In Barrow, dem nödlichsten Ort Amerikas, ist das Leben hart - es ist furchtbar kalt und viele junge Inupiat leiden unter dem Verlust ihrer Identität.
Vietnamkriegsveteran Bill West überredet mich im Hotel in Barrow, eine Mahlzeit aus Muktuk und Akutuk zu mir zu nehmen. Muktuk ist ein kleines, rechteckiges und vor allem rohes Stück Grönlandwal, das aus drei Schichten besteht: der schwarzen Haut, dem schleimigen Tran und dem festen Muskelfleisch. Tuluk ist auch unter dem Namen Eskimoeiskrem bekannt und besteht aus Karibufett und Waldbeeren.
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Unterwegs in Alaska: Von Kotzebue nach Barrow. (© Foto: Florian Dreyssig)
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Beides sind traditionelle Speisen der Inupiat. Barrow ist die größte Ansiedlung dieses Eskimostamms, rund 4500 leben hier, am nördlichsten Ort Amerikas. Am Ufer treiben Eisschollen, die sich am Horizont zu einer geschlossenen Eismasse verdichten. Es ist das Ende des Kontinents. Irgendwo im Eis kommt nur noch der Nordpol.
An der Bootslandestelle treffe ich Arnold und Ned. Wie alle Inupiat stellen sie sich Fremden mit westlichen Vornamen vor. Das Wasser ist rot gefärbt, auf dem Sandstrand liegt die Beute der Jagd, ein zwei Meter langer Seehund.
Sonnenstrahlen glitzern auf der grauen Haut. Arnold und Ned laden den Seehund auf einen Pickup-Truck und legen ihn vor Arnolds Haus ab. Dann fahren sie wieder raus aufs Eismeer.
Vom Ufer winkt Jim. Bis vor ein paar Jahren war er mit einer Deutschen verheiratet. Irgendwann packte sie die Koffer und kam nie mehr wieder. Ihr fehlten im Sommer die Bäume und im Winter die Sonne, erzählt Jim.
In Barrow bleibt es von November bis Februar dunkel. Dafür geht die Sonne von Mai bis September nie unter. Und das alles nur, weil die Erdkugel sich schräg legt auf ihrer Tour um die Sonne.
Unter einer dicken Mütze und mit mehreren Oberteilen bekleidet mache ich mich auf den Weg nach Point Barrow, das wirklich allerletzte Stück Land. Es sind knapp zwanzig Kilometer bis dorthin, auf einem immer enger werdenden Landstrich. Links die Tschuktschensee, rechts das Beaufortmeer.
Auf dem Weg treffe ich Inupiat, die Enten schießen. Dann nur noch Tundravoegel und Tundrablumen, die sogar blühen.
Der Strand ist Eisbären-Revier
Auf einmal brummt es, und aus dem Sand taucht ein Ungetüm auf. Es ist Frank aus Kroatien mit seinem Hummer und zwei Gästen, die für die Tour bezahlt haben. Frank nimmt mich mit, aber ist böse mit mir.
Ich war leichtsinnig, der Strand ist Eisbären-Revier. Um die Bären vom Dorf fernzuhalten, legen die Inupiat hier während der Pottwaljagd hier die Knochen ab. Niemand kommt alleine und unbewaffnet her.
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