Bei Rom-Führungen gibt der Vatikanthriller "Illuminati" die Route vor, auf der Touristen die ganze Wahrheit erfahren.
Morgens um 9.30 Uhr geht es um den ersten Mord, doch die Piazza del Popolo ist an diesem Tag nicht der ideale Ort dafür. Die italienische Polizei bereitet eine Feier vor, einige Beamte bauen gerade einen mehrere Meter hohen Polizeischriftzug aus Plastikbuchstaben auf.
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Sechs deutsche Touristen sind schon da, vier Freunde aus Stuttgart und ein Ehepaar aus dem hessischen Dillenburg. Mitten auf dem weiten eleganten Oval sticht ein Obelisk in den wunderschön klaren Morgenhimmel.
Hier ist der Treffpunkt für einen speziellen Stadtspaziergang.
Seit fünf Jahren bietet der niederländische Journalist Ewout Kieckens thematische Rundgänge auf den Spuren bekannter, in Rom spielender Romane an. Harry Mulischs "Die Entdeckung des Himmels" kam nicht bei der Kundschaft an.
Die "Illuminati"-Tour dagegen ist begehrt. Sie basiert auf dem gleichnamigen Thriller des Amerikaners Dan Brown, dessen Verfilmung soeben in den deutschen Kinos gestartet ist.
Kieckens hat keinen Schirm dabei oder was Fremdenführer sonst als Erkennungszeichen in die Höhe halten.
Seine Touren sollen anders sein. Statt Geschichte en masse gibt es Massen-Geschichten. Mit Browns 15 Millionen Mal verkauftem Roman in der einen Hand und einem Ordner mit Bildern in der anderen, fängt er seinen Vortrag an.
"Wir sehen hier oben einen Steinhaufen und den Stern", sagt Kieckens und deutet auf ein Emblem an dem prachtvollen weißen Tor in der Stadtmauer, das den Auslass der Piazza del Popolo bildet. "Dan Brown sagt, das ist eine Pyramide und damit das Zeichen der Illuminati. Eigentlich handelt es sich aber um das Wappen der Familie Chigi. Und die sechs Steine sind keine Pyramide, sondern das Symbol für die sechs Hügel von Siena, wo die Familie herstammt."
Es wird nicht das einzige Mal bleiben, dass Kieckens die Technik von Brown, Fakten mit Fiktion zu durchmischen, demaskiert.
In dem flott lesbaren 700-Seiten-Werk taucht der längst aufgelöst geglaubte Geheimbund der "Illuminati" aus der Vergangenheit auf, um sich an der katholischen Kirche für deren forschungsfeindliche Haltung zu rächen. Den Bund gab es wirklich, er wurde 1776 in Ingolstadt gegründet, doch er bestand nur für kurze Zeit.
Im Buch hält ein von den Illuminaten beauftragter Entführer vier Kardinäle gefangen; einer von ihnen hätte beim gleichzeitig stattfindenden Konklave zum Papst gewählt werden sollen. Der Bösewicht kündigt an, einen Geistlichen nach dem anderen umzubringen.
Am Ende soll eine Bombe die Kardinalsversammlung nebst Petersdom und allen Schätzen des Vatikans in die Luft jagen. Die Tatorte liegen praktischerweise alle an bekannten Sehenswürdigkeiten - da freut sich die Tourismusbranche.
Seit der Film mit Tom Hanks in der Hauptrolle kürzlich in Rom Premiere hatte, ist das Interesse an Illuminaten-Touren noch einmal gewachsen. Mehrere Unternehmen bieten die Rundgänge entlang dem beschriebenen "Pfad der Erleuchtung" an. Dieser Weg soll im Buch die beiden Wissenschaftler Robert Langdon und Vittoria Vetra zum Hauptquartier der Illuminati führen, damit sie die Zerstörung stoppen können.
"Vittoria starrte suchend in die Gasse hinein. Glauben Sie, es könnte noch einen dritten Eingang geben? Langdon bezweifelte es", liest Ewout Kieckens laut auf der Piazza del Popolo. "Langdon folgte ihr tiefer in die Gasse hinein." Kieckens Kundschaft muss grinsen.
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schöner Bericht
Danke