Die SPD ist dabei, den notwendigen Neubeginn der Partei zu vermasseln. Die Partei organisiert hektisch ihr Spitzenteam um, statt die Probleme bei der Wurzel zu packen. Vier Ratschläge für die Genossen.
Plötzlich ging alles sehr schnell: Kaum waren am Abend der Bundestagswahl die Lokale geschlossen, trat der gescheiterte Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier vor die enttäuschten SPD-Anhänger und verkündete, er werde in der kommenden Legislaturperiode die Bundestagsfraktion anführen.
Fehlstart beim Wiederaufbau: SPD-Parteichef Sigmar Gabriel (links) und Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier. (© Foto: ddp)
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Dann, ein paar Tage später, war auch der personelle Rest klar: Sigmar Gabriel als neuer Parteichef, eingerahmt von einem mehr links als mittig gestrickten Quartett aus Nahles, Wowereit, Kraft und Scholz.
Mit den Blitz-Personalien macht die SPD nach der Wahl weiter, wie sie zuvor begonnen hat: Statt zunächst gründlich die Ursachen der krachenden Niederlage zu analysieren, daraus die inhaltlichen Konsequenzen und Handlungsoptionen zu destillieren und anschließend, als letztes, die sich daraus ableitenden personellen Konstellationen festzuzurren, macht es die SPD genau anders- und falschherum. Die verwirrte Partei, die nun alle Zeit der Welt hätte, reorganisiert im panischen Schweinsgalopp ihr Führungsteam und positioniert es ein bisschen weiter links als zuvor - und das war's?
Die Hektik bei den ersten Schritten in Opposition und Regeneration könnte sich für den Genesungsprozess als außerordentlich schädlich erweisen und die Dauer der Ferne von den Regierungsbänken erheblich verlängern. Denn die Partei hat jede Menge Arbeit vor sich, wenn sie jemals wieder auf Augenhöhe mit den Konservativen kommen will. Und diese Arbeit kann nicht mit heißer Nadel, sondern muss sehr gründlich gemacht werden.
Das Prekariat ernstnehmen
Erstens: Das Verhältnis zur Linken muss nüchtern und ohne Selbstmitleid geklärt werden. Die vermeintlichen Vertreter von Proletariat und Prekariat müssen als Wettbewerber im Kampf um die Stimmen der linken Mitte ernst genommen und ansonsten als potenzieller Koalitionspartner akzeptiert werden. Wer glaubt, er könne die Mitglieder der Populistenpartei bald wieder in der alten Heimat begrüßen, täuscht sich. Und wer meint, die SPD könne mit einer Wende nach links die Gysis und Lafontaines überflüssig machen, irrt gleichfalls. Wer sich als Volkspartei versteht, kann Wahlen nur in der Mitte gewinnen.
Zweitens: Aus dem Klärungsprozess muss sich ein für die Wähler nachvollziehbares Bündnisverhalten ergeben. Wer wie Christoph Matschie in Thüringen Wahlkampf gegen die Union führt und anschließend mit ihr koalieren will, spaltet nicht nur die Partei, sondern macht sie ebenso unglaubwürdig wie Matschies Kollegin Ypsilanti vergangenes Jahr in Hessen. Aufhören muss die Ausschließeritis vor Wahlen, und wenn denn aus taktischen Gründen doch mal ein möglicher Bündnispartner nicht in Frage kommen darf, muss das Nein überall gelten.
Drittens: Die SPD sollte sich darauf konzentrieren, das zerfallene Mitte-Links-Lager wieder zu stabilisieren. Dazu gehören bessere diplomatische Beziehungen zu Grünen, Linken und der FDP. Dazu gehört ein Anti-Verelendungs-Programm, das finanzierbar und damit überzeugender ist als der linke Spruch "Reichtum für alle". Und dazu gehört die Erneuerung und Verjüngung einer vergreisenden Partei und ihrer Kohorten in den Gewerkschaften, die zwar im Internet-Zeitalter lebt, es aber nicht mehr versteht. Zu Willy Brandts Zeiten hätte es die Piratenpartei nicht gegeben.
Die SPD erreicht die Wähler nicht mehr
Viertens: Die Genossen müssen wieder lernen, mit dem Volk, das sie eines fernen Tages wieder regieren wollen, zu kommunizieren. Viele Lösungsansätze schlummern in sozialdemokratischen Köpfen und Papieren, aber sie erreichen die Wähler nicht mehr. Während der heute vielgeschmähte Gerhard Schröder selbst fragwürdige Positionen öffentlich darstellen konnte als seien sie der Gral der Weisheit, gelingt es der aktuellen Führungsriege nicht einmal, ihre Verdienste während der großen Koalition angemessen ans Publikum zu bringen.
Und die Herausforderung ist noch größer: Die fraktale Gesellschaft mit immer schwächeren Bindungen an politische und andere Marken produziert von Wahl zu Wahl mehr Swinger, die mediale Verblödung immer mehr politisch Desinteressierte, die nur mit ausgefeilten Strategien noch zu erreichen und bestenfalls zu überzeugen sind.
Die ersten Schritte nach der Bundestagswahl deuten allerdings nicht darauf hin, dass sich die SPD nun gründlich den Mühen der Wiederaufbau-Ebenen widmen will. Wer das aber nach einem solchen Debakel unterlässt, wird mit Opposition nicht unter acht Jahren bestraft.
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(sueddeutsche.de/jab/gba)
Bundespräsident Gauck
Die Parteienlandschaft hat sich geändert und sie wird sich weiter ändern. Es kann nicht sein, dass sich bis auf die Linke alle Parteien der sog. Mitte zugehörig fühlen. Hier muss klar positioniert werden. Die SPD sollte in Kauf nehmen, dass Steinbrück, Steinmeier, Seeheimer Kreis und Gleichgesinnte sich in einer Partei Mitte-Links zusammen mit der Merkel-Fraktion der CDU wiederfinden. Die Rest-SPD könnte dann mit den Linken eng zusammenarbeiten und sogar eines Tages fusionieren. Mitte-Rechts wird von der Rest-CDU und CSU besetzt werden. Und die FDP? Die FDP ist überall, insbesondere dort, wo man Mitregieren kann. Alles Utopie? Änderungen im politischen Gefüge werden kommen, vielleicht in 16 Jahren, vielleicht auch schon schneller als man denkt.
Leider liegen Sie wieder völlig falsch. Den Unterschied zwischen dem materiellen und prozessualen Deliktsbegriff nehmen wir nächste Stunde durch, ok? Auch ohne Honorar, versprochen. Aber nur am Rande: Wenn Sie schon ein so cleverer Steuergestalter sind, dann verraten Sie mir mal, warum Sie Ihre Freundin noch nicht geehelicht haben. Das wäre auf einen Schlag eine echte Steuergestaltung.
Wenn's um große Beträge geht, kann man ja offensichtlich noch verhandeln. Aber wenn ein kleiner Fisch die angeblich gekaufte Uhr nicht vorzeigen kann...
Also, bei allem Verständnis, aber mit solchen Tricksereien würde ich an Ihrer Stelle nicht in einem öffentlichen Forum hausieren gehen. Insbesondere nicht angesichts der Aufweichung der Privatsphäre durch die verschärfte Gesetzgebung der letzten Zeit. Ein Nick bei der Sueddeutschen ist sicher nicht der allerbeste Schutz vor Nachforschungen...
Hey, erinnern Sie sich an den Fall, wo ein Arbeitsamtsmitarbeiter einem Hartz4-Empfänger die Leistungen gekürzt hat, weil er gesehen hat, wie dieser bettelte? War vor einiger Zeit in der Presse. Also, unsern deutschen Beamten ist alles zuzutrauen...
Steuerverkürzung ist der jur. Begriff für Steuerhinterziehung.
Meine Steuergestaltung wird erst zur Hinterziehung, wenn sie a) entdeckt, b) bewiesen und c) rechtskräftig verurteilt wird.
Kommt bei kleinen und bei großen Würstchen selten vor.
Auch wenn es Ihr Weltbild ins Wanken bringen sollte. Man kann deutsches Steuerrecht tatsächlich im Ausland praktizieren. Wahnsinn, oder? Schöne Neue Welt - EU und BVerfG sei Dank!. Das was Sie "Steuergestaltung" nennen, wird eigentlich als Steuerverkürzung bezeichnet.
Macht aber nichts, Sie sind ja nur ein kleiner Fisch, kleines Würstchen, sagt man hier in England.
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