Der Bundesrat will das Fahrverbot zur Hauptstrafe für Kleinkriminelle aufwerten: Steuersünder, Schläger oder Neonazis könnten so mit Führerscheinentzug bestraft werden. Doch die Idee ist umstritten.
Ein Leben ohne Führerschein ist für viele unvorstellbar, gehört doch das Autofahren zum festen Bestandteil des Alltags. Wer auf einmal auf den Bus warten oder sich in überfüllte U-Bahnen quetschen muss, wird die Fahrerlaubnis schmerzlich vermissen. Die Auswirkungen eines Fahrverbots sind sofort am eigenen Leib spürbar - für Reiche wie für Arme.
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Bundesjustizministerin Zypries muss prüfen, ob ein Fahrverbot für Kleinkriminelle Sinn macht. (© Foto: getty)
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Das klingt auf den ersten Blick einleuchtend. So einleuchtend, dass die aktuelle Bild-Zeitung ohne aktuellen Anlass darüber berichtet.
Im Artikel heißt es, Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) überlege, das Fahrverbot zur Hauptstrafe aufzuwerten. Bislang kann das Verbot nur als Nebenstrafe und auch nur im Zusammenhang mit einer Verkehrssünde erteilt werden.
Dass die Justizministerin den Gesetzentwurf des Bundesrates bereits seit April vor sich liegen hat, davon steht in Bild nichts. Auch nicht, dass Zypries zwangsläufig in ihrem Amt als Bundesjustizministerin alle Entwürfe des Bundesrates prüfen muss. Es ist also nicht ihr Vorschlag, Steuersünder, Rechtsradikale oder gewalttätigen Demonstranten künftig mit Führerscheinentzug zu bestrafen.
Ins Rollen gebracht hat die Initiative der ehemalige Hamburger Justizminister Carsten Lüdemann (CDU). Ihm schwebte damals eine sehr unterschiedliche Zielgruppe vor: Etwa der prügelnde Ehemann, den es schmerzlich treffen würde, drei Monate auf seinen Geschäftswagen zu verzichten. Oder der schwerreiche Schauspieler, der eine Geldstrafe aus der Portokasse zahlen könnte. Oder auch der Zuhälter, der neben der Freiheitsstrafe auf Bewährung zumindest den Führerscheinentzug direkt zu spüren bekommen würde. Kurz: ein Fahrverbot für alle möglichen Kleinkriminelle.
Ob so eine Sanktion überhaupt realistische Chancen hat, jemals in das Strafgesetzbuch aufgenommen zu werden, ist umstritten. Die Befürworter können mit sehr eingängigen Argumenten punkten, etwa damit, dass ein Führerscheinentzug jederman treffen würde und das Drohpotential dementsprechend groß sei.
Die Gegner führen dagegen an, dass ein Fahrverbot eine klassisch verkehrsrechtliche Sanktion ist. Nur wer im Straßenverkehr Fehler macht, kann damit bestraft werden. Würde der Führerscheinentzug nun aber großzügig auch bei anderen Straftaten eingesetzt, könnte der Bestrafte die Sanktion nicht mehr nachvollziehen. "Die Erziehungswirkung geht verloren", sagt eine Sprecherin des Justizministeriums sueddeutsche.de.
Außerdem sei ein Fahrverbot sehr viel schwerer zu kontrollieren als eine Geldstrafe. "Hier kann man kontrollieren, ob der Betrag gezahlt worden ist. Aber an jeder Straßenkreuzung kann man eben nicht kontrollieren, ob der Autofahrer überhaupt fahren darf."
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(/sueddeutsche.de/aho)
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Ich finde diese Formulierung auch unangebracht. Ein prügelnder Ehemann ist kein Kleinkrimineller, erschreckend dass das so gesehen wird.
Prügelnde Ehemänner als "Kleinkriminelle"? Auch, wenn es - wie in manchen Fällen - bis zum Halbtot-Schlagen geht? Ich weiß, viele halten es für eine Lappalie, aber mir stoßen solche Formulierungen immer unangenehm auf...
Ich vermisse den Zusammenhang Ihres Kommentares mit der vorangegangenen Meldung. Sie werden sich doch nicht zu einem schnöden Bashing gegen Mütter (warum eigentlich Mütter?!) und Fußgänger hinreißen lassen haben?!
Guten Tag!
Sonderbar, mich stören immer die vielen Fussgänger auf den Radwegen, die selbst dann nicht ausweichen, wenn man selbige höflich direkt angesprochen darum bittet, und stattdessen gucken wie eine Kuh kurz vor dem Druckluftschuss und nicht merken, dass ein Fahrweg blockiert wird. Die selbstherrlichen Jungmütter mit ihren alles blockierenden KInderkarren mal ganz aussen vor gelassen...
^^
"Ein Leben ohne Führerschein ist für viele unvorstellbar, gehört doch das Autofahren zum festen Bestandteil des Alltags."
Toll, von der SZ zu erfahren: ich bin keiner von "vielen".
Habe seit 44 Jahren den Führerschein, fahre aber seit 15 Jahren GANZ BEWUSST kein Auto mehr. Autofahren ist also keineswegs fester Bestandteil (uws.) - denn es geht ganz gut & stressfrei ohne Auto, wenn da nicht die vielen Radfahrer auf'm Fußgängerweg wären.
Paging