14. Dezember 2012, 18:30 Post und ADAC planen Fernbus-Linien Wenn der Postbus kommt

Fahrscheine im Postamt, gelbe Busse im ganzen Land: Die Post will 2014 zusammen mit dem ADAC ein flächendeckendes Fernbus-Netz anbieten, um der Deutschen Bahn Konkurrenz zu machen. Doch damit könnte die Post zu spät dran sein.

Von Michael Bauchmüller und Stefan Weber

Die Kraftpost - jahrzehntelang war das für die Deutschen ein beliebtes Reisemittel. Überall in Deutschland waren die Busse der Kraftpost bis Mitte der Sechzigerjahre unterwegs, manche von ihnen hatten sogar einen kleinen Briefkasten. Denn Herr über das Busnetz war die Deutsche Bundespost. Später gingen die Busse der Kraftpost im Netz der Deutschen Bahn auf. Und genau der will die Post nun wieder Konkurrenz machen. Für 2014, so kündigte das Unternehmen am Freitag an, plane die Post ein eigenes Fernbusnetz. "Die Zeit ist reif für eine preisgünstige, sichere und komfortable Mobilitätsalternative", sagt Jürgen Gerdes, Briefvorstand bei der Deutschen Post.

Und Partner des neuen Netzes soll kein geringerer sein als die Autofahrer-Lobby: der ADAC. Derzeit liefen noch die ersten Planungen, hieß es in Unternehmenskreisen. Auch brauche es noch die förmliche Zustimmung der Gremien. Dem würden aber demnächst "sehr konkrete Taten folgen".

Erstmals wappnet sich damit auch ein großer deutscher Konzern für das neue Geschäft auf der Straße. Anfang Januar 2013 öffnet sich hier ein völlig neuer Markt. Ab dann dürfen Omnibusfirmen bundesweit Linienverkehr anbieten. Mit Rücksicht auf den Fernverkehrsmonopolisten Deutsche Bahn war dies bisher nur auf bestimmten Strecken möglich. Jetzt geht es auf allen Verbindungen, die länger als 50 Kilometer sind. Experten taxieren den Markt auf bis zu fünf Milliarden Euro.

So gesehen ist die Post schon ziemlich spät dran. "Wenn die 2014 loslegen, ist der Markt voll auf Touren", heißt es etwa bei MeinFernbus.de, einem der derzeit agilsten Anbieter. "Unser Fokus ist 2013 ganz klar, ein deutschlandweites Netz aufzubauen" - mit vielen regionalen Busfirmen, die dann unter dem gemeinsamen Dach bestimmte Linien betreiben. Nicht gelb, sondern grün wird diese Flotte sein. Auch Verkehrskonzerne aus Frankreich und Großbritannien, die Erfahrungen mit Fernlinien haben, prüfen den Markteintritt.

Es herrscht Goldgräberstimmung rund um den Fernbus.

Transport über weite Strecken gegen Bezahlung - für den Bonner Konzern ist es eine Fortsetzung seines Geschäftsmodells mit anderen Mitteln. "Die Post kann hier ihre Kompetenz im Betrieb von Netzen ausnutzen", sagt auch Alexander Eisenkopf, der an der Friedrichshafener Zeppelin-Universität Mobility Management lehrt. "Aber im Vergleich zu ihrem sonstigen Geschäft werden das Peanuts sein." Das große Geld sei mit Fernbussen auf Dauer kaum zu machen. "Eine Goldgrube wird das nicht", sagt Eisenkopf.

Aber Post und ADAC setzen offenbar vor allem auf Synergien. So verfügt die Post über ein dichtes Netz von Filialen, die künftig auch Busfahrscheine verkaufen könnten. Der ADAC steuert eine Mitgliederdatei mit mehr als 15 Millionen Adressen bei, mir der sich auch trefflich für eine Buslinie werben ließe. Obendrein kann das Engagement dem Image kaum schaden. Schließlich verstehe man sich nicht nur als Autofahrer-Club, sondern als Lobby der Mobilität schlechthin, heißt es bei dem Verband. Und die Post lobt überschwänglich, der ADAC ergänze "hervorragend" deren Ruf von Zuverlässigkeit und Schnelligkeit.

Wie genau das Fernbus-Netz aussehen soll, ließen Post und ADAC offen. Allerdings gehe es um ein wirklich flächendeckendes Angebot, das nicht nur die Metropolen bediene. Legt man allein Städte mit mehr als 150.000 Einwohnern zugrunde, kämen so locker an die 50 Zielorte zusammen. Sie würden dann zum einen über eine eigene Busflotte samt eigener Fahrer angesteuert. Zum anderen werde es aber auch Partnerschaften mit ausgewählten Busunternehmen geben. Einzelheiten wollen Post und ADAC in der ersten Hälfte des neuen Jahres bekannt geben.

Branchenbeobachter rechnen damit, dass die neuen Fernbusse nicht nur der Bahn Kunden abspenstig machen, sondern mehr noch Autofahrer anlocken - erst recht angesichts hoher Spritpreise. Auch die Nutzer von Mitfahrzentralen gelten als mögliche Zielgruppe für die neuen Buslinien. Der Wettbewerb dürfte dabei vor allem über den Preis geführt werden.

Im Vergleich zur Bahn haben die Busbetreiber einige Kostenvorteile. Sie müssen kein teures Schienennetz unterhalten und sind flexibler als der Staatskonzern. Rechnet sich eine Strecke nicht, wird sie eingestellt. Die Bahn selbst, die derzeit 30 Fernbuslinien betreibt, hält sich bislang zurück. Man beobachte erst die Entwicklungen - und werde gegebenenfalls reagieren.

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