Die amerikanische Flugsicherheitsbehörde FAA hat herausgefunden, dass bei 568 untersuchten Flugunfällen von 53.457 Passagieren 51.207 Menschen überlebt haben. Zehn Prozent der Passagiere kamen ums Leben. Der Grund für diese relativ positive Bilanz sehen die Experten in den hohen Sicherheitsstandards.
Die Chancen sind aber nicht überall gleich gut, es kommt auf den richtigen Sitzplatz an. Wissenschaftler der Universität Greenwich haben festgestellt, dass Passagiere, die am Notausgang sitzen oder in der Reihe davor oder dahinter, die besten Chancen haben. Gefährlich ist es auf Plätzen, die mehr als sechs Reihen vom nächsten Notausstieg entfernt sind.
Das Trauma danach
Bei einer Bruchlandung entscheidet zudem das richtige Verhalten über Leben und Tod. Sicherheitsexperten empfehlen, die Stirn an den Vordersitz zu pressen, die Arme um den Kopf zu legen und die Beine möglichst weit nach vorn unter den Vordersitz zu schieben. Außerdem sollte die Crew klare und schnelle Anweisungen geben.
Das ist nicht immer der Fall. Marcel Squinobal, ein Restaurantbesitzer aus Bregenz, überlebte 2007 zusammen mit seinem Freund Christoph Falchetti einen Absturz in Thailand. Squinobal berichtet von chaotischen Szenen: "Es gab keine Warnung, auch nach dem Crash hat die Crew überhaupt nicht geholfen." Falchetti und Squinobal saßen drei Reihen vom nächsten Notausgang entfernt, den sie selbst öffneten. Sie entkamen wie 39 andere Menschen der brennenden Maschine, 89 starben. Marcel Squinobal kam mit Prellungen davon, aber schlimmer sind die seelischen Verletzungen.
Nach dem Unglück nahm er Antidepressiva und Beruhigungsmittel, bis heute plagen ihn Albträume und Angstzustände. Nach einem Flugangst-Seminar steigt er mittlerweile aber wieder ins Flugzeug, wenn es sein muss.
Absturzopfer werden oft jahrelang von der Frage geplagt, warum gerade sie überlebt haben und andere sterben mussten. Haben manche Menschen einfach mehr Glück als andere? Dies legt zumindest eine unglaubliche Geschichte von Ernest Hemingway nahe.
Der Schriftsteller überlebte 1954 im Dschungel von Uganda einen Absturz - und stürzte am nächsten Tag gleich nochmal ab. Die Zeitungen veröffentlichten schon Nachrufe, doch er überlebte auch das zweite Unglück. Später schrieb er, in einem für seine Verhältnisse sachlichen Stil: "Nachdem man mit einem Flugzeug abgestürzt und dieses in Brand geraten ist, befindet man sich gewöhnlich in einem Zustand, der unbestimmt mit dem Wort ,Schock' umschrieben wird."
Diesen überwand er, indem er sich über die Hemingway-Nekrologe amüsierte.
(SZ vom 2.7.2009/kaeb)
(Sie sind jetzt auf Seite 2 von 2)
In diesem Artikel:
- Preiskampf bei Kreuzfahrten - Die große Billigwelle
- Dumme Fragen von Touristen - "Wie oft wird die Tundra gemäht?"
- "Skycouch" - Air New Zealand legt Passagiere flach
- Neue Kreuzfahrtschiffe 2010 - Auf Rollschuhen übers Meer
- Reisetipps - Die schönsten Ziele für 2010
- Sicherheitsalarm in Newark - Verliebter legt Flughafen lahm
- Beinahe-Absturz - "Piloten müssen Vollgas geben"



Das sind doch Amis, oder?
Dümmer geht's immer
Küssen verboten für Bartträger
"Hält das Schiff in der Stadtmitte?"
Mit den Augen eines Adlers