Von Wolfgang Koydl

Die britische Regierung warnt ihre Landsleute, sich beim Skifahren in den Alpen zu betrinken - die Zahl der tödlichen Unfälle steigt.

Fußballspiele, Flugreisen, Strandurlaube - gibt es Tätigkeiten, die manche Briten ohne die Zufuhr größerer Mengen an alkoholischen Getränken ausführen können? Die Zweifel daran sind gewachsen, nachdem das Außenministerium in London nun eine neue Gruppe von Landsleuten vor dem Genuss berauschender Mittel gewarnt hat: Wintersporttouristen auf dem Weg in die Alpen.

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Ab sofort werden an Flughäfen, Bahnhöfen und sogar auf Bierdeckeln Ermahnungen verbreitet, dass "Alkohol in großen Höhen schneller das Bewusstsein beeinflusst und das Gefühl für Gefahr und Kälte" einschränken könne: "Die Reaktionsfähigkeit verlangsamt sich, rücksichtsloses Verhalten kann zu kriminellen Handlungen führen, Alkoholmissbrauch kann schlicht und einfach einen Urlaub ruinieren."

Es muss sich um verhältnismäßig große Bierdeckel handeln, auf denen dieser Text Platz findet.

In der Vergangenheit gab es immer wieder Beschwerden über betrunkene britische Schlachtenbummler bei Fußball-Auswärtsspielen ihrer Vereine. Seit einigen Jahren führen die Ordnungskräfte ost- und mitteleuropäischer Metropolen von Budapest über Prag nach Wilna einen ziemlich aussichtslosen Kampf gegen britische Kampftrinker, die durch günstige Flugpreise und billigen Alkohol angelockt werden.

Das ist bedenklich genug, aber Alkohol-Exzesse beim Wintersport, so betonen Mediziner und Diplomaten übereinstimmend, fördern darüber hinaus die Gefahr schwerer und gar tödlicher Unfälle.

Allein das britische Konsulat in Lyon, das für die Urlaubsorte in den französischen Alpen zuständig ist, musste in der vergangenen Saison 30 Briten in Särgen nach Hause schaffen, die bei Skiunfällen getötet worden waren - viele davon unter Einfluss von Glühwein, Jagatee oder Bier.

Insgesamt waren ein Drittel aller britischen Ski- und Snowboard-Fahrer unter 25 in Unfälle verwickelt, die von einer Mischung aus "Alkohol, Anhöhen und Adrenalin" ausgelöst wurden, wie die Times berichtete.

Die Zeitung zitierte Nedjib Benammar, den Chef der ganz gewiss nicht unter Arbeitsmangel leidenden orthopädischen Abteilung des Krankenhauses von Albertville in den französischen Alpen.

"In großen Höhen gibt es weniger Sauerstoff, das bedeutet, dass das Gehirn nicht in seinem normalen Zustand ist und dass auch andere Organe nicht in ihrem normalen Zustand sind", erklärte der Mediziner im Interview.

Logisch mithin, dass der ganze Tourist unter diesen Umständen dann auch in einem eher abnormalen Zustand ist.

Am unfallträchtigsten sind nach den Worten von Benammar die Mittagszeiten, wenn Skifahrer ihren Lunch in mehreren tausend Metern Höhe zu sich nehmen und mit reichlich Bier und Wein nachspülen. Etwa 70 Prozent aller Ski-Unfälle ereigneten sich nach dem Mittagessen oder am späten Nachmittag, wenn die Mischung aus Trunkenheit und Müdigkeit ihren Tribut fordere. Der Arzt gehört zu jener wachsenden Zahl von Experten, die ein Alkohollimit für die Pisten fordern.

Es dürfte nur eine Frage der Zeit sein, bis am Lift ins Röhrchen geblasen wird.

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(SZ vom 11.12.2009/kaeb)