Umweltbelastung zu bejahen.

Hubert Baierl: "Ganz ohne Polemik: Ich schreibe diese Email im Zug, dessen Weiterfahrt sich auf unbestimmte Zeit verzögern wird, weil der vorangegangene Zug einen Brandschaden hat. Ich kann nur sagen, die Zustände sind weit ab von einer funktionierenden Bahn-Infrastruktur. Ich war oft genug in der Schweiz und in Japan unterwegs, um zu verstehen wie weit Deutschland an Wettbewerbsfähigkeit im öffentlichen schienengebundenen Verkehr verloren hat."

Meinhard Lingau: "Ich pendle seit 1993 auf der Strecke Meitingen-Augsburg-München. Mein Sohn hat sich mal die Mühe gemacht, die größeren Verspätungen eines Jahres zu addieren: Er kam auf über 24 Stunden. Das sind drei komplette Arbeitstage."

Heiko Pfister: "Das Bahnchaos, das derzeit auf der Strecke zwischen Augsburg und München herrscht, ist ein Lehrstück über die Macht eines Monopolisten. Hier wäre die Politik gefordert: Sie sollte der Bahn eine Steuerentlastung gewähren, als Gegenleistung muss es eine Entschädigungspflicht der DB bei Verspätungen geben - und zwar nicht nur im Fernverkehr. So entstünde endlich ein finanzieller Anreiz für die Bahn, die Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit zu erhöhen. Auf der anderen Seite steht allerdings zu befürchten, dass dies zum finanziellen Ruin des Monopolisten führen würde. "

Peter Kempf: "Ich schreibe diese Mail im Zug, denn die Bahn sorgt soeben wieder dafür, dass ich mir viel Zeit lassen kann. Die Abfahrt im Hauptbahnhof München (RE 32 688 von München nach Memmingen) verzögert sich jetzt schon um zehn Minuten. Mal sehen, wie viel es am Ende sein werden. Ob ich den Anschlusszug in Buchloe noch erreiche, bleibt im Moment unbeantwortet. Das Pendeln von Kaufbauren nach München und zurück ist zweifellos eine Herausforderung. Die Bahn macht es zu einer Katastrophe. Alles, was ich will, ist die Einhaltung der ausgewiesenen Abfahrts- und Ankunftzeiten. Dafür bezahle ich 2500 Euro im Jahr und erwarte die entsprechende Gegenleistung."

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(SZ vom 23.1.2009)