Großartiges noch größer machen: Die Schweizer planen einen künstlichen Viertausender und Wolkenkratzer auf der Alm. Doch muss das wirklich sein?
Der Weg von der Bergstation Klein Matterhorn zur Aussichtsplattform ist kurz, aber anstrengend. Viele Touristen geraten ins Keuchen, wenn sie den Tunnel durchqueren, der von der Seilbahnstation an der Nordwand zur Südseite des Berges führt.
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Warnschilder erinnern die Besucher daran, langsam zu machen und notfalls auf einer Bank zu rasten. Trotzdem kippen immer wieder Menschen um, denen der Sauerstoffmangel zu schaffen macht. Schließlich befindet sich die Bergstation auf fast 4000 Metern Höhe.
Aber eben nur fast.
Der Gipfel des Klein Matterhorn bei Zermatt liegt auf 3883 Metern und gilt als höchstgelegener Aussichtspunkt der Alpen, den man bequem mit der Seilbahn erreichen kann. Doch das reicht offenbar nicht aus.
Die Zermatter Bergbahnen planen, das Klein Matterhorn um 117 Meter aufzustocken. Damit wird es zwar immer noch kein richtig großes Matterhorn wie der 4478 Meter hohe benachbarte große Bruder, aber immerhin ein Viertausender. Die Baupläne sehen ein pyramidenartiges Gebilde aus Stahl und Glas vor, das Restaurants, Konferenzräume, ein Hotel und eine "Sky Plattform" beherbergen soll. Der Verwaltungsrat der Bergbahnen hat dem Projekt bereits zugestimmt.
Auch in anderen Touristenorten der Schweiz werden spektakuläre Projekte diskutiert.
In Arosa ist ein futuristisches Gipfel-Restaurant auf dem Weisshorn im Bau, in Davos soll ein 105 Meter hoher Hotelturm auf der Schatzalm errichtet werden, im Wallis gibt es Pläne für neue Seilbahnen und ein Hoteldorf am Rande des Aletschgletschers.
Nach Jahren der Zurückhaltung scheint in den Schweizer Bergen ein Bauboom ausgebrochen zu sein, bei dem es darum geht, die großartige Bergwelt noch großartiger erscheinen zu lassen.
So wie ein Golf-Fahrer seinen alten Kompaktwagen tunt, indem er Zierfelgen anschraubt und das Auto tieferlegt, werden die Alpen architektonisch aufgemotzt und höhergelegt.
Falls der Plan verwirklicht werden sollte, wäre das Klein Matterhorn der erste von Menschenhand gebaute Viertausender. 76 Viertausender gibt es in den Alpen, allein 38 davon stehen auf Zermatter Gemeindegebiet. Reicht das nicht?
Wozu die Alpen pimpen? Heinz Julen, Künstler aus Zermatt, der sich zusammen mit dem Architekten Ueli Lehmann eifrig für das Matterhorn-Upgrade einsetzt, hat eine philosophische Überhöhung parat:
"Schon immer sehnt sich der Mensch nach dem Universum, nach magischen Erlebnissen", orakelt er. Das Klein Matterhorn solle zum Gipfel großer Träume werden, an dem Besucher gar "eine spirituelle Dimension" erleben können.
Zunächst einmal haben die Planer mit finanziellen und technischen Dimensionen zu kämpfen. Die Baukosten würden mindestens 70 Millionen Euro betragen. Ein Bauwerk auf einem Alpengipfel ist ähnlich kompliziert zu betreiben wie eine Weltraumstation. Das Hotel auf dem Klein Matterhorn müsste wie eine Flugzeugkabine unter künstlichem Überdruck gehalten werden, sonst könnte man dort nicht schlafen.
Besucher müssten Druckausgleichskabinen passieren. An der Außenwand der Pyramide sind gläserne Lifte geplant, die mehr als 200 Meter vom Gletscher bis zur Pyramidenspitze überwinden. Die Verankerung der Konstruktion im Fels ist heikel.
In Zermatt schwärmen die Tourismus-Marketingleute trotzdem schon von einem "neuen Eiffelturm": "Es soll ein weiteres Markenzeichen der Schweiz werden," sagt Christen Baumann, Geschäftsführer der Zermatt Bergbahnen. Daniel Luggen, Tourismusdirektor von Zermatt, freut sich auf die potentielle Touristenattraktion: "Es braucht immer mal wieder Pionierprojekte", findet er. Braucht es die wirklich?
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Träumen, planen, reisen
Schweizer Käse!!!
wenn die berge ins tal kommen, machen ein paar tonnen stahl und beton mehr auch nichts mehr aus;)