Die Debatte über Steuersenkungen im Bonsai-Format versperrt den Blick. Die Regierung hat ein Bündel geschnürt, das die tiefste Rezession seit dem Krieg zumindest abmildern kann.
Sind es nun 7,70 Euro pro Monat und Familie? Oder doch 11,80 Euro? Noch sitzen die Experten über ihren Tabellen und berechnen, was die von der Koalition beschlossenen Steuersenkungen dem einzelnen Bürger bringen werden. Doch was auch immer am Ende unter dem Strich stehen wird, so viel ist bereits jetzt klar: In den meisten Fällen wird das Geld nicht einmal reichen, um die Heizkostennachzahlung für 2008 zu begleichen, die demnächst auf viele Mieter zukommt.
Präsentierten die "größte Maßnahme in der Geschichte der Republik": Seehofer, Steinmeier und Merkel (© Foto: Reuters)
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Es war eine jener Gespensterdebatten, die in Berlin so gerne geführt werden. Wochenlang drehte sich die Diskussion - und mit ihr die Berichterstattung in den Medien - beinahe allein um die Frage, ob zum zweiten Konjunkturpaket der Regierung auch ein Steuerteil gehören wird. Die Antwort lautet ja , und die CSU wird sicher nicht müde werden, sich dafür zu rühmen.
Tatsächlich jedoch ist der Steuerteil ein Steuerteilchen, das so erbärmlich klein ist, dass die Koalition besser darauf verzichtet hätte. Die Steuersenkungen im Bonsai-Format werden nämlich nicht nur für Enttäuschung bei den Bürgern sorgen. Sie versperren auch den Blick darauf, dass die Regierung jenseits aller Phantomdiskussionen ein Bündel geschnürt hat, das durchaus das Zeug hat, die tiefste Rezession seit dem Krieg zumindest abzumildern.
Der wichtigste - und am wenigsten beachtete - Beschluss ist der Umbau der Kurzarbeit. Sie war bisher für viele Firmen keine Option, weil die Betriebe während einer Flaute zwar Arbeitszeiten und Gehälter der Mitarbeiter kürzen durften, das Gros der Sozialbeiträge aber weiterzahlen mussten. Künftig übernimmt der Staat bis zu 100 Prozent dieser Zahlungen. Damit wird die Kurzarbeit auch für solche Firmen finanzierbar, die kaum Rücklagen haben.
Da zugleich viele Betriebe aus Angst vor Facharbeitermangel zurückhaltender Stellen abbauen als vor Jahren, kann die Reform dazu beitragen, dass diesmal weniger Menschen entlassen werden als in früheren Krisen. Das wäre für die Stimmung im Land von unschätzbarem Wert, denn kaum ein Gefühl hat so gravierende Folgewirkungen für die Gesellschaft wie für die Volkswirtschaft wie die Angst von Millionen Menschen vor einem Verlust des Jobs.
Um Arbeitsplätze in Handwerk und Industrie zu sichern, will der Staat darüber hinaus Milliarden in Kindergärten, Schulen, Hochschulen und Krankenhäuser investieren. Wichtiger als die schiere Summe ist, dass die "Infrastrukturmittel" nicht einfach in Umgehungsstraßen oder Prestigeobjekte gesteckt werden, wie das früher häufig der Fall war, sondern dorthin fließen, wo sie mit Blick auf die Zukunft am ehesten gebraucht werden.
Das ist auch unter dem Aspekt der Generationengerechtigkeit bedeutsam, schließlich sind es die heutigen Schüler, die die jetzt aufgenommenen Kredite werden zurückzahlen müssen. Wofür das Geld verwendet wird, ob für die Reparatur eines Daches, den Bau einer Kantine oder die Anschaffung neuer Computer, sollen zudem nicht Bürokraten in Berlin, sondern Praktiker in den Kommunen entscheiden.
Ein Paradigmenwechsel in der deutschen Wirtschaftspolitik
Richtig ist schließlich, dass sich die Koalition nach vielem Hin und Her am Ende doch entschieden hat, die heftig umstrittenen Konsumgutscheine zu verschicken. Nichts anderes nämlich ist der einmalige "Kinderbonus" von 100 Euro pro Sprössling, den Familien mit geringem und durchschnittlichem Einkommen erhalten sollen.
Das Geld - immerhin 1,8 Milliarden Euro - kommt damit bei denjenigen an, die es am nötigsten haben. Und weil das so ist, und weil der Zuschuss anders als bei den geplanten Steuersenkungen nicht bröckchenweise, sondern auf einen Schlag ausgezahlt wird, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass es umgehend ausgegeben wird und damit den Konsum stützt. Das ist durchaus ein Paradigmenwechsel in der deutschen Wirtschaftspolitik.
Kaum etwas bringen wird dagegen die Abwrackprämie für Altautos, die in erster Linie dazu führen dürfte, dass die Pkw-Händler ihre üppigen Neuwagenrabatte einschränken. Auch die Reduzierung des Krankenversicherungsbeitrags ist eine Mogelpackung, schließlich hatte die Koalition den Beitragssatz erst vor Tagen um just jene 0,6 Prozentpunkte erhöht, um die er jetzt wieder sinken soll.
Auf dem richtigen Weg
Man kann über den Sinn und Unsinn von Konjunkturprogrammen endlos diskutieren. Dass die Lage derzeit aber gefährlicher ist als je zuvor, wird kein ernsthafter Beobachter mehr bestreiten, denn es sind gleich drei Brände, die sich zu einem Großfeuer vereinigt haben: ein normaler konjunktureller Abschwung, die Finanzkrise und Strukturschwächen, insbesondere in der Autoindustrie. Entsprechend muss auch die Antwort des Staats eine andere sein.
Blickt man sich in Europa um, so wird deutlich, dass Deutschland mit den beiden Konjunkturpaketen im Gesamtvolumen von 75 Milliarden Euro bei aller berechtigten Kritik im Detail seiner Bedeutung als größte Volkswirtschaft der EU gerecht wird - und zwar schneller, als mancher selbstverliebte Präsident dies noch vor kurzem zu erkennen vermochte. Um es mit den Worten des Franzosen Nicolas Sarkozy zu sagen: Frankreich denkt, Deutschland handelt. Grund zur Genugtuung ist das nicht, denn die Rezession wird allen staatlichen Bemühungen zum Trotz hässliche Spuren hinterlassen. Auf dem richtigen Weg aber ist die Bundesregierung.
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(SZ vom 14.01.2009/ihe)
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es ist schon ok, wenn Medien das Handeln nicht gleich wieder zerreden wollen.
Aber die Aussage, 50.000.000.000 wirken - irgendwie, ist dann doch banal.
Kurzarbeitergeld: Wird das wirklich vom Bund bezahlt, oder ist das nicht doch die BfArbeit (aus Beitragsmitteln)?
Kindergarten, Schulen: Jetzt so plötzlich sollen Gelder bereitstehen. Gut, Gebäude können renoviert werden, darüber hinaus wird sich jede Institution aber überlegen müssen, wie Folgekosten finanziert werden. Eine geregelte Finanzierung muss langfristig verlässlich sein. Personalaufbau durch Einmalzahlung ist wohl ohne Perspektive und gerade daran mangelt es in diesen Bereichen.
100 Euro für mein Kind: Nein, für 100 Euro bekommt ihr meine Kinder nicht: Schließlich werden wir 13 Jahre lang alle Schulbücher bezahlt haben, 10 Jahre 1400 Euro jährlich für die Musikschule, 1000 Euro jährlich für das Studium.
Abwracken: 100 Euro für ein Kind, 2500 Euro für ein Auto. Heute beim Frühstück hat meine Tochter (10) herzlich gelacht. Ich habe ihr gesagt, dass unser Auto in zwei Monaten verschrottet wird. Geputzt sieht es nicht anders aus, wie die Neuwagen beim Händler und eine neue Batterie hat es Montag bekommen (90 Euro, davon 18 Euro MWST). Das gleiche Modell kostet übrigens 27.000 (davon 5.000 MWST).
Bleibt der Umweltschutz: Aber auch da kann man nur müde abwinken: bisher, Fr. Merkel, hat jedes meiner Autos mehr verbraucht, am wenigsten der von 1982 (4,8L), aber den kann man nicht mehr kaufen ebenso wie den 3L Lupo.
Zudem kann das Auto als das am besten erforschte Produkt gelten. Einen TDI Motor kann man kaum mehr optimieren, konzentrieren wir uns deshalb auf sinnvollere Dinge.
Ich finde es schwierig, nach Jahren der Exportausrichtung unserer Wirtschaft, mit Menschen als Kostenfaktor, plötzlich in die eigenen Produkte zu investieren. Eine Werkzeugmaschine kann ich nicht gebrauchen. Ich brauche Lehrer, Sportanlagen die funktionieren, Universitäten, die ihre Studenten betreuen und begleiten können.
Erst wenn das alles da ist und wirklich funktoniert, wird der Beweis erbracht sein, dass das Paket funktioniert hat.
Plötzlich über Nacht erfahren die Politiker und Finanzexperten durch die Medien, dass es eine Finanzkrise gibt. Fast schneller als Blitzeis. Also nimmt man den Begriff aus der Arbeitswelt, Paket schnüren. Das vermittelt dem kleinen Mann, hier wird wahrscheinlich manuell gearbeit, also gut. Was dann aber im Überraschungspaket drin ist, wird angedeutet. Der Köder muss dem Fisch gefallen und nicht dem Angler. Das etwas gemacht werden muss, bestreitet niemand. Über den Zeitpunkt schon. Das dümmste an diesem Paket ist die Abwrackprämie. Sicher wird es ein paar Leute geben, die diesen Sommer - oder Winterschlussverkauf nutzen, um 2500 weiger auszugeben. Der Autoindustrie hilft es vielleicht einen Monat und dann herrscht wieder der alte Zustand.
Solizuschlag, Ökosteuer etc. abschaffen , wäre eher ein Signal gewesen. Weitsicht in der Politik, also mal über 4 Jahre gibt es schon lange nicht mehr. Zuviele Köche, vor allem vermeintliche verderben eben den Brei bzw. machen ihn mittlerweile ungeniesbar.
Bei ihrem Antritt hat sich Frau Merkel die Derugulierung der Finanzmärkte auf die Fahne geschrieben sein.Es dürfte heute Konsens sein, dass die dadurch mögliche Zügellosigkeit die Ursache für die Finanzkrise und die nachfolgende Wirtschaftskrise ist.
Was passiert? In einer nicht zu überbietenden Flickschusterei wird immer mehr immer schneller Geld verbrannt, anstatt schlicht Marktkorrekturen zuzulassen.
Regeln zu Vermeidung von Wiederholungen gibt es nicht und sind scheinbar auch nicht geplant. Also Gras drüber wachsen lassen und dann auf ein Neues?
jemals wieder abgeschafft werden wird, kann man getrost vergessen. Die Sektsteuer, die einst eingeführt wurde, um die Deutsche Hochseeflotte seiner Majestät Wilhelm II zu finanzieren, existiert auch bis heute.
Uns solche geschichtlichen Ereignisse, die das Volk in einen derartigen kollektiven Rausch versetzen, dass die Einführung einer neuen Besteuerungsgrundlage ohne größeren Widerstand möglich ist, sind so häufig auch nicht.
Den Soli wird es folglich auch dann noch geben, wenn sich kaum noch jemand daran erinnert, warum er einst eingeführt wurde.
Solange für eine Aufgabe A ein Betrag B auszugeben ist, der die angeblich hierfür zweckgebundenen Einnahmen Eb übersteigt, kann man garnicht nachweisen, dass die Zweckgebundenheit gegeben ist. Selbst wenn im ersten Jahr der Einnahme von Eb B um Eb steigt, ist in den Folgejahren selbst für Insider des Systems nicht mehr nachzuvollziehen, ob die Zweckgebundenheit zu 100% erfüllt ist, da man nicht weiß, wie sich B entwickelt hätte, wäre Eb nicht erhoben worden.
Worauf ich aber hinaus will: Laut Wikipedia nimmt der Staat im Jahr rund 180 Mrd. Euro Einkommenssteuer ein. Dadurch ergeben sich Soli-Einnahmen von rund 10 Mrd. Euro. Warum sollte der Finanzminister also trauriger sein, wenn der Soli abgeschafft wird, als er es durch die Ausgaben für die Abwrackprämie etc. ist?
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