19. Februar 2013 10:15 Neuer Hauptstadtflughafen für Quito Der alte Airport ist zu, es lebe der neue!

Der Flughafen Mariscal Sucre in Ecuador gehörte zu den gefährlichsten der Welt. Die Landebahn war nicht nur abschüssig, sondern lag auch noch mitten in Quito. Am 19. Februar wird er geschlossen. Und mit dem neuen Airport soll alles besser werden. Eigentlich.

Von Katja Schnitzler

Es war einmal einer der gefährlichsten Flughäfen der Welt. Er lag mitten in der Hauptstadt von Ecuador. Um dort zu landen, mussten die Piloten einen Vulkan umkurven, dann den steilen Sinkflug knapp über Wolkenkratzern abfangen und mitten im Häusermeer auf einer abschüssigen Piste aufsetzen. Und - so beteten viele Passagiere an Bord - rechtzeitig zum Stehen kommen. Umgekehrt hieß es beim Start, schnell genug abzuheben. Und das 220 Mal am Tag.

Eigentlich war der Flughafen 1960 an den Rand von Quito gebaut worden, doch die Vororte schlossen ihn ein, so dass die Häuser fast neben der Landebahn standen. Diese Nähe war lästig - und gefährlich.

Gefährlich, weil sich hier schwere Unglücke ereigneten. So schossen Flugzeuge über die - für diese Höhe ziemlich kurze - und noch dazu abschüssige Landebahn hinaus oder stürzten kurz nach dem Start auf Gebäude. Anflug und Start erschwerte nicht nur die dünne Luft auf mehr als 2800 Metern, in der die Maschinen weniger Auftrieb haben und mehr Treibstoff verbrauchen, sondern auch die umgebenden 5000 Meter hohen Berge.

Zusätzlich zur Gefahr war das ständige Motorendröhnen eine Zumutung für die zahlreichen Anwohner. Nun soll der Flughafen von der Lärmquelle zum Ort der Ruhe werden. Auf dem Gelände des Internationalen Flughafens Mariscal Sucre entsteht ein Park mit See, der Name steht schon fest: Parque del Lago.

Am 19. Februar um 19 Uhr wird der alte Flughafen geschlossen, am Morgen des 20. Februars heißt es 20 Kilometer östlich von Quito, in einem Parallel-Tal nahe Tababela: Starterlaubnis erteilt, der alte Airport ist zu, es lebe der neue Internationale Flughafen! Dieser ist genauso wie sein Vorgänger nach dem Nationalhelden Marschall Antonio José de Sucre benannt, zu viel Veränderung auf einmal muss nicht sein.

Bevor die Berliner in Tränen ausbrechen: Auch beim Bau in Quito ging nicht alles glatt, eigentlich hätte der neue Flughafen schon viel früher eröffnet werden sollen. Geplant wurde er seit 1976, im Jahr 2000 kam die Baugenehmigung und schon 2006 ging es los. Drei Jahre später sollte er fertig sein, dann wurde nochmal um ein Jahr verlängert. Jetzt ist es 2013, aber immerhin ist dieser Flughafen startklar.

Und die Landebahn ist jetzt nicht nur ein Sicherheitskilometer länger als die alte, sie verläuft nun auch gerade statt abschüssig. Tiefer liegt sie ebenfalls, nämlich 400 Höhenmeter -ein weiterer Vorteil für die Maschinen, hofft Flughafenbetreiber Quiport. So soll der Airport selbst für große Langstrecken-Flugzeuge kein Problem mehr sein, die mit vollen Tanks bislang zu schwer zum Start auf der kurzen Bahn waren und gleich nochmal zum Auftanken zwischenlanden mussten.

Doch so sehr die Einwohner Quitos mit dem Flughafen-Umzug an Ruhe und Sicherheit gewinnen, einen Nachteil müssen sie dennoch in Kauf nehmen: Den alten Airport erreichten sie in bequemen zwanzig Minuten, für den neuen müssen sie nun eineinviertel Stunden einplanen. Oder eineinhalb. Oder zwei, je nach Stau. Denn zum eigenen Auto gibt es nur die Alternative Bus oder Taxi. Doch die Stadt Quito will die Strecke zum neuen Flughafen im Osten der Stadt ausbauen.

Also wird nun alles besser? Abwarten, meinen Piloten.

Ein Flugkapitän sagte dem Guardian, dass das Mikroklima in dem Tal, in dem der neue Airport liegt, ebenfalls tückisch sei - und man dort an den meisten Tagen sehr schlechte Sicht habe: "Der neue Flughafen könnte eine noch größere Herausforderung sein."

Dann wäre das traurige Ende der Geschichte: Es war einmal einer der gefährlichsten Flughäfen der Welt. Er steht immer noch in Quito.