Das rote Glück von Hanoi
Reise nach Nordvietnam
18.03.2007, 12:26
Wer eine Sardinenbüchse öffnet, sieht die silbern glänzenden Fische dicht bei dicht vor sich. Wenn man sich statt der Sardinen Klein-Motorräder vorstellt, besetzt mit bis zu fünf Menschen, das Baby auf dem Scheinwerfer, dann gewinnt man eine realistische Vorstellung vom Verkehr in Hanoi. Was wird in zehn Jahren auf Hanois Straßen anders sein?
Es werden vor allem Autos fahren, die werden breitere Straßen brauchen, die werden die alten Häuser fressen, man muss Hochhäuser bauen. Hanoi hat jetzt kaum Hochhäuser. Ein Weitsichtiger hat vor einem Hotel am Westsee in den frischen Beton "Stop Oto" ("Stop Auto") gekratzt.
Aus der langen französischen Kolonialzeit sind neben dem Baguette auch einige dunkelgelbe Bauten aus der französischen Kolonialzeit geblieben - das Opernhaus zum Beispiel. Wegen der feuchten Hitze wichen die Franzosen schon 1922 im Sommer in den Norden aus, bauten eine Bahn bis Lao Cai, direkt an der chinesischen Grenze, brachen die Straße nach Sapa in die Berge.
Sapa ist 375 Kilometer von Hanoi entfernt, es liegt auf 1500 Metern Höhe, das Wetter lässt hier den Besucher nicht selten alle vier Jahreszeiten an einem Tag spüren.
| Bildstrecke Hanoi - Die Stadt der Farben | |||||||||||||||||||||||||
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
||||||||||||||||||||
Rings um den Fan Si Pan, den höchsten Berg Vietnams, das "Dach von Indochina" (3143 Meter), sollen 25 der 54 ethnischen Minderheiten des Landes leben, andere Angaben sprechen von sechs kleinen Völkern und nennen auch ihre Namen: Es sind, außer den Kinh, die Hmong, die Dao, die Tay, die Zday und die Xapho.
Ins Auge fällt zuerst ein Rot, ein ungeheures Rot. Dao-Frauen tragen dieses Rot in ihren Tüchern, in Schals zu ihren knielangen Hosen und kurzen Tuniken. Hmong-Frauen bekleiden sich mit Hosen, Leggins und Turbanen in Indigo. Die Pflanzen für die Farben werden in den Regenwäldern gesammelt. Wie kommt die Farbe in den selbst erzeugten Leinenstoff?
Die Frauen legen auf die Rundung eines halbierten Baumstammstücks ein kurzes Brett, dazwischen den mit Farbpaste bestrichenen Stoff. Dann wiegen sie sich auf dem Brett hin und her, verlagern das Gewicht, ziehen den Stoff weiter und färben so den Stoff Stück für Stück indigoblau oder knallrot oder giftgrün oder schreigelb.
|
Vietnam Vorsicht vor der Suppenschüssel Gesundheit auf Reisen Impfempfehlungen für Asien Hanoi Im Nebel der Erinnerung Kontinente-Spezial Reisen durch Asien |
|
Es gibt keine gebrochenen Farben bei den Bergvölkern. Übrigens hat die sich hin und her wiegende Frau meistens ein Kind auf dem Rücken. Farben und mit ihnen die Kleidung, die Stickereien, der Silberschmuck helfen auf den großen Märkten in Sapa und Bac Ha zu erkennen, wer ein schwarzer Hmong oder eine rote Dao ist.
Besucht man die Minderheiten in ihren Dörfern, fallen noch andere Unterschiede auf: Tay und Zday bauen in den Tälern, an den Flüssen und Bächen Reis an und wohnen in Stelzenhäusern, die Drei-Raum-Häuser der Hmong bestehen aus Holz und Lehm und liegen an den Berghängen - auch die Hmong bauen Reis an, ihre Terrassen an den Bergrücken gleichen Augenlidern und Brauenbögen. Alle Häuser haben ein Zentrum: den Altar an einer Wand, davor die offene Feuerstelle.
Hängt ein frisch gebrochener Zweig vor dem Haus, sollte es der Fremde nicht betreten. Dann wird gebetet oder man will einfach nicht gestört werden. Bei den Hmongs gilt das Hahnenschwanz-Orakel: Zeigt der Schwanz beim Eintreten zur Tür, kommt ein Feind, zeigt er zum Altar, kommt ein Freund.
Außerhalb der Häuser schmieden die Hmong Pflugscharen und Gewehrläufe, die Dao schmelzen und verarbeiten Silber, stellen Papier her, die Tay flechten Taschen und Körbe aus Bambus und Jute, schnitzen Holz, brennen Ziegel. Alle Bergvölker züchten Büffel und Schweine, Truthähne und Hunde - letztere auch zum Verzehr. Sie suchen medizinisch wirksame Kräuter in den Wäldern und bauen Gemüse, Obst und Blumen an.
Es gibt keine Maschinen, keine künstlichen Farbstoffe - alles ist Natur und Handwerk, in Tragekörben von den Frauen nach Sapa hinauf getragen. Der Fremde kann in den Stelzenhäusern übrigens auch wohnen. Manche Mädchen und Jungen der Xapho sprechen gut Englisch.
Das haben sie gelernt in den Schulen, die man am barackenähnlichen Baustil, an der Landesfahne und am lauten Kindergesang erkennt. Werden sie, wenn sie groß sind, weben und nähen, färben und stricken, schmieden und Reis anbauen wie ihre Eltern?
|
ANZEIGE
Mr. Wong
Delicious
Digg
Yigg
Technorati
Google
MySpace
Facebook
Webnews



















