Überfüllte und verspätete Züge: Zehntausende Bahn-Reisende müssen derzeit wegen Ausfällen von ICE-Zügen aufgrund von Sicherheitsrisiken mit Behinderungen rechnen.

Der Ausfall der ICE-Neigezüge hat am Samstag nach Bahnangaben zu überfüllten Ersatzzügen und Verspätungen geführt.

Ausfälle von ICE-Zügen sorgen bundesweit für Behinderungen im Fernverkehr. (© Foto: dpa)

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Von den Behinderungen sind laut Bahn hauptsächlich vier ICE-Linien betroffen: Hamburg - Berlin - Leipzig - München, Wiesbaden - Frankfurt - Leipzig - Dresden, Stuttgart - Singen - Zürich, Dortmund - Koblenz - Mainz - Frankfurt - Nürnberg - Passau - Wien.

Auf einigen Strecken fielen Zugverbindungen aus. Die größten Verspätungen wegen des Notfahrplans betrugen laut Bahn 30 Minuten, und zwar auf der Strecke Berlin - Leipzig - München. Auf den Bahnhöfen laufe der Betrieb weitestgehend normal. Zusätzliches Personal zur Lenkung und Information der Kunden sei eingesetzt. Bei zahlreichen Kunden löste die Beeinträchtigung des Fernverkehrs große Verärgerung aus.

Der Fahrgastverband Pro Bahn warf dem Unternehmen vor, Fahrgäste mit ungenauen Standardansagen abzuspeisen. Der Bundesvorsitzende Karl-Peter Naumann sagte dem Tagesspiegel zufolge weiter: "Fahrgäste haben viel mehr Verständnis, als die Bahn glaubt, wenn man sie informiert." Denn die Sicherheit müsse immer vorgehen. Das Problem der Bahn sei, dass sie zu wenig Reserven für solche Fälle habe, die man von dem Unternehmen eigentlich erwarten können müsse. "Da ist auch der Bund in der Pflicht", meinte Naumann.

Die Deutsche Bahn forderte Reisende auf, am Sonntag die Stoßzeiten am Nachmittag und frühen Abend zu meiden. Alle etwa 70 ICE-T-Züge werden vorsorglich mit Ultraschall auf Achs-Schäden überprüft und sollen nach und nach wieder eingesetzt werden, wie Bahnsprecher Jürgen Kornmann sagte.

Vorwürfe gegen Hersteller

Warum die Achse des ICE "Wolfsburg" am 9. Juli brach und den Zug bei der Abfahrt aus dem Kölner Hauptbahnhof entgleisen ließ, steht noch nicht fest. Die Bahn hatte sich "aufgrund nicht belastbarer Garantien der Industrie für den sicheren Einsatz der ICE-T-Fahrzeuge" dazu entschlossen, die Züge zu zusätzlichen Überprüfungen aus dem Betrieb zu nehmen. Der Ersatzfahrplan gilt bis einschließlich Freitag.

Wenn die Achsen zweifelsfrei in Ordnung seien, würden die ICE-Züge wieder eingesetzt, sagte Kornmann. Sie bestehen nach seinen Angaben aus ganz unterschiedlichen Stahl-Legierungen und wurden von Subunternehmern des Konsortiums aus Siemens, Alstom und Bombardier hergestellt.

Die Deutsche Bahn will Schadenersatz von den Herstellern fordern, falls sie für die Probleme mit den Achsen verantwortlich sind. Der Vorstandsvorsitzende Hartmut Mehdorn sagte der Bild am Sonntag : "Wir werden Schadenersatzforderungen gegen die Industrie prüfen, denn wir sind auf absolut verlässliche Garantien angewiesen."

"Züge so genehmigt"

Siemens hatte am Freitag versichert: "Wir haben die Züge nach Stand der Technik und nach geltenden Normen gebaut. Von den Aufsichtsbehörden wurden die Züge so genehmigt."

Der Spiegel berichtete, Mehdorn beschwere sich in einem Brief an den Siemens-Zentralvorstand Heinrich Hiesinger. Er werfe den Herstellern Inkompetenz vor, nachdem sich das Konsortium am Freitag bei einer Krisensitzung in Berlin nach seiner Ansicht nicht auf verbindliche Aussagen über die Haltbarkeit und die Wartungsintervalle der ICE-Achsen festlegen wollte.

Millionen-Boni für Bahn-Manager bei Börsengang

Wie unterdessen bekannt wurde, sollen die Bahn-Vorstände Millionen-Bonuszahlungen bei einer erfolgreichen Teilprivatisierung der Deutschen Bahn AG bekommen. Laut Spiegel hat der Personalausschuss des Bahn-Aufsichtsrats die Sonderzahlungen bereits im Juni verabschiedet, darüber jedoch strengstes Stillschweigen vereinbart. Selbst Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) habe das Prämienprogramm bis vor wenigen Tagen nicht gekannt.

Tiefensee sei besonders darüber empört, dass die Bahn für ihre Manager den Geldhahn auch dann aufdrehen wolle, wenn der Börsengang nur drei Milliarden Euro einbringe. Im Mai war Tiefensee noch von bis zu acht Milliarden Euro ausgegangen.

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(AP/dpa/AFP)