Jahrzehntelang wurden die Kinder kanadischer Ureinwohner in christlichen Internaten zwangsassimiliert. Nun will Premierminister Harper dafür offiziell Abbitte leisten. Doch den Ureinwohnern reicht das nicht.

Der kanadische Premierminister Stephen Harper will sich am Mittwoch offiziell für die Zwangsassimilation der Ureinwohner des Landes entschuldigen. Seit 1874 wurden schätzungsweise 150.000 Kinder der Inuit und Meti in Internate gezwungen, die auf Geheiß der Regierung von christlichen Kirchen betrieben wurden.

Stephen Harper, apf

Kanadas Premierminister Stephen Harper will sich bei den Ureinwohnern seines Landes entschuldigen. (© Foto: AFP)

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Sie waren von ihren Familien, ihren Gemeinden und ihrer Kultur völlig isoliert. Etwa 80.000 von ihnen sind noch am Leben, viele wurden von Schulleitern und Lehrern missbraucht.

"Sie haben versucht, den Indianer im Kind zu töten und alles Indianische in Kanada auszurotten", sagte der Chef der Assembly of First Nations, einer Art Dachorganisation der Ureinwohner Kanadas, Phil Fontaine. Auch er wurde 1951 im Alter von sechs Jahren von seiner Familie gewaltsam entfernt und in ein Internat gesteckt.

Worte sind nicht genug

Die meisten dieser Schulen wurden von der Regierung in den siebziger Jahren geschlossen, die letzte erst 1996. Die wirtschaftliche Lage der Ureinwohner ist deutlich schlechter als beim Durchschnitt der kanadischen Bevölkerung und die Selbstmordrate besonders hoch.

Nach Ansicht der Ureinwohner-Organisation sind Worte jedoch nicht genug: "Man kann sich so viel man will entschuldigen, aber wenn dann keine Taten folgen, wird es auch keine Versöhnung geben", sagte der Direktor einer Gruppe von ehemaligen Schülern, Ted Quewezance, mit Blick auf die schlechte ökonomische Situation. In Kanada leben etwa 1,3 Millionen Ureinwohner, insgesamt gibt es 33 Millionen Kanadier.

In Australien hatte sich im Februar in einer historischen Rede der dortige Regierungschef Kevin Rudd bei den Ureinwohnern seines Landes entschuldigt. Zugleich schloss Rudd einen Entschädigungsfonds für die Ureinwohner aus.

Die Betroffenen können aber dennoch vor Gericht ziehen: Im August 2007 wurden einem Aborigine, der 1958 seiner Familie als Baby entrissen worden war, Entschädigungszahlungen in Höhe von umgerechnet 306.000 Euro zugesprochen.

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(afp/gal/buma)