8. November 2012, 17:40 Reise-Gadgets Das braucht doch kein Mensch

Ein Koffer, der dem Handysignal folgt, ein Schlafsack zum Herumlaufen und ein Kissen mit der Anmutung eines Astronautenhelms: Zehn kuriose Erfindungen für den praktisch veranlagten Reisenden. Einige davon sind vielleicht sogar nützlich.

Von Daniela Dau

Dieser Koffer folgt aufs Handysignal - so hoffen die Erfinder.

(Foto: cargocollective.com)

Der folgsame Koffer

Sie haben es satt, Ihren Koffer durch endlos lange Flughafen-Gänge zu schleppen? Dann ist vielleicht der "Hop" die Lösung: Ein Koffer, der nicht getragen werden muss, sondern Ihnen selbständig hinterherfährt. Gesteuert durch Signale Ihres Mobiltelefons setzt sich der Koffer in Bewegung. Kann er nicht mehr folgen oder wird der Abstand zum Besitzer zu groß, sendet er einen Vibrationsalarm auf das Handy. Ob das genügend Reaktionszeit lässt, um einem flinken Koffer-Dieb hinterherzurennen, verraten die Erfinder des "Hop" auf ihrer Website nicht. Die neue Armfreiheit müssen zukünftige "Hop"-Besitzer mit weniger Koffervolumen bezahlen. Neben der Batterie, die das Raupen-Fahrwerk antreibt, bleibt nicht mehr viel Platz für umfangreiche Urlaubsgarderobe. Bei der Auswahl sollte man ohnehin besonnen zu Werke gehen, denn wegen des Eigengewichts des Koffers sind die Gewichtsobergrenzen der Fluggesellschaften schnell erreicht. Auch bei der Beweglichkeit ist noch Luft nach oben: Wenn der noch nicht zur Marktreife gelangte "Hop" sich ruckelnd und zuckelnd in Bewegung setzt, werden Erinnerungen an R2D2 wach, der im Vergleich dazu elfenhaft über den Boden schwebte.

Das Kopf-Kissen

Viele Urlauber kämpfen auf ihren Reisen mit Schlafproblemen. Entweder es sind die ungewohnten Geräusche im Regenwald des Amazonas, die des Nachts die Ruhe rauben, das mangelnde Angebot an Ruhekissen und Schlafmasken in der Economy Class oder das kreischende Baby auf der anderen Seite der papierdünnen Zimmerwand im All-Inclusive-Hotel. Ein neuartiges Kissen-Konzept des Designkollektivs Kawamura Ganjavian könnte das Wegnicken erheblich erleichtern. Das Ostrich-Pillow (benannt nach dem Vogel Strauß, der den Kopf in den Sand steckt) umschließt den ganzen Kopf, so dass sich der Schläfer wirksam von der Umgebung abschotten kann. Durch die Öffnung in der Mitte bekommt der müde Reisende Luft. Die beiden seitlichen Öffnungen sind nicht etwa dafür gedacht, dass doch noch ein Rest von Geräuschen wie von fern ins Bewusstsein dringt. Hier platziert der Schläfer seine Hände, wenn er den Kopf zum Nickerchen auf die Tischplatte vor sich legt - die Designer haben wirklich an alles gedacht.

 Ihr müdes Haupt zu betten, ist mit dem Ostrich-Pillow kein Problem mehr. Wie Ihre Mitmenschen darauf reagieren, eventuell schon.

(Foto: studio-kg.com)

Der Schlafanzug für Teletubbies

Wie formschön die Erfinder des "MusucBag" das Praktische mit dem Nützlichen verbunden haben! Dieser Schlafsack ist ein polyestergefütterter Schlafanzug mit integrierten Hand- und Fußteilen, der maximale Bewegungsfreiheit mit wohligem Wärmeempfinden kombinieren soll. Außerdem verfügt er über mehrere Taschen, Lüftungsschlitze und einen verstellbaren Taillengurt, der für eine schlanke Silhouette sorgt. Reisende, die mit der Anmutung eines Teletubbie oder Michelin-Männchens kein Problem haben, tragen den "MusucBag" bei den verschiedensten Gelegenheiten, etwa zur Pyjamaparty, um sich eine Sanddüne hinunterzustürzen oder beim Campen. Wer sich nicht mehr nachts aus dem Schlafsack schälen möchte, um durch die Kälte zur Toilette zu laufen, behält seinen Schlafsack einfach an - und kommt noch nicht einmal in Gefahr, auf glitschigen Fliesen auszurutschen: Der "MusucBag" verfügt über Anti-Rutsch-beschichtete Sohlen.

Mit dieser Schlafsack-Schlafanzug-Kombination schlagen Sie zwei Fliegen mit einer Polyester-Füllung.

(Foto: musucbag.com)

Der Schützer Ihrer Kniescheibe

Ohne Vorwarnung hat der Vordermann seine Rückenlehne nach hinten geklappt und entweder Ihre Kniescheiben verschoben oder Ihnen das ausgeklappte Tablett in den Bauch gerammt? Fast jeder Passagier musste sich schon einmal über derart rücksichtslose Mitreisende im Flugzeug ärgern. Kürzlich artete ein Streit über eine zurückgeklappte Lehne sogar in eine Prügelei aus. Es ist nicht überliefert, ob auch Ira Goldman schon einmal seine schmerzenden Fingerspitzen aus einem von der Rückenlehne blitzschnell zugeklappten Laptop gezogen hat. Auf alle Fälle verdanken wir dem US-Erfinder die "Knee Defender": Zwei stabile Plastikklammern, die so an den Scharnieren des Essenstabletts befestigt werden, dass der Vordersitz nicht mehr zurückgekippt werden kann. So schonen die "Knee Defender" nicht nur Ihre Kniescheiben. Sie sorgen auch dafür, dass Sie Ihrem Vordermann ohne großen Gesprächsaufwand zeigen, wo Ihre Toleranzgrenze bei der Rückenlehnenneigung liegt, also bei etwa 90 Grad. Zumindest in den USA werden die "Knee Defender" von vielen Airlines wohl geduldet, von deutschen Fluglinien gibt es dazu bisher keine Stellungnahmen. Was vielleicht daran liegt, dass nur die wenigsten Passagiere sich in diesem alltäglichen Streitfall für die proaktive Herangehensweise entscheiden. Sondern sich lieber leise fluchend ihre Knie massieren.

Die zwei Plastikklammern sollen verhindern, dass die Rückenlehne zurückgeklappt werden kann.

(Foto: kneedefender.com)

Die Jacke fürs Gepäck

In Zeiten steigender Kerosinpreise haben viele Airlines ihre Gepäckobergrenzen gesenkt, so dass selbst kleine Extras im Koffer saftige Zusatzgebühren kosten und auch im reglementierten Handgepäck nicht alles Platz findet. Hier schafft die "Travel Jacket" Abhilfe. In der mit mehreren Zusatzfächern ausstaffierten Weste sollen Dinge wie Tablet PC, Handy, Zeitschriften oder Kopfkissen untergebracht werden. So können Reisende erlaubte Gegenstände mit einem Gewicht von etwa zehn Kilogramm zusätzlich an Bord schleppen. Unter modischen Gesichtspunkten darf man die übergroße "Travel Jacket" keinesfalls betrachten. Doch wer nichts dagegen hat, wie ein Lastesel durch die Abflughalle zu trotten, darf sich wenigstens über die verdutzten Gesichter der Beamten an der Sicherheitskontrolle freuen.

Reise-Gadgets Übergepäck Jacke

Schön ist die Übergepäckjacke nicht - aber vielleicht ungemein praktisch?

(Foto: rufusroo.com)

Der Becher-Halter

In der rechten Hand den Griff des Trolleys, die Laptop-Tasche umgehängt, über dem linken Arm die Jacke, die gerade viel zu warm geworden ist: Multipel bepackte Reisende, die durch Gänge und Hallen eilen, sind auf internationalen Flughäfen ein vertrautes Bild. Da die meisten Passagiere nicht wie die indische Göttin Saraswati über zwei zusätzliche Arme verfügen, balancieren sie irgendwo auch noch einen Kaffeebecher. Das kann schiefgehen und das tut es oft. Dabei könnte es auch so laufen: Der nach Herstellerangaben erfreulich leicht anzubringende Tugo Suitcase Cup Holder wird so zwischen den ausziehbaren Griffen des Trolleys montiert, dass nichts überschwappt und der Reisende zumindest eine Hand wieder frei hat. Jetzt muss er nur noch daran denken, den Trolley-Griff vor dem Einstieg ins Taxi nicht schwungvoll herunterzudrücken.

Der Becherhalter wird am ausziehbaren Griff des Trolleys montiert.

(Foto: goodtugo.com)

Die Ess-Hilfe

Gabelstäbchen sind die Lösung für Asien-Reisende, deren feinmotorische Fähigkeiten nicht für den Umgang mit zwei dünnen Bambus-Stäbchen ausreichen. Statt wiederholt Essensstücke über den Tellerrand zu schnipsen, drehen Sie den Spieß, pardon das Stäbchen einfach um. Am Endstück dieser aus (nicht geschäumtem) Polystyrol gefertigten Stäbchen befinden sich Gabelzinken und eine Plastikklinge. Gut schneiden kann man damit zwar nicht. Doch zum Schieben und Schaufeln sind sie allemal geeignet - und das ist doch schon mal was.

Reise-Gadgets Gabel Messer Gabelstäbchen Stäbchen

Die Gabelstäbchen kann man sowohl als Besteck als auch als Essstäbchen nutzen.

(Foto: forkchops.com)

Die Kamera vor Augen

Unter Wasser hat man ohnehin schon genug damit zu tun, die Balance zu halten oder vorwärts zu kommen. Wer dann noch mit beiden Händen die Unterwasserkamera halten und bedienen muss, lichtet keinen Fisch scharf ab. Leichter ist es, wenn die Kamera direkt auf Ihrer Nase sitzt, etwa in Form dieser Digitalkamera-Schwimmmaske. Die Perspektive entspricht ziemlich genau Ihrem Blickwinkel, zum Auslösen müssen Sie nur kurz die Hand heben. Bei manchen Modellen soll allerdings die Belichtungszeit ziemlich lang sein. Doch wenn der Fisch ruhig auf seinem Platz verweilt, trübt nichts das Unterwasser-Bildvergnügen.

Reise-Gadgets Digitalkamera Schwimmmaske

Hier sitzt die Digitalkamera direkt auf der Nase.

(Foto: liquidimageco.com)

Das Gadget gegen Einbrecher

In manchen Gegenden kann man sich nicht einmal hinter der geschlossenen Tür seines Hotelzimmers sicher fühlen. Hier hilft der "Belle Hop Travel Alarm". Bevor Sie zu Bett gehen, bringen Sie ihn an der Tür an und sollte jemand während der Nacht versuchen, in ihr Zimmer einzudringen, ertönt ein 95 Dezibel lautes Alarmsignal. Zum Vergleich: Dies ist die maximale Lautstärke, die in Diskotheken oder während Musikkonzerten erreicht werden darf. Vermeiden Sie also, mit dem Kopf in Türnähe zu schlafen. Sonst ist der Eindringling zwar in die Flucht geschlagen, dafür nehmen Sie einen Tinnitus als Urlaubs-Souvenir mit nach Hause.

Reise-Gadgets Türgriff Alarmsignal

Sorglose Nachtruhe verspricht der Alarm für die Zimmertür.

(Foto: Belle Hop)

Das Kissen gegen Gerüche

Es gibt wohl kaum etwas Unangenehmeres, als unkontrollierbare Darmgase in einer vollbesetzten Flugzeugkabine - sowohl für die Umsitzenden als auch für den Verursacher. Auf einer Kurzstrecke mag es möglich sein, sich das Ungemach zu verkneifen. Auf längeren Flügen aber versagt die Selbstbeherrschung häufig und auch mit dem Verzicht auf blähende Nahrungsmittel ist nicht viel gewonnen. Was tut also der vorausschauende Passagier? Er platziert möglicherweise ein neues Pupskissen-Modell auf seinem Flugzeugsitz. Dieses Kissen verhält sich im Gegensatz zu den klassischen Modellen beim Draufsetzen ruhig. Vielmehr dämpft es die unbeabsichtigten Geräusche und filtert außerdem die bei Flatulenzen entstehenden Gerüche. Das macht der wechselbare Carbonfilter, für den der Hersteller mehrere farbenfrohe und zudem waschbare Kissenhüllen anbietet - so kommt Abwechslung in den Fliegeralltag. Wer es nicht ganz so auffällig mag, der trägt eine mit Spezialfasern gewirkte Unterwäsche direkt am Körper, die die Geruchsentwicklung bremsen soll. Bei näherer Betrachtung erinnern die Modelle zwar an die ausgebeulten Feinripp-Unterhosen unserer Urgroßväter, aber für das olfaktorische Wohlbefinden Ihrer Mitreisenden sollten Sie Ihren guten Geschmack unbekümmert über Bord werfen.

Reise-Gadgets Geruchsbelästigung Flugzeug

Ein Kissen soll gegen unangenehme Gerüche in der Flugzeugkabine helfen.

(Foto: iStock)