Die Müngstener Brücke zwischen Solingen und Remscheid darf trotz Sanierung nicht befahren werden. Bei ihren Statikberechnungen hatte die Bahn eine Kleinigkeit übersehen: dass auch Menschen in den Zügen sitzen.
Das Leid der Bahnreisenden im Bergischen Land hätte am Montag eigentlich zu Ende sein sollen. Nach fünf Monaten Pause sollte der Zugverkehr wieder über die Müngstener Brücke rollen. Doch die Bahn hat sich verrechnet.
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Seit mehr als hundert Jahren ist die Müngstener Eisenbahnbrücke die einzige Direktverbindung zwischen den Städten Solingen und Remscheid. Die höchste Stahlbrücke Deutschlands, 1897 erbaut, schlägt ihren Bogen 107 Meter über das Flusstal der Wupper. Im November vergangenen Jahres sperrte das Eisenbahnbundesamt (EBA) die Brücke - aus Sicherheitsgründen.
Die durchschnittlich 3000 Fahrgäste täglich müssen seitdem mit dem Ersatzbus die Serpentinen runter ins Tal, über den Fluss und wieder hinauf, das ist ein Umweg von mindestens 20 Minuten. Die Bahn besserte nach, verstärkte die alte Stahlkonstruktion. Zweimal kündigte der Konzern seit Jahresbeginn ein Ende der Sperrung an, zweimal wurde sie verlängert. Der dritte Anlauf endete nun mit einer Blamage: Die Bahn vergaß in ihrem Antrag an das EBA, die Passagiere - im Fachjargon das "Fleischgewicht" - mitzurechnen.
Die Aufsichtsbehörde gab die Brücke für ein Gesamtgewicht von 72 Tonnen frei, die Züge wiegen jedoch leer bereits knapp 70 Tonnen. Demnach hätten höchstens 25 erwachsene Passagiere mitfahren können. Entsprechende Hinweise aus der Lokalpresse bügelte die Bahn zunächst ab, räumte dann aber doch einen Irrtum ein. "Es ist ein peinlicher Fehler passiert. Wir haben das falsche Gewicht in den Antrag geschrieben", sagte Konzernsprecher Udo Kampschulte im WDR.
Für die Reisenden der Regionallinie 47 hieß es dann auch am Montag: "Bitte alle aussteigen", bevor der Zug ohne Fleischgewicht weiter auf die Müngstener Brücke rollte. "Die Fahrgäste sind stocksauer", kommentiert Lothar Ebbers vom Verband Pro Bahn den Schildbürgerstreich.
Seit Montagnachmittag dürfen jedoch selbst leere Züge nicht mehr über die Brücke fahren. Das zulässige Achsgewicht sei überschritten worden, heißt es beim EBA. Die Bahn muss noch mal ganz von vorne rechnen.
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(SZ vom 04.05.2011/dd)
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Übrigens sind die vielen kleinen Unstimmigkeiten in dieser Kommentarfunktion (von den großen zu Schweigen) auch kein Ruhmesblatt !
"Hoffentlich werden die Verantwortlichen dafür persönlich in die Haftung genommen." Aber nein, sowas kann eine große Firma wie die Bahn schon noch leisten, die Verantwortlichkeiten so aufzuteilen, daß am Ende außer dem üblichen Bla Bla der Projektmanager nichts übrigbleibt. Haftbar gemacht werden allerhöchstens die am unteren Ende, die sich nicht wehren können.
"Zur Nachberechnung bitte PCs wegschliessen und Rechenschieber und Abacusse ausgeben!" - denken Sie wirklich, es sind bei der Bahn noch paar Alte übrig, die damit umgehen können? Alle längst sozialverträglich abgebaut und gegen Junge aus den Generationen Doof und Praktikum ausgetauscht. Rechnen können die alle nicht mehr - kann man tagtäglich an jeder Kasse in jedem Einzelhandelsgeschäft sehen (nicht zu reden von Supermarkt, aber da ist der Streß auch zu groß).
Ich wusste nicht, dass bei der Deutschen Bahn Alzheimer grassiert. Wahrscheinlich hat die Bahn gemeint, es fahren Schaufensterpuppen mit den Zügen. Man weiss es ja nicht? Mal im Ernst, es zeigt sich mal wieder, dass bei der Deutschen Bahn Pleiten, Pech und Pannen normal sind. Nichts für ungut.
hervorragender Kommentar! I like it...
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