Wenn die Kontrolle übers Auto verloren geht, fühlt sich die Piste auf dem bolivianischen Salzsee an wie eine Eislaufbahn: Wer bremst, verliert. Für zwei Menschen kommt diese Erkenntnis zu spät.
Auf einem Salzsee in Bolivien erlebe ich, wie Menschen sterben. Der Vater ist schon tot. Nur eine seiner Hände schaut noch unter der Decke hervor. Die Tochter atmet noch. Eine halbe Stunde später stirbt auch sie. Nach zwei Stunden kommen zwei Polizisten mit einem Arzt, der die schwerverletzte Schwester mitnimmt.
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(© Grafik: Vera Thiessat)
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Der Schwiegersohn wollte die Familie in einem Jeep in sein Dorf bringen. Straßen gibt es in der riesigen Wüste an der Grenze zu Chile nicht. Nur Schotterwege und Salzseen. Die Sonne spiegelt sich in der glatten weißen Oberfläche. Die Luft scheint zu brennen. Unter dunkelblauem Himmel fließt rotes Blut auf das Salz.
Ich bin in einem anderen Jeep mit einer bolivianischen Familie unterwegs. Die Mutter lebt mit ihren Töchtern und ihrem Sohn in Florida, die Tante in einem Villenviertel in La Paz. Juan, der bolivianische Fahrer, soll uns in drei Tagen zur chilenischen Grenze bringen. Dort gibt es einen Bus nach San Pedro de Atacama.
Wir fahren seit zwei Stunden auf dem riesigen Salzsee. Plötzlich erkennen wir auf der blanken Oberfläche eine lange Schmutzspur. Dann sehen wir den umgestürzten Jeep. Mitglieder einer Reisegruppe, die kurz vor uns an die Unfallstelle gekommen war, schützen die lebenden und die toten Opfer mit Decken vor dem Sonnenlicht.
Ich bekreuzige mich spontan, weil ich nicht weiß, was ich sonst machen soll. Juan hat als einziger ein funktionierendes Handy. Der Schwiegersohn gibt zittrig und mit blutverschmierten Händen eine Notrufnummer ein. Niemand antwortet. Die Welt ist noch wild hier. Ein Menschenleben zählt weniger als auf einer deutschen Autobahn.
Angeblich ist ein Reifen geplatzt. Es riecht auch nach Alkohol. Wenn die Kontrolle übers Auto verloren geht, dann wirkt dieser Salzsee wie eine Eislaufbahn: Wer bremst, verliert. Nach einer Stunde stehen fünf weitere Jeeps an der Unfallstelle. Kein Arzt dabei, nur eine Medizinstudentin aus Amerika, die hilflos wirkt.
Es fühlt sich an, als sei die Zeit stehen geblieben. Irgendwann fahren wir weiter. Mitten im Salzsee steht eine Insel, darauf ein Wald aus Kakteen. Der längste Kaktus misst fast zehn Meter. Ich frage mich, warum ich das sehen darf und andere nicht. Regelt das der Zufall? Warum haben manche Menschen immer Glück, andere nicht?
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Träumen, planen, reisen
Der Salar de Uyuni (Salzsee) in Bolivien ist mit 12.000 km² einer der größten Salzseen der Welt, und der Autor erzählt nur über ein Unfall!!!!!!!
Schade, dass der Autor nicht über die schöner Landschaft schreiben kann.
Der Salar de Uyuni ist mehr als schön, dort kann Man sehen wie groß und ungläubig unsere Welt ist.
Ah und das Klopapier kostet 1Bs, das sind 10 ctv EUR
nico
@Sonia Carancha
Sie haben vermutlich eine familiaere Bindung an Suedamerika und kennen die Laender und Leute ganz gut. Auf die meisten Leser dieser Zeitung trifft dies aber nicht zu, darum ist es ganz nuetzlich zu wissen, dass man sein eigenes Klopapier mitbringen sollte. Das ist in Mitteleuropa naemlich meist nicht notwendig, selbst hier in China, wo ich seit geraumer Zeit lebe, ist Klopapier entweder vorhanden oder man kann es vor Ort erwerben.
Jedenfalls beteht KEIN GRUND immber gleich beledigt zu sein. Aus unserer Sicht beschreibt Herr Jacobi die Laender gar nicht herablassend.
@homas ruderer
Du, das denke ich jetzt auch. ist mir vorher nur so komisch vorgekommen, freut sich ueber 10 Meter hohe Kakteen, freut sich, dass er dort sein darf. Das wuerde Maeennern mehr so am 'Ar...' vorbeigehen.
...während ich den Aufsatz des Herrn Jacobi las, dachte ich, das hat bestimmt eine Frau geschrieben....
...wenn Herr Jacobi sein script vor Veröffentlichung Frau Carancha zur Begutachtung mit anschliessender Freigabe vorgelegt hätte. Dann müsste die sich nicht so dolle ärgern ob vermeintlicher Wohlstandsreisender in fernen Ländern, die nicht analytisch denken können und ihr (Carancha) durch das Verfassen von sog. "Reiseberichten" die schriftliche Niederlegung sarkastischer Kommentare abnötigen.
Mir kommen gleich die Tränen: da ist doch glatt die Strasse auf dem Salar nicht geteert! Das wäre sicher eine technische Meisterleistung geworden, Teer auf der Salz-Oberfläche.
Und im Krankenhaus in Uyuni gibt es keine Wasserspülung im Klo, und man muss das Klopapier kaufen! Welche Rücksichtslosigkeit, dass kein Drei- bis Vier-Lagen-Papier für die zarten Touristenpopos bereit gehalten wird. Und beim Reifenwechsel pinkeln Männer und Frauen an den Strassenrand: Mann, wohin denn sonst? Oder hätten vielleicht nur die Männer dergleichen gedurft? Oder hätte der Busfahrer doch eben die Reiseklo-Kabine für verwöhnte Leute montieren können, statt sich um den Reifenwechsel zu kümmern.