Bahn-Verspätungen Pünktlichkeit kennt Grenzen

Das Ergebnis der Zugmonitor-Analyse ist so eindeutig wie ärgerlich: Es sind ausgerechnet die teuren Schnellstrecken, bei denen die Züge am unpünktlichsten sind. Doch mit einfachen Rezepten kann die Bahn das Problem mit den ICE nicht in Griff bekommen.

Eine Analyse von Daniela Kuhr, Berlin

Sie sind das Aushängeschild der Bahn: die windschnittigen ICE-Züge, die auf Hochgeschwindigkeitsstrecken quer durch Deutschland die wichtigsten Großstädte miteinander verbinden. Doch die weißen Flitzer haben leider einen Nachteil: Sie sind deutlich unpünktlicher als Eurocity oder IC. Die Bahn räumt selbst ein, dass im vergangenen Jahr nur 79,1 Prozent ihrer Fernverkehrszüge pünktlich waren, wobei "pünktlich" heißt, dass die Züge den Bahnhof weniger als sechs Minuten zu spät erreichten.

Parallel zu dieser konzerneigenen Statistik hat die SZ ein Jahr lang Daten des SZ-Zugmonitors ausgewertet, mit dem sich live der Fernverkehr in ganz Deutschland verfolgen lässt. Das Ergebnis ist so eindeutig, wie ärgerlich: Es sind ausgerechnet die teuren Schnellstrecken, bei denen die Züge am unpünktlichsten sind (siehe Grafik oben).

Nun verhält es sich beim Thema Bahn-Pünktlichkeit ähnlich wie beim Thema Fußball: Wenn etwas schief geht, mangelt es nicht an "Experten", die wissen, wie man es besser machen müsste. Viele der Ratschläge klingen so einleuchtend, dass man sich wirklich fragt, wieso die Bahn da nicht selbst drauf gekommen ist. Doch spricht man das Unternehmen darauf an, zeigt die Antwort, dass die Sache leider doch nicht so einfach ist, wie der normale Bahnfahrer sich das manchmal vorstellt.

Das Netz ist übervoll

Da wäre zum Beispiel der häufig vorgebrachte Vorschlag, von vornherein größere Zeitpuffer in den Fahrplan einzubauen. Dann könnte ein Zug, der irgendwo aufgehalten wurde, die Verspätung auf dem Rest der Strecke oder im nächsten Bahnhof leichter wieder reinholen.

Das Problem ist nur: Das Netz ist bereits jetzt übervoll. Tagtäglich fahren 39.000 Güter-, Fern-, Nahverkehrs- und Baustellenzüge über das 34.000 Kilometer lange Schienennetz. Würden sie langsamer fahren oder länger im Bahnhof stehen, gäbe es entweder mehr Staus - oder aber man müsste einige Züge rausnehmen aus dem System. Die Folge: Das Angebot für die Bahnreisenden würde reduziert, und die Züge wären voller. Ob den Fahrgästen damit gedient wäre, ist zu bezweifeln.