Für die massenhafte Erkrankung von 150 Besuchern der Rappenseehütte in den Allgäuer Alpen könnte neben der defekten Trinkwasseranlage auch ein Virus verantwortlich sein.
Nach der Erkrankung von rund 150 Bergwanderern im Allgäu durch verunreinigtes Trinkwasser ermittelt die Kriminalpolizei Kempten wegen fahrlässiger Körperverletzung. Derzeit werde geprüft, wer für das Funktionieren der Trinkwasseraufbereitungsanlage auf der Rappenseehütte verantwortlich sei, sagte ein Sprecher der Polizei in Kempten - entweder der Deutsche Alpenverein (DAV) als Betreiber der Hütte oder der Hüttenpächter selbst.
Auf seiner Internetseite macht der DAV auf die Schließung der Rappenseehütte aufmerksam. (© dpa)
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Alle Erkrankten hatten am Wochenende die in 2.091 Meter Höhe gelegene Rappenseehütte in den Allgäuer Alpen in der Nähe von Oberstdorf besucht. Das DAV-Haus mit rund 300 Lagerplätzen und 42 Betten war zum Zeitpunkt des Ausbruchs der Infektion voll belegt.
Mit dem Hubschrauber ins Tal
Bis zum Samstag waren bereits mehr als 100 Bergwanderer erkrankt. Die Gäste wurden auf der Rappenseehütte und umliegenden Hütten ärztlich betreut, Ärzte hatten sich freiwillig für den Einsatz gemeldet. "Viele Wanderer konnten eigenständig ohne Behandlung oder nach der Behandlung ins Tal gehen", so der Polizeisprecher.
Insgesamt 44 Menschen mussten am Wochenende stationär im Krankenhaus behandelt werden. Sie waren mit Hubschraubern ins Tal geflogen worden. Am Montag befanden sich noch zwölf von ihnen in verschiedenen Kliniken im Ober- und Ostallgäu. Die meisten könnten aber noch im Laufe des Tages entlassen werden, sagte der Sprecher.
Infektion mit Norovirus?
Neben verunreinigtem Trinkwasser prüfen die Behörden noch eine weitere Ursache für die massenhafte Darmgrippe. Nach Angaben des Landratsamts Oberallgäu ist nicht auszuschließen, dass ein Hüttengast eine Infektion mit dem Norovirus eingeschleppt und andere Besucher angesteckt hat.
In Verbindung mit dem unsauberen Trinkwasser könnte dies die gravierenden Beschwerden bei den Hüttengästen verursacht haben. Konkrete Ergebnisse der Untersuchungen lägen allerdings noch nicht vor, sagte eine Sprecherin des Landratsamts.
Durchfall, Erbrechen, Kreislaufprobleme
Die Krankheitswelle auf der Rappenseehütte hatte bereits am Freitagvormittag ihren Anfang genommen: Immer mehr Alpinisten litten unter Durchfall, Erbrechen und Kreislaufproblemen.
Die Hütte gehört zur Sektion Allgäu-Kempten des Deutschen Alpenvereins (DAV) und soll mindestens die nächsten Tage geschlossen bleiben. "Aufgrund der ersten vorliegenden Untersuchungsergebnisse wird davon ausgegangen, dass die im Trinkwasser enthaltenen Keime sich nicht allzuleicht abtöten lassen", sagte der Polizeisprecher.
Außerdem solle mit der Schließung sichergestellt werden, dass die Kette der Infektionen unterbrochen wird, erläuterte die Polizei die Entscheidung des Landratsamtes Oberallgäu. Im Tal weisen Hinweistafeln auf die Hüttensperrung hin. Zu Beginn der Woche werden die abschließenden Untersuchungsergebnisse über die Erreger erwartet.
Hygienemaßnahmen auch in anderen Hütten verstärkt
Zunächst war versucht worden, den Betrieb aufrechtzuerhalten. Auf Anordnung des Gesundheitsamtes wurde das Wasser abgekocht und chloriert. Zusätzlich wurde vom DAV Mineralwasser zur Versorgung der Wanderer und Gäste zur Hütte gebracht.
Inzwischen wurden auf den anderen Hütten am Allgäuer Hauptkamm vorsorglich die Hygienemaßnahmen verstärkt. Für den Fall, dass dort Infektionen auftreten sollten, müssen separate Räumlichkeiten für Betroffene vorgehalten werden.
Eine DAV-Sprecherin sagte, Bergwanderer müssten nicht verunsichert sein, der Trinkwasserstandard auf den Hütten werde ständig streng geprüft. Einen ähnlichen Vorfall wie jetzt habe es in den vergangenen Jahren nicht gegeben. Wanderer müssten kein Trinkwasser in Kanistern mitschleppen, sondern könnten sich auf die hohe Wasserqualität in den Hütten verlassen.
In der Rappenseehütte (Slogan auf der Homepage: "Dem Himmel ein Stückchen näher") war nach ersten Erkenntnissen schon seit einigen Tagen die Trinkwasseraufbereitungsanlage defekt. Offenbar hatte die UV-Anlage der Hütte zur Keimvernichtung im Trinkwasser versagt, sagte Bernd Zehetleitner von der Bergschule Oberallgäu. Dabei werde das Wasser zur Keimabtötung bestrahlt. Dies sei ein seit Jahren bewährtes Prinzip für die Trinkwasserbereitstellung in den Berghütten.
Die Rappenseehütte werde jetzt gründlich desinfiziert und soll zum Wochenende wieder geöffnet werden.
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(sueddeutsche.de/AP/odg/dd)
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Ich habe kein Wort über das Noro-Virus verloren. Auch dieses Mal scheint dessen Beteiligung nicht festzustehen.
Wie Sie feststellen konnten, habe ich den Namen der Hütte bewußt nicht erwähnt. Also habe ich auch keinem Hüttenbetreiber etwas unterstellt.
An der Hubschrauberrettung war ich telefonisch vom Schreibtisch aus "beteiligt".
Das einzige, von dem damals alle Gruppenmitglieder "gekostet" hatten, war das Wasser. Wohl aufgrund der geringen "Fallzahl" wurde das damals nicht weiter untersucht. Mir hat lediglich folgender Satz mißfallen:
"Einen ähnlichen Vorfall wie jetzt habe es in den vergangenen Jahren nicht gegeben."
Speziell Noro breitet sich in einer engen Gruppe, in der evtl. wenig auf Hygiene geachtet wird (ich gehe davon aus, dass es in den meisten bergwandernden Jugendgruppen so oder so ähnlich aussieht) zügig aus. Und hat nun eines der Kinder den Virus mit auf die Hütte gebracht oder soll der schon da gewesen sein? Ich finde es ziemlich frech, was sie hier den Hüttenbetreibern unterstellen. Sie waren weder dabei, noch haben Sie irgendwelche Ahnung davon was "vor einigen Jahren" in der Gruppe genau ablief.
Ein Freund von mir hatte vor einigen Jahren mit seiner DAV-Jugendgruppe ein ähnliches Problem auf einer benachbarten Hütte. Die gesamte Jugendgruppe war damals erkrankt, ein Kind mußte ausgeflogen werden.