Das südaustralische Adelaide hat sich von einem verschlafenen Nest zu einer vielschichtigen Metropole entwickelt.
Mitten im Verkehrsgewühl der Rushhour, unterm klarblauen Himmel Südaustraliens, schüttelt Anke den Kopf, gibt rasch Gas, um kurz vor Rot noch über die Kreuzung zu flitzen, und meint: "Nee, weg will ich hier nicht mehr. Schon wegen des Wetters." Und fragt gleich nach, ob man inzwischen auch "wegen dem Wetter" sagen und schreiben dürfe. Das ist ihr wichtig, denn Anke unterrichtet, seit sie vor dreißig Jahren durch Zufall als Assistant Teacher nach Adelaide kam, an einer der drei Universitäten Deutsch.
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In lauen Nächten gibt es in den zahlreichen Parks der Stadt Open-Air-Veranstaltungen. (© Foto: Tourism Australia)
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Damals war Adelaide wirklich die verschlafene "kleine Provinzstadt", wie sie noch 2001 in einem Weinführer bezeichnet wird, und "in Deutschland wusste niemand, wo das liegt".
Auch Anke musste erst im Atlas nachschlagen, um die Hauptstadt des trockensten Bundesstaates Australiens zu finden, die Stadt mit dem Mädchennamen, den sie von einer Deutschen hat: Adelaide, Gattin von König William IV., war eine gebürtige Prinzessin von Sachsen-Meiningen.
Eine deutsche Gründung war Adelaide zwar nicht: Der britische Oberst William Light plante die übersichtliche Stadt mit ihrem ausgedehnten Grüngürtel rund ums Zentrum, in dem der rechte Winkel bis heute überall das Maß aller Straßen ist. Aber schon zwei Jahre später, 1838, kamen die ersten Deutschen ins frisch gegründete Südaustralien, die einzige nicht von Sträflingen gegründete Kolonie, worauf man im traditionsbewussten Adelaide bis heute stolz ist.
Per Zufall in Australien angesiedelt
Altlutheraner aus Preußen und Schlesien wollten lieber auswandern, als sich Friedrich Wilhelms Diktat einer preußischen Einheitskirche zu unterwerfen. Ihr Ziel waren die USA, aber der Zufall sandte sie nach Australien: Der Hamburger Reeder fand für diese Destination günstigere Konditionen.
So siedelten sie sich nach rund zwanzig Wochen auf See in den Adelaide Hills und im Barossa Valley an, verlegten den Weinbau aus dem nördlichsten Anbaugebiet Europas, Schlesien, in den südlichsten Winkel der Welt und legten damit den Grundstein für eine Erfolgsgeschichte erster Güte, die südaustralische Weinkultur.
Berühmte Rotweine aus Barossa Valley
Diese braucht den internationalen Vergleich schon lange nicht mehr zu scheuen. Heute ist Barossa Valley besonders berühmt für seine kraftvollen, tiefdunklen Rotweine aus Shiraz-Trauben. Auch der Premier Grand Cru der südlichen Hemisphäre, der legendäre Grange, kommt von hier.
Die Reblausplage hat diese Region verschont, daher wachsen die Trauben noch auf den alten Rebstöcken, manche davon sind 130 Jahre alt. Weniger lang bewahren ließ sich die deutsche Sprache, die als Barossa-Deutsch in einigen Einwanderergemeinden noch jahrzehntelang gepflegt wurde, aber ohne Kontakt zum Mutterland zu einem antiquierten Idiom wurde, von dem heute so gut wie nichts mehr übriggeblieben ist.
Lesen Sie weiter, wie die deutschen Wurzeln Adelaide geprägt haben.
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