Bahnpendler kritisieren die fehlende Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit der DB und empfehlen den Schienenverkehr in der Schweiz und in Japan als Vorbild.
Unser Aufruf an die Bahnpendler, uns ihre Probleme bei der täglichen Fahrt zur Arbeit zu schildern, hat ein großes Echo gefunden. Hunderte von Mails und Zuschriften erreichten unsere Redaktion. Mittlerweile hat sich auch der bayerische Verkehrsminister des Themas angenommen und die Bahn aufgefordert, die geschilderten Probleme möglichst rasch zu lösen. Wir bitten um Verständnis, dass wir nicht alle Klagen veröffentlichen können. Exemplarisch drucken wir aber noch einige Auszüge aus den Schreiben unserer Leser.
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Klaus Egermann: "Seit circa vier Jahren fahre ich täglich von Bobingen nach Erlangen. Leider bin auch ich auf den Monopolbetrieb Bahn angewiesen und ärgere mich darüber am meisten. Ich habe zu keiner Zeit eine Woche erlebt, in der die Züge pünktlich gefahren sind. Die Häufung der Fehler und Störungen gehen über ein verträgliches Maß an Zumutung hinaus und sind mittlerweile auch unglaubwürdig. Reicht man schriftlich Beschwerden ein, erhält man Schreiben zurück, die aus der Schublade gezogen sind und bei denen man feststellen muss, die Bahn nimmt an, ich bin blöd. Es wird besänftigend eingewirkt und darauf verwiesen, dass die Sachverhalte weitergegeben werden. Es passiert aber nichts."
Raphael Jaeckle: "Ich bin leidgeprüfter Pendler auf der Strecke Mering-München. Meiner Meinung nach resultieren die erheblichen technischen Probleme der Bahn insbesondere aus der Tatsache, dass diese ihre Serviceintervalle (wohl aus Kostengründen) drastisch verlängert hat. In den achtziger und neunziger Jahren waren Betriebsstörungen eher die Ausnahme, heute dagegen sind sie - wie sattsam bekannt - die Regel. Offenbar zieht man regelmäßigen Wartungsdiensten die Devise ,Fahren bis nichts mehr geht' vor."
Jan-Peter Alten: "Seit Oktober Pendle ich jeden Werktag von Prien am Chiemsee nach München. Auf dieser Strecke verkehren in letzter Zeit gehäuft alte umlackierte Interregio Waggons als IC/EC-Züge. Diese bieten bei weitem nicht den Komfort eines Intercity. Außerdem funktionieren immer weniger WCs in den Zügen. Teilweise sind gleich in mehreren aufeinanderfolgenden Wagen die Toiletten ,außer Betrieb'. Zusätzlich fallen oftmals die Heizungen aus, was zuletzt bei den aktuellen Außentemperaturen auch recht unangenehm war. Dass man hierfür dann einen IC-Zuschlag berappen muss, grenzt für für mich auch an Betrug."
W. Messing: "Meines Erachtens bekommt man all die geschilderten Probleme nur in den Griff, wenn neben der Bahn sehr viel mehr andere Betreiber zugelassen werden, die kundenorientierter arbeiten. Dazu müsste man der Bahn aber auch die Kontrolle über das Netz entziehen. Oder man gibt ihr die Vorgabe, sich wieder mehr um das Kerngeschäft zu kümmern, statt sich als globales Logistikunternehmen in Kasachstan zu verzetteln. Ein Blick über den Zaun in die Schweiz lohnt sich: Dort zeigt sich, dass auch staatliche Unternehmen Vorbild-Charakter haben können.
Kathrin Smits: Seit sieben Jahren pendle ich schon zwischen Augsburg und München. Immer zur gleichen Uhrzeit. Große Störungen mit langen Wartezeiten macht jeder Pendler mal mit, das lässt sich nicht vermeiden und muss akzeptiert werden. Was aber wirklich nervt und einem das Pendlerleben erschwert, das sind die täglichen Verspätungen. Seit Jahren fahre ich nun jeden Tag um 7.59 (vor dem Fahrplanwechsel 7.56 Uhr) mit dem gleichen Zug, doch pünktlich war dieser noch nie!
Horst Jahnke: Als leidgeprüfter Berufspendler durfte ich auch heute wieder 15 Minuten in der Kälte auf dem Bahnsteig in Tutzing ausharren, bis die Regionalbahn Kochel-München endlich eintraf. (Abfahrt wäre planmäßig um 8.10 Uhr gewesen). Eine Durchsage am Bahnsteig hat es nicht gegeben. Mit mir wartete in Tutzing auch ein Schaffner, der sich übers Handy mit seiner Zentrale in Verbindung setzen wollte. ,Da geht erst gar keiner an Telefon', war schließlich seine bemerkenswerte Reaktion. Wie sollen denn die Kunden besser informiert werden, wenn es der Bahn nicht einmal gelingt, das eigene Personal über Verspätungen zu verständigen?"
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