Air India setzt Stewardessen unter Druck "Dicke bleiben am Boden"

Die indische Fluggesellschaft will nur noch Flugbegleiter an Bord lassen, die den passenden Body Mass Index haben. Wer zu dick ist, fliegt aus der Kabinencrew.

Ein Vertreter von Air India versteht die Aufregung nicht: "Wir verlangen von den Stewardessen doch nur, dass sie sich wieder in Form bringen." Hinter diesem Wunsch steckt aber keine Sorge um die Gesundheit der Kabinencrew, sondern um das Ansehen der Fluggesellschaft. Wobei "Ansehen" im Wortsinn zu verstehen ist.

Während die Stewardessen bei privaten indischen Airlines zwischen 20 und 30 Jahre alt sind, haben knapp 70 Prozent der meist weiblichen Flugbegleiter von Air India die 40 schon überschritten, berichtet die Times of India. Bis zum Alter von 58 Jahren dürfen sie an Bord Dienst tun. Aber nach dem Willen von Air India künftig nur noch dann, wenn sie ins enge Raster passen.

Im Cockpit mit Gandalf

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Anstatt sich also zu freuen, erfahrene und kompetente Mitarbeiter zu haben, die selbst in stressigen oder gar gefährlichen Situationen nicht die Nerven verlieren, reduziert Air India die Stewardessen nun auf ihr Äußeres: Bis zum Monatsende haben sich alle über 40-Jährigen zum medizinischen Test einzufinden, damit der Body Mass Index bestimmt werden kann.

Wer bei dem Test durchfällt, bekommt sechs Monate Zeit, um sich dem Firmenideal anzupassen. Zu dicke Flugbegleiter müssen am Boden bleiben und verdienen weitaus weniger Geld.

Doch die Stewardessen rebellieren: Ein Großteil verweigert den Test und fordert Air India auf, ihnen erst einmal, wie früher, die Gebühren für das Fitnessstudio zu bezahlen, bevor solche Forderungen aufgestellt würden.

Das hat Folgen, allerdings nur für die Mitarbeiter: Wer nicht zum Test geht, wird bereits nicht mehr in den Dienstplänen berücksichtigt.

Air India fällt nicht zum ersten Mal mit rigiden Vorgaben auf: Die finanziell angeschlagene Airline hatte 2009 zehn Stewardessen gefeuert, weil sie zu dick waren. Konkurrent Thai Airways setzte gleich auf "jung und billig" und bot Stewardessen über 45 Jahren Auflösungsverträge an.

Der Air-India-Vertreter bleibt dabei, dass die Firmenpolitik völlig in Ordnung sei: "Wir könnten ja auch eine Altersgrenze von 35 oder 40 Jahren statt der heutigen 58 Jahre einführen. Aber das wäre doch nicht fair."