Ricardo ist 44, trägt einen Clark-Gable-Bart und strahlt aus dunklen, fast schwarzen Augen. Dabei hat er Gründe genug, nicht so gut gelaunt zu sein. Seine Frau ist zu Hause ausgezogen, sie hat Ricardos Leidenschaft fürs Springen nie geteilt. Und dann hat er einen Monat pausieren müssen: geplatztes Trommelfell, die Standardverletzung der Klippenspringer.

Heute ist er zum ersten Mal wieder dabei und er ist ähnlich nervös wie Cuadrito. Mit dem Glatzkopf Kevin und Nando, einem Schlacks mit geölten Haaren und narbigem Gesicht, bilden sie das Team für die ersten beiden Shows des Abends. Nando war schon heute Mittag dabei und bei zwei außerplanmäßigen Shows am Nachmittag. Damit kommen die Klippenspringer heute auf insgesamt sieben Veranstaltungen. "Das ist unterer Durchschnitt", sagt Ricardo.

Cuadrito, Kevin und Nando bahnen sich ihren Weg durch die rund 150 Zuschauer hinunter zur Aussichtsplattform. Scheinwerfer tauchen die Schlucht in gleißendes Licht. Links auf dem offenen Meer dümpeln zwei Yachten, rechts auf der Landseite thront das El Mirador, früher ein Luxushotel mit einem der mondänsten Nachtclubs der Welt, dem La Perla.

Teddy Stauffer, ein Schweizer Swing-Musiker und Playboy, hat es gegründet und jahrelang gemanagt. In den 1950er und 1960er Jahren war das La Perla der Treffpunkt der Stars schlechthin, von Errol Flynn über Rita Hayworth bis zu Horst Buchholz. Stauffer war es auch, der die Clavadistas Anfang der 1950er Jahre als Attraktion für seinen Nachtclub verpflichtete.

Das La Perla erstreckt sich über vier Terrassen, die meisten Tische an der Balustrade sind belegt. Wie die Logen in einem Opernhaus, die Tische schwach erleuchtet, die Gäste nur schemenhaft zu erkennen - so wirkt es aus der Schlucht. Der Felsen, von dem sich die Klippenspringer stürzen, sieht von hier unten noch furchteinflößender aus: Wie hoch doch 35 Meter sind!

Und er ist nicht senkrecht, sondern hat tückische Vorsprünge. Die Springer müssen sich kräftig abstoßen, um sich nicht daran zu verletzen.

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In diesem Artikel:

  1. Männer am Rande des Abgrunds
  2. Der erste Sprung nach dem Unfall
  3. Sie lesen jetzt Berufsrisiko: Geplatztes Trommelfell
  4. Salto mortale und El Avion
  5. "Der Adrenalinstoß ist gigantisch"