Von Michael Bauchmüller

Die Bahn weitet ihren Notfahrplan bis Mitte November aus. Offenbar hatte sie die Zahl der zu überprüfenden Züge unterschätzt.

Berlin - Die Deutsche Bahn kommt mit der Überprüfung ihrer ICE-T-Flotte offenbar langsamer voran als geplant. Der sogenannte Ersatzfahrplan, der ursprünglich nur bis zu diesem Wochenende gelten sollte, werde "voraussichtlich bis Mitte November" fortgesetzt.

Dieses Bild werden Reisende in den kommenden zwei Wochen wohl noch häufiger sehen. (© Foto: AP)

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"Wir sind mit dieser Situation alles andere als glücklich" sagte Karl-Friedrich Rausch, Personenverkehrsvorstand der Bahn, am Dienstag in Berlin. Aufgrund der "nicht belastbaren Garantien der Industrie" für die Sicherheit der Züge gebe es dazu aber keine Alternative.

Offenbar hatte die Bahn die Zahl der Züge unterschätzt, die in die Werkstätten rollen. Denn nicht nur die Achsen der 70 Neigetechnikzüge vom Typ ICE-T müssen untersucht werden. Viel öfter als zuvor rollen nun auch die 67 ICE-3-Züge zur Inspektion.

Nach Achsbruch und Entgleisung eines solchen Zuges im Juli in Köln hatte das Eisenbahnbundesamt deutlich kürzere Intervalle für die ICE-3-Flotte angeordnet. Die Züge müssen seitdem etwa alle 20 Tage auf den Prüfstand.

Noch zwei Wochen Verspätungen

Immerhin verlassen nach und nach ICE-T-Züge die Werkstätten, sie können dann auch sofort wieder eingesetzt werden. Für die nächsten zwei Wochen aber müssen Reisende vor allem auf den vier ICE-T-Strecken noch mit Verspätungen oder engen Zügen rechnen.

Betroffen sind Züge von München über Leipzig und Berlin nach Hamburg, von Wiesbaden über Frankfurt und Leipzig nach Dresden, von Stuttgart über Singen nach Zürich sowie von Dortmund über Frankfurt, Nürnberg und Passau nach Wien.

Nach Bahnangaben werden derzeit zwei von drei Verbindungen von anderen, oft etwas langsameren Zügen bedient. Die restlichen Verbindungen fallen aus. Auf den übrigen ICE-Strecken verkehrten die Züge aber mittlerweile planmäßig.

Riss schon im August

Die Überprüfung war nötig geworden, nachdem bei einem der Neigetechnik-Züge ein Riss in der Achse festgestellt worden war. Diesen Riss allerdings hatte die Deutsche Bahn offenbar schon Anfang August bemerkt.

Eine Sprecherin des Unternehmens sagte der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, dass sich der Befund dann am 15.Oktober bestätigt habe. Der Zeitpunkt, zu dem der Riss festgestellt wurde, könnte Auswirkungen auf Schadensersatzforderungen der Bahn gegen das Herstellerkonsortium Siemens, Alstom und Bombardier haben.

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(SZ vom 29.10.2008/lpr)