Wie viele Unterstützer hatte das Thüringer Neonazi-Trio bei seinen Morden? Die Ermittler gehen mittlerweile davon aus, dass die Terroristen mit bis zu 20 rechtsextremen Helfern rechnen konnten. Zumindest auf manche hätte auch der Verfassungsschutz aufmerksam werden müssen.
Sie waren dicke Freunde, jedenfalls politisch. Auf den verblichenen Fotos, die noch aus den neunziger Jahren stammen, ist der Mann häufig neben Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos zu sehen. Schwarze Hose, weißes T-Shirt und eine dicke Gürtelschnalle, über der sich der Bierbauch wölbt - so marschiert André K. auf alten Videoaufnahmen stämmigen Schritts zwischen den schlaksigen Uwes durchs Bild.
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Ein Teilnehmer einer Demonstration von Rechtsextremen: Womöglich hatte die Zwickauer Terrorzelle zahlreiche Unterstützer in der Szene. (© dapd)
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Heute gilt K. als einer jener Kameraden von einst, die stark im Verdacht stehen, auch nach dem Untertauchen von Böhnhardt, Mundlos und Beate Z. im Januar 1998 noch Kontakt zu dem mutmaßlichen Terror-Trio gehalten zu haben. Und er ist nicht der Einzige: Nach letzten Erkenntnissen des Thüringer Verfassungsschutzes konnte das Trio womöglich auf bis zu 20 Unterstützer in Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt bauen - so viele Namen trugen die Geheimdienstler beim Stöbern in ihren alten Unterlagen zusammen.
Zwar gehen die Fahnder derzeit nicht davon aus, dass alle genannten Personen zum aktiven Unterstützerkreis zu rechnen sind. Manche hätten sich womöglich nur mit Verbindungen zu den Untergetauchten gebrüstet. Bei einigen Altkameraden aus Jena und Umgebung aber sprechen einige Indizien dafür, dass sie dem Trio zumindest zeitweise behilflich waren. Zu ihnen soll André K. gehören, über den bereits in den neunziger Jahren szeneintern gemunkelt wurde, dass er als eine Art Geldbriefträger unterwegs sei. Auch der Verfassungsschutz hätte von solchen Unterstützerdiensten erfahren können -"das wusste eigentlich jeder", sagt heute der einstige V-Mann des Thüringer Geheimdienstes, Tino B.
"Mann fürs Grobe"
Gemeinsam mit André K. ist auch Ralf Wohlleben jetzt wieder ins Visier der Ermittler geraten. Beide Männer hatten zusammen mit Böhnhardt, Mundlos und Beate Z. in den neunziger Jahren die "Kameradschaft Jena" gegründet. Nach dem Verschwinden des Trios sollen sie Informationen des Geheimdienstes zufolge an der Organisation von Konzerten beteiligt gewesen sein, auf denen für die Untergetauchten gesammelt wurde. Der Informatiker Wohlleben, Jahrgang 1975, wurde in der Szene eher als der Stratege betrachtet - später stieg er in der NPD zum Jenaer Stadtchef und stellvertretenden Landesvorsitzenden auf.
Mag sein, dass André K., der als "Mann fürs Grobe" galt, allerlei Zubrin-gerdienste im Auftrag von Wohlleben er-füllte. So wird berichtet, dass er Papiere für das Trio habe besorgen sollen. Angeblich habe er dafür auch schon Geld bezahlt, jedoch keine Papiere bekommen. Auch bezüglich seiner Geldbotendienste wird von Pannen berichtet, bei denen ein Teil des gesammelten Geldes abhanden gekommen sei - weshalb sich die Untergetauchten telefonisch bei Mitgliedern der Szene beschwerten. Den Ermittlern war André K. kein Unbekannter, die Polizei beschlagnahmte 1999 eine Schreckschusswaffe bei ihm. Im gleichen Jahr wurde er zusammen mit Wohlleben wegen Körperverletzung und Nötigung verurteilt.
Ob die Thüringer Szene Kontakt zu möglichen Unterstützern in Sachsen hatte, ist unklar. Im Raum Zwickau steht eine Handvoll Personen im Verdacht, dem Terror-Trio behilflich gewesen zu sein - so etwa der LKW-Fahrer Matthias D. aus Johanngeorgenstadt, der 2001 einen Mietvertrag für Z. abgeschlossen haben soll. Beim Umzug in das später in Brand gesetzte Haus in der Frühlingsstraße, unterschrieb einer aus dem Terror-Trio selbst mit dem Namen von D. den Vertrag. Mit Papieren ausgeholfen haben womöglich die Friseurin Mandy S. aus Johanngeorgenstadt sowie das Zwickauer Ehepaar André und Susann E. Auf die Namen der zwei Letzteren liefen zwei Bahncards, die in dem Wohnmobil in Eisenach gefunden wurden, in dem Böhnhardt und Mundlos starben. André E. wird zudem verdächtigt, technische Hilfe bei der Herstellung der Pink-Panther-DVD geleistet zu haben, in der das Trio seine Mordtaten darstellte.
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(SZ vom 21.11.2011/fran/jab)
Bundespräsident Gauck
Vor kurzen haetten die wenigsten Mitmenschen an so etwas gedacht, dass es das, in dieser Form geben soll. Aber da ist nicht nur Rauch, da ist viel Feuer darunter. Das sich die Taeter so lange unbekannt waren und sich der Strafverfolgung ueber 10 Jahre hinweg entziehen konnten. Das laesst solche Schluesse zu, wie gross und wie stark das Netzwerk ist, drueber weiss man noch recht wenig. Fazit ist allerdings auch, das die Behoerden hier Reihenweise versagt haben. Wie ist das mit der An und Ab Meldepflicht, Ausweisen, Banverbindungen, Kredietkaten, Mobiltefonen und viele Dinge mehr. Von was und wie lebten die Taeter, sie waren mitten unter uns,niemanden fiel das auf. Das Versagen des Beamteten Wasserkopfes will ich hier gar nicht naeher eingehen, diese Dinge kommen Taeglich neu zum Tragen. Was soll mit den 16 Verfassungsaemtern in der Zukunft geschehen ? Kann das nicht auch die Polizei selber machen ? Was ist mit der Rolle des BKA, soll dieser Behoerde weiterhin die Informationen vorenthalten werden ? Fragen ueber Fragen, nur Antworten und Konsequenzen dieser Affaehre gibt es noch nicht, die wird es auch nicht geben. Die Landesfuersten und Stadtstaatenoberhaeupter die mehr Pleite sind als die Laender, sie wollen ihre Previlegien behalten, zum Schaden des Landes.
bei den wenigen beteiligten Leuten und dem geringen Wissensstand von Netzwerk zu reden , halte ich für gewagt.
solange man nichts konkretes weiß, sind das alles Schüsse ins Dunkle.
Nicht mal eine Verbindung zur NPD konnte bisher nachgewiesen werden.
Ich denke, man tut diesen Kriminellen durch die Überhöhung ihrer Bedeutung zu viel der Ehre an
Auf Grund der jetzigen Erkenntnisse könnte man davon ausgehen, dass die rechte Szene aktiv mit Steuergeldern unterstützt wurde: exorbitante Zahlungen an V-Männer, Sponsoring von Konzerten rechter Bands und mehr als schlampige Ermittlungen bei Polizei und Staatsanwaltschaft.