Zum Tod von Peter Struck Der Parteisoldat

Als Minister prägte er das Wort, dass Deutschlands Sicherheit auch am Hindukusch verteidigt werden müsse. Viele Jahre führte er die Fraktion im Bundestag und erwarb dort den Respekt politischer Freunde und Gegner. Als Typ, als Sozialdemokrat, als loyaler Verteidigungsminister - Peter Struck wird in Erinnerung bleiben.

Ein Nachruf von Nico Fried, Berlin

Peter Struck gehört zu den Politikern, die vor allem als Typen in Erinnerung bleiben werden. Diese Ruppigkeit, das Poltern, die Ungeduld. Aber auch seine offene Art, sein Humor und seine Selbstironie. Sein höchstes Amt war das des Bundesverteidigungsministers, aber das Bild, das aus dieser Zeit in Erinnerung bleibt, ist vor allem das des Soldatenkumpels.

Struck war zwei Mal Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion. Und seinen Abgeordneten bleibt er wohl in Erinnerung als der bärbeißige Mann für die Disziplin, wie auch als beschwichtigender Moderator vieler Konflikte. "Kinder, jetzt hört doch mal auf", war so ein Satz von Struck und zugleich seine Methode.

Abschied vom Parteisoldaten

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Er selbst freilich ging keinem Konflikt aus dem Weg. Dabei schoss er gelegentlich über das Ziel hinaus, was ihm hinterher leidtat. Manchmal. Dass er bisweilen deftige persönliche Beleidigungen verwendete, bezeichnete er selbst einmal selbstironisch als "eine verbalradikale Schwäche von mir". Wegen seiner Art - und weil er leidenschaftlich Pfeife rauchte - wurde er bisweilen mit Herbert Wehner verglichen, seinem vielleicht bekanntesten Vorgänger als SPD-Fraktionschef. Das fand Struck selbst eine Nummer zu groß.

Aber die Beschreibungen als knorriger Typ, die gefielen ihm. Sein Charakter hob ihn auch ab von den jüngeren Abgeordneten in der eigenen Partei, aber auch im Parlament insgesamt, deren Glattheit und Karrierebewusstsein er mit wachsender Skepsis sah. Bei ihm war schließlich auch nicht alles so gekommen, wie er es sich vorgestellt hatte.

Peter Struck, 1943 als Sohn eines Soldaten und einer Verkäuferin geboren, war der Weg in die Politik nicht vorgezeichnet. Sein Vater, so hat er mal erzählt, habe sich nach dem Krieg bis zum Betriebsleiter hochgearbeitet, aber die Politik war ihm suspekt. Nach den Nazis, so Struck senior, wolle er mit keiner Partei mehr etwas zu tun haben. Der Sohn aber trat 1964 in die SPD ein. Weil er wollte, dass es Menschen aus einfachen Verhältnissen besser haben. Und weil er fasziniert war von einer Rede Brandts. Zunächst wollte Struck Geschichte studieren, aber er wusste nicht, was er damit machen sollte. Also wählte er Jura.

Eigentlich wollte Struck Bürgermeister in seiner Heimatstadt Göttingen werden. Dann aber kandidierte er für den Bundestag. Und blieb 29 Jahre. Er saß im Flick-Untersuchungsausschuss. Er wurde parlamentarischer Geschäftsführer, schließlich Fraktionschef nach dem rot-grünen Wahlsieg 1998. Parlamentarier war er mit Begeisterung: "Es gibt nichts Höheres", hat er einmal gesagt. Das Struck'sche Gesetz, wonach kein Gesetz aus dem Parlament so herauskommt, wie es als Entwurf hineingegangen ist, war auch Ausdruck des großen Selbstbewusstseins als Parlamentarier.