Erst vor kurzem sorgte eine Studie über die Benachteiligung von Kassenpatienten in Facharztpraxen für Aufsehen. Nun wird der Missstand auch für viele Kliniken bestätigt.
Auch in vielen Kliniken müssen Kassenpatienten einer Studie zufolge länger auf einen Termin warten als Privatversicherte. Dies gilt selbst bei lebensbedrohlichen Krankheiten wie Krebs und akutem Behandlungsbedarf wie einem Knöchelbruch, heißt es in einer Erhebung der Wissenschaftlichen Hochschule Lahr und der Technischen Universität Ilmenau. Sie wurde am Donnerstag veröffentlicht.
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Nicht nur in privaten Praxen, auch in Kliniken müssen Kassenpatienten oft lange warten. (© Foto: AP)
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So mussten in den Krankenhäusern, die aktiv nach der Versicherung fragten, Privatpatienten im Durchschnitt knapp neun Tage warten, Kassenpatienten hingegen 10,55 Tage. Bei Herzkranzverengung waren es für PKV-Patienten knapp zwölf Tage, für gesetzlich Versicherte knapp 14. Bei einem Knöchelbruch mussten gesetzlich Versicherte der Studie zufolge knapp fünf Tage auf Behandlung warten, Privatversicherte nur zwei. Auch bei Krebsverdacht gab es noch einen messbaren Unterschied: 8,65 Tage (GKV) zu 8,2 Tage (PKV) Wartezeit.
Allerdings fragte nur jedes vierte Krankenhaus den Versicherungsstatus ab, wie Autor Dirk Sauerland weiter erklärte. "Die gute Nachricht lautet: In 75 Prozent der von uns angerufenen Krankenhäusern wird nicht unmittelbar danach gefragt, ob der Anrufer gesetzlich oder privat versichert ist. Bei den übrigen 25 Prozent spielt dies jedoch eine große Rolle." Die Untersuchung zeige Ergebnisse, wie sie bislang nur aus amerikanischen Studien bekannt seien.
Mitarbeiter der Autoren hatten in insgesamt 687 Anrufen versucht, Termine in Krankenhäusern zu bekommen. Dabei machten sie nach Darstellung der Autoren deutlich, dass sie bereits eine gesicherte Diagnose von einem Facharzt hatten. Abgefragt wurden die drei Diagnosen Herzkranzverengung, Knöchelbruch und Krebsverdacht.
Bei den Krankenhäusern, die aktiv nach dem Versichertenstatus fragten, wurde zwei Wochen später noch einmal angerufen, um die Terminvergabe bei privat und gesetzlich Versicherten zu vergleichen. Sauerland schloss aus den Ergebnissen, dass "auch in Deutschland Krankenhäuser aus ökonomischen Gründen die Wartezeit bewusst als Steuerungsinstrument einsetzen".
Die Studie sei repräsentativ für ganz Deutschland. Anfang April hatte eine Untersuchung der Universität Köln für Aufsehen gesorgt, wonach Kassenpatienten in Facharztpraxen drei Mal so lange auf einen Termin warten müssen wie Privatpatienten. Die Ergebnisse lösten eine heftige Debatte über eine Zwei-Klassen-Medizin in Deutschland aus.
(AP/ihe)
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denn zwei wirklich voellig vergleichbare Faelle gibt es seltenst zeitgleich, bei ansonsten begrenzten Resourcen. Dennoch bekam z. B. unser Sohn, eingeliefert am Gruendonnerstag mit akut diagnostiziertem Diabetes mellitus Typ 1 noch am selben Abend den Besuch des auf kindliche Zuckerkrankheit spezialisierten Oberarztes, mit anschliessender Therapie-Abklaerung, langem, ausfuehrlichem Gespraech mit uns Eltern und taeglicher telephonischer Ruecksprache auch ueber die Osterfeiertage, waehrend das einen halben Tag frueher eingelieferte Maedchen (ein halbes Jahr aelter) mit derselben Diagnose ueber Ostern vom diensthabenden Oberarzt und den zwei Assistenzaerzten erstmal provisorisch eingestellt wurde und erst am Dienstag nach Ostern ueberhaupt eine gruendliche Anamnese, Untersuchung, Abklaerung und Therapie-Planung erhielt, waehrend wir da schon wieder nachhause konnten! Soviel noch zum Unterschied zwischen Privat- und Kassenpatienten. Wobei das in diesem Falle noch nicht einmal nur am Oberarzt lag, denn dieser wurde ueber die zweite Diabetes-Patientin nicht einmal informiert, da er offiziell nicht mehr im Dienst war. Fuer Privatpatienten wurde er aber nochmal geholt ...
Gruss
Gottwalt
Doch der Notfall wurde ja nicht untersucht.
Da Sie Ihre Klinktätigkeit ansprechen:
Wenn Sie bei begrenzter Kapazität (Personal, Plätze etc.) von zwei Patienten einen behandeln könnten, die das gleiche Leiden haben: Würden Sie dann den behandeln, von dem Sie das Geld für Ihre Tätigkeit bekommen, oder den, bei dem die Krankenkasse evtl. gar nichts zahlt, weil dummerweise gerade das Budget erschöpft ist?
Wie ich bereits weiter unten sagte: Exakte Gleichheit wird es nicht nur nicht geben, sie ist auch gar nicht erstrebenswert.
Ja, natuerlich habe ich Belege, am aktuellsten aus meinem eigenen letzten Krankenhausaufenthalt, mit Norovirus-Infekt. Behandlungsunterschied: Waehrend ich im Einzel-Isolierzimmer mit guter Betreuung lag, lag der zeitgleich eingelieferte zweite Noro-Patient 4 Tage lang in einem Zimmer der Notaufnahme, da er eben nicht einzelzimmerberechtigt war und man fuer ihn auf der Station kein Zimmer als Isolier-Einzelzimmer raeumen wollte. Aber dies nur als ein kleines aktuelles Beispiel. Aus eigener (inzwischen vergangener) Klinikstaetigkeit und der weiterhin aktuellen Klinikstaetigkeit meiner Frau kenne ich sehr sehr gut den Unterschied bei der Betreuung der PPs gegenueber den GKVs, und insbesondere ist mir der Qualitaetsunterschied in der Betreuung bei selbst in medizinischen Bereichen Taetigen im Gegensatz zu "ganz normalen" Patienten bewusst. Hier klafft wirklich eine grosse Kluft.
Aber nochmal konkret: Natuerlich ist mir eine OP nach 17 Uhr lieber, wenn dadurch die Heilung frueher einsetzen kann, und natuerlich weiss ich, dass das OP-Team auch morgens bei der planmaessigen OP aus einer langen Nacht kommen kann, genauso wie es abends nach bereits 12 Stunden Dienst voellig uebermuedet sein kann. Aber das ist ein grundsaetzliches Problem, das allen Gerichtsurteilen und Erkenntnissen zum Trotz immer noch jedermann am Krankenhaus treffen kann.
Gruss
Gottwalt
"geht im Krankenhaus aber auf jeden Fall bei der Qualitaet der Betreuung weiter,"
Haben Sie dafür auch einen Beleg?
"und auch bei der Schnelligkeit der Betreuung! "
Haben Sie dafür auch einen Beleg?
So wird die OP eines Privatpatienten auch noch nach 17.00 Uhr drangehaengt,"
Das ist jetzt bestimmt ein Widerspruch zur Qualitätsaussage oben. Oder ist es etwa ein Privileg, vom Klinikarzt in der 24. Schichtstunde behandelt zu werden?
"Ohne Zweifel ist dabei die Betreuung der Privatpatienten nicht zwangsweise besser, "
Ja was denn nun?
Besser nicht immer alles nachsprechen, was man irgendwo gehört oder gelesen hat ...
Paging