Angry-Birds-Land in Tampere Schräge Vögel

Knerrzss, huuiiihh, lotsch: "Angry Birds" ist eines der erfolgreichsten Handy-Spiele. In Finnland haben die Figuren jetzt einen Freizeitpark erobert.

Von Philipp Crone

Die zwei Männer an der Bar des Irish Pubs blicken grimmig an ihren Biergläsern vorbei. Nackte Schädel, Kinnbärte, vernietete Lederjacken. Die Köpfe über ihre Smartphones gebeugt, im blauen Schein. Der eine scrollt seinen Chat weiter, ehe er sich eine Portion Snus, seinen Tabak, unter die Oberlippe klemmt, der andere antwortet auf eine SMS. In einer Stadt, in der selbst die Rocker, eigentlich die letzten Helden des Haptischen, dem Digitalen verfallen sind, braucht man sich über die neueste Errungenschaft wohl nicht zu wundern: den weltweit ersten Angry-Birds-Freizeitpark, gelegen am Strand von Tampere, Finnland.

So ähnlich wie Legoland, nur mit grimmigen Vögeln: Eingang zum Angry-Birds-Land in Tampere.

(Foto: dpa)

Angry Birds ist das Computerspiel, das sich seit 2010 wie ein Virus auf gefühlt alle Smartphones dieser Welt ausgebreitet hat. Eine Milliarde Mal soll es bereits heruntergeladen worden sein. Bei dem Spiel spannt der Spieler auf seinem Touchscreen eine Steinschleuder, in der als Geschoss einer der Angry Birds, der verärgerten Vögel, steckt. Ihn schießt er auf grüne Schweine. Dazu ertönen bräsig blödelige Dödelklänge. "Knerrzss", spannt sich die Schleuder, "huuiiihh" fliegt der Vogel - wobei, nur nebenbei, bislang noch niemand gefragt hat, warum man Vögel durch die Luft schießen muss -, und landet entweder "lotsch!" daneben oder im Ziel "klirrkrawummsvogeljubeljubel". Es bräuchte bei dem Spiel nicht einmal die rudimentäre Geschichte drumherum: Schweine haben den Vögeln ihre Eier geklaut oder so. Es geht hier einzig um die Lust an der Zerstörung.

Vielleicht ist ja bei einem Besuch des Parks, der nur ein paar Kilometer vom Sitz der Firma Rovio entfernt liegt, wo das Spiel entwickelt wurde, zu erfahren, warum alle Welt Vögel durch die Gegend ballert? Sogar von Aggressionsabbau sprechen manche. "Huuiiihh", also wirklich, "lotsch".

Handelsübliche Fahrgeschäfte und Karussells in Vogelform

Für die verärgerten Vögel hat der Freizeitpark Särkänniemi in Tampere einen halben seiner zehn Hektar Fläche freigeräumt; knapp zehn Millionen Euro kostete der Umbau für die runden Comicfiguren. Allerdings ist es nicht so, dass man sich hier durch Gestalt gewordene Phantasie-Levels kämpfen muss. Zu finden sind vielmehr handelsübliche Fahrgeschäfte, dazu ein Karussell in Vogelform und ein Klettergarten, der einem der bis dato 500 Angry-Birds-Levels nachgebaut ist. Der Merchandise-Shop ist gänzlich voller Angry Birds. Ob Gummibärchen, Limonade, Plüschtiere oder Federmäppchen - aus jedem Regal starren den Besucher großäugige, fies dreinblickende Vögel an.

Begeistert sind davon vor allem die Kinder, nicht die Erwachsenen. Das Spiel allerdings ist ja auch eines, das die Großen spielen. In Finnland zumal, sagt Mikko, ein Student, der im Stadtzentrum von Tampere in einem Café sitzt. "Wir sind hier im Winter lange Zeit ohne Licht, da ist die moderne Kommunikation natürlich ein Segen." Technikaffin seien in Finnland aber nicht nur die Erwachsenen. "Hier haben alle Kinder mit fünf schon ein Handy", erzählt Mikko. Und Angry Birds gehöre da natürlich dazu. "Das Spiel hat viele Vorteile." Es geht zum Beispiel schnell. Der Versuch, ein Level zu schaffen, die Schweine zu treffen, dauert nur wenige Sekunden, das geht auf dem Weg zur Schule, zwischen zwei Telefonaten, zwei Mails, eigentlich immer. Doch Mikko ist sich sicher, die Vogel-Mode sei bald wieder vorbei, so eine unsterbliche Figur wie Micky Maus werde nicht aus den kleinen Viechern.