Interview: K. Schnitzler

Michael Lau ist für das Kabinendesign des A380 zuständig - ein Gespräch darüber, wie sich der Passagierraum im Laufe der Zeit verändert hat.

Seit den ersten Skizzen (1998) für den größten Passagierflieger der Welt, den Airbus 380, ist Michael Lau für das Design des Prestigeprojekts zuständig. Er hat Industrial Design studiert und arbeitet seit 1984 bei Airbus. Sueddeutsche.de sprach mit ihm über den Komfort in Flugzeugkabinen.

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sueddeutsche.de: Was hat sich aus Designersicht im Inneren der Kabine verändert?

Michael Lau: Wir legen gesteigerten Wert auf Benutzerfreundlichkeit, so gibt es zum Beispiel weniger Kanten, an denen man mit den Beinen und Knien anstoßen kann, auch die Form der Armlehnen haben wir angepasst. Wir begleiten die Airbus-Kunden, die einen A380 bestellen, bei der Kabinengestaltung sowie der Sitzauswahl: Bisher sind fast alle weit unter der Zahl der möglichen Sitze im Airbus geblieben, da ist der Komfort durch alle Klassen hinweg wesentlich höher. Und der Trend, den Passagieren die Möglichkeit zur Bewegung zu bieten, hält zum Glück an.

sueddeutsche.de: Was gibt es denn außer einer kleineren Sitzzahl noch für Möglichkeiten, den Passagieren ein wenig Bewegung zu verschaffen?

Lau: Es ist schon viel gewonnen, wenn Serviceangebote wie die Essensausgabe oder Duty-Free-Angebote während des Fluges zeitlich optimal abgestimmt sind. Und auch die Platzierung des Servicebereichs und der Sanitärräume spielt eine große Rolle.

sueddeutsche.de: Gab es im Kabinendesign drastische Einschnitte, etwa nachdem das Murren der Passagiere über die engen Sitzverhältnisse immer lauter wurde?

Lau: So einen klar geäußerten Unwillen von Passagieren hat es nie gegeben. Und auch beim Design gab es nie große Einschnitte, aber viele kleine Veränderungen. So betrachten wir etwa den gesamten Prozess vom Einsteigen bis zum Verlassen des Flugzeugs. Es hält zum Beispiel das Boarding auf, wenn Passagiere lange dafür brauchen, ihr Handgepäck zu verstauen. Daher haben wir für den A380 die Gepäckfächer anhand der größten an Bord zugelassenen Handgepäckstücke optimiert. Jetzt kann der Passagier seinen Koffer ins Fach schieben, ohne lange ausprobieren zu müssen, wie er am besten hineinpassen könnte. Das macht das Boarding schneller, was wiederum für die Passagiere aber auch für die Betreiber Vorteile hat.

sueddeutsche.de: Es gibt aber auch radikalere Ideen, den Passagierraum komplett umzugestalten, etwa Sitze mit Liegemöglichkeit übereinander einzubauen. Oder nur Klappsessel oder gar Stehplätze zu bieten. Was halten Sie von diesen Konzepten?

Lau: Wir haben selbst eine Vielzahl solcher Untersuchungen initiiert, um zu sehen, welches Potential darin steckt. Als wir 1998 mit der Planung des A380 begannen, baten wir neun Designbüros um Vorschläge. Zwei Jahre lang haben wir nach den besten Ideen gesucht, dafür pflegen wir auch den Kontakt nach außen. Bei Flugzeugsesseln sind der Sitzkomfort sowie die Beinfreiheit ausschlaggebend - das aber wird mit Klappsesseln nicht verbessert, im Gegenteil: Nur das Aus- und Einsteigen wird erleichtert. Deshalb haben wir diese Idee nicht weiterverfolgt.

sueddeutsche.de: Einige Airlines denken aber gerade über Stehplätze auf Kurzstrecken nach - wäre das machbar und auch sinnvoll?

Lau: Nein, das ist weder sinnvoll, noch würde das von den Luftfahrtbehörden zugelassen.

sueddeutsche.de: Und wie steht es um die Liegemöglichkeiten im Flugzeug?

Lau: In der First und Business Class sind flache Betten schon Standard. Bei einigen neuen Economy-Class-Sesseln lassen sich jetzt auch die Sitzflächen leicht neigen, so dass sich mit gekippter Rückenlehne ein besserer Ruheplatz ergibt.

sueddeutsche.de: Eine bekannte Stresssituation an Bord: Die Anschnallzeichen erlöschen, der Service mit den Geschirrwagen beginnt - aber zeitgleich wollen die Passagiere zur Toilette ...

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