"In die Berge oder ans Meer?" lautet die klassische Urlaubsfrage. Immer öfter heißt die Antwort: "In die Stadt!". Städte- und Kulturreisen gelten in der Branche als "Megamarkt".

Eine Gruppe von schweizer Touristen beim Sonnenbaden vor dem Reichstag: Berlin gehört zu den bliebtesten Reisezielen in Deutschland. (Foto: dpa)

Weil die Deutschen kürzer, aber häufiger verreisen, werden Städte trendy. Städte- und Kulturreisen seien «ein Megamarkt», sagt Braune. «Sie legen in der Gunst der Urlauber ganz klar zu», erläutert Sibylle Zeuch vom Deutschen Reiseverband (DRV) in Berlin.

Das zeigt auch die Statistik: Die Zahl der Übernachtungen in Hotels und Pensionen hat in den zehn Jahren seit 1995 um insgesamt 14 Prozent zugenommen, in Großstädten um 46 Prozent.

Kreativität hilft

«Die Großen profitieren von dem Trend am meisten», erläutert Mathias Feige von der dwif-Consulting GmbH, die im Auftrag des DTV an der Grundlagenuntersuchung «Städte- und Kulturtourismus in Deutschland» mitwirkt.

 
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Etliche Veranstalter von Airtours über FTI, Neckermann bis Studiosus haben eigene Städtereisenkataloge. Und sie erweitern ihre Palette zunehmend: «Auch viele kleinere Städte werden zu Reisezielen», sagt Sibylle Zeuch.

Gerade was Deutschland angeht, gibt es immer mehr Alternativen: Als der heutige Marktführer Dertour vor 35 Jahren mit seinen Städtereisen startete, waren gerade 14 Hotels im Angebot. «Und wir hatten 3000 Reisende», sagt Dertour-Manager Jens Brösel. «Vergangenes Jahr waren es 1,2 Millionen.» Der Städtereisen-Katalog des Veranstalters zählt inzwischen 1000 Hotels an 171 Zielen.

Städte, die nicht von vorneherein attraktiv sind, müssen dann eben an Unterhaltungsmöglichkeiten etwas bieten - wie das Sandfigurenfestival «Sandworld», dem Travemünde die Aufnahme in den Städtereisenkatalog verdankt.

Mit Musik zum Erfolg

«Man fährt in eine Stadt, um mal etwas anderes zu erleben, um Abwechslung zu haben», sagt Prof. Martin Lohmann vom Forschungsinstitut N.I.T. in Kiel, der die Grundlagenuntersuchung für den DTV wissenschaftlich begleitet.

«Städteurlauber wollen dem Alltag entfliehen», bestätigt Frank Stoll, bei TUI in Hannover zuständig für den Städtereisenkatalog. «Oft wird auch zu besonderen Anlässen verreist, zum Beispiel zum Hochzeitstag.» Schließlich sind Paare eine der wichtigsten Zielgruppen.

«Events» spielen beim Städtetourismus eine große Rolle: «Gerade die Musical-Städte profitieren davon», sagt Sibylle Zeuch. «Stuttgart beispielsweise.» Die baden-württembergische Landeshauptstadt lockt mit «Mamma Mia!», dem Abba-Musical, Oberhausen mit «Die Schöne und das Biest», Köln mit «We will rock you».

Bilbaos einzige Attraktion

Die Tickets können bei den Veranstaltern gleich mitgebucht werden - «nach Stadtrundfahrten ist das eine der gefragtesten Zusatzleistungen», sagt Frank Stoll.

Städtetouristen schätzen aber auch klassische Kultur: Bei der TUI ist beim Städtetrip nach Verona deshalb der Opernbesuch inklusive, in Salzburg gibt es Karten für die Konzerte im Schloss Mirabell.

Und manche Städte werden überhaupt nur wegen eines einzelnen kulturellen Highlights angesteuert: «In Bilbao will so gut wie jeder unserer Gäste ins Guggenheim-Museum», sagt Jens Brösel.

(dpa)

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