Bei der ersten Stierhatz anlässlich der Fiesta de San Fermín in Pamplona sind mehrere Menschen zumeist leicht verletzt worden. Das tut der Feierwut von Hundertausenden keinen Abbruch.
Man hat den Eindruck, dass es Jahr für Jahr ein bisschen wilder zugeht auf der Stierhatz in Pamplona. Noch mehr Lebensmüde, noch mehr Touristen, noch mehr Risiko, noch mehr Alkohol.
"Ich war über den Leichtsinn vieler Teilnehmer geschockt", sagte im vergangenen Jahr John Hemingway, der Enkel von Ernest Hemingway. Als Ehrengast hatten ihn die Veranstalter nach Spanien eingeladen.
Schließlich war es nicht zuletzt sein Großvater, der das seit 1591 existierende Spektakel durch seinen Roman "Fiesta" weltbekannt gemacht hatte. Doch der junge Hemingway schüttelte nur seinen Kopf über diesen Wahnsinn, bei dem sich allein im Jahr 2008 mehr als 450 Menschen verletzten.
Gerade ist in Pamplona wieder Stierquälerei zu Ehren des Schutzpatrons San Fermín angesagt. Zehntausende weiß-rot gekleidete Menschen feierten unter freiem Himmel, von den Balkonen wurden sie mit Wein und Wasser bespritzt, so hat es Tradition.
Nachdem der Schlachtruf ""Viva San Fermín, gora San Fermín!" (Es lebe der Heilige San Fermín!) auf Spanisch und Baskisch ertönte, soll nun bis zum 14. Juli gefeiert werden. Bei den "204 Stunden Fiesta nonstop" sind bis zu einer Million Besucher aus aller Welt mit dabei. Fünfmal mehr Menschen als Pamplona Einwohner hat.
Und wieder werden ab sofort täglich je sechs Kampfstiere durch die Gassen der Altstadt bis in die Arena gejagt. Hunderte junge Männer rennen dabei auf der 800 Meter langen Strecke vor den 600-Kilo-Kolossen her, lediglich mit einer zusammengerollten Zeitung bewaffnet.
Abends werden die Tiere dann von professionellen Toreros in der Arena getötet. Dabei ist alles doch ein rechter Irrsinn: Seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1924 sind bei den Sanfermínes 14 Menschen ums Leben gekommen. Zuletzt erlag im Jahr 2003 ein 62-jähriger Spanier seinen Verletzungen.
Angst, Panik und Stress
Auch der jährliche Protest der Tierschützer ist längst zum traurigen Ritual geworden: Von einer "als Kulturtradition getarnten Qual" sprach gerade der Bundesgeschäftsführer des Deutschen Tierschutzbundes, Thomas Schröder. Touristen sollten diese oder ähnliche Veranstaltungen nicht durch ihren Besuch unterstützen.
Für die Stiere bedeuteten die Rennen in jedem Fall Angst, Panik und Stress. Bei Stierkämpfen in Spanien verendeten ohnehin jährlich etwa 30 000 Tiere unter großen Schmerzen.
So oder so: In Ernest Hemingways Roman aus dem Jahr 1926 können solche dekadenten Auswüchse auch als Symbol für die Feier des Lebens - etwa nach einem Krieg oder anderen schlimmen Dingen - gedeutet werden.
Blöd nur, dass niemand weiß, was der Heilige Fermín zu all dem gesagt hätte. Schließlich geht alles irgendwie auf seine Kappe. Fermín jedoch wurde im 3. Jahrhundert enthauptet.
(SZ vom 7.7.2009/dd)









Das sind doch Amis, oder?
Dümmer geht's immer
Küssen verboten für Bartträger
"Hält das Schiff in der Stadtmitte?"
Mit den Augen eines Adlers