Auch auf Kubas Kunstszene wirkt sich der CUC aus. Der Maler Enrique, 31, hat eine kleine Ausstellung mit modernen Halbreliefen aus Holz. Solch sperrige Kunst ist aber nur schwer zu verkaufen. "Viele meiner Kollegen haben umgestellt", sagt er und zeigt auf die andere Straßenseite, wo knallbunte Havanna-Stadtansichten und Che-Portraits verkauft werden, "Che, Che, Che, damit lassen sich schnell ein paar CUC verdienen."

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Am leichtesten haben es Menschen mit Zugang zu staatlich subventionierten Grundnahrungsmitteln wie Carlos, 35. Er arbeitet in einer staatlichen Großbäckerei. Abends trägt er häufig einen großen Batzen Teig aus der Backstube, den er dann an Frauen in der Nachbarschaft verkauft. Zwei CUC bekommt er dafür, genug Geld für zwei Feierabendbier und eine Stange "Caramello" für seinen kleinen Sohn. Tagsüber verkauft Carlos altes Brot als Paniermehl: "70 Prozent des Gewinns gehen an den Staat, 30 Prozent behalte ich." Auf die Frage, ob ihn jemand kontrolliert, lacht er laut.

Dass Bäcker solche illegalen Gewinne machen können, ärgert die Ingenieurin Sandra: "Bei uns ist die gesellschaftliche Pyramide umgedreht: Ganz oben steht der, der nicht arbeitet, dann kommen Verkäufer und Bäcker - Professoren, Lehrer und Ärzte sind die Deppen." Nur wenige junge Kubaner wollen deshalb heute noch Lehrer werden.

Trotzdem glaubt Sandra, wie der Arzt Jorge und viele andere Kubaner, dass der Sozialismus ein gutes System ist. Sie würden nicht mit anderen mittelamerikanischen Ländern tauschen wollen, wo Kinder statt in die Schule zu gehen, arbeiten müssen und wichtige Operationen für normale Leute unbezahlbar sind. Auch im CUC-gespaltenen Kuba gibt es keine Oberschicht, die mit dicken Mercedeslimousinen die Innenstädte durchkreuzt. Wer offiziell im Tourismus arbeitet, muss hohe Steuern zahlen, mit denen das Bildungs- und das Gesundheitssystem finanziert werden.

Gerade auf das Gesundheitssystem ist der Arzt Jorge stolz. "So gute Ärzte wie in Kuba findet man in Mittelamerika sonst kaum. Wir haben zum Beispiel eine Augenoperation gegen den Star entwickelt, da hinten auf dem 20-CUC-Schein ist ein Bild davon." Er zeigt auf den Geldschein und sagt stolz: "Ich bin ein kubanischer Arzt. Ich mache meinen Beruf aus Leidenschaft." Morgen Vormittag wird er sich wieder um seine Patienten kümmern, auch wenn er als Taxi-Fahrer ungleich viel mehr verdienen könnte.

*Alle Personen wurden anonymisiert.

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(sueddeutsche.de/dd)