Baden-Württembergs früherer Ministerpräsident Hans Filbinger ist tot. Der CDU-Politiker, dessen Karriere durch einen beschämenden Schlussakt beendet worden war, starb am Sonntag im Alter von 93 Jahren in seinem Haus in Freiburg.
Es war nur eine kleine Szene am Rande, aber Symbolkraft besaß sie dennoch. Wilfried Steuer, Landrat und CDU-Landtagsabgeordneter im Kreis Biberach, feierte seinen 70. Geburtstag.
Hans Filbinger (© Foto: ddp)
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Es war ein sonniger Juni-Freitag im Jahre 2003, als Hans Filbinger als Gratulant am Mikrophon unter großem Beifall ein Grußwort sprach. Damals schon tief gebeugt, aber im Geiste noch frisch, wusch der Greis vor der Abreise seine Hände in einem Brunnentrog. Manchem Gast kam dabei das Bild eines Hans Filbinger in den Sinn, der stets versucht hatte, seine Hände in Unschuld zu waschen.
Am Sonntag ist Hans Filbinger im Alter von 93 Jahren in Freiburg verstorben. Fast 30 ist es her, dass er als Ministerpräsident von Baden-Württemberg im Zenit seines Ansehens stand. Der kühl kalkulierte Wahlsieg 1976 mit dem Spruch ,,Freiheit statt Sozialismus'' schien ein triumphales Finale der Amtszeit zu garantieren. Es kam anders.
Der Schriftsteller Rolf Hochhuth enthüllte in der Zeit die Marinerichter-Tätigkeit Filbingers im Dritten Reich und dessen Mitwirkung 1945 an einem Todesurteil gegen den Matrosen Walter Gröger ,,wegen Fahnenflucht''. Nun holte den zur Selbstgerechtigkeit neigenden Landesherrn die Kriegsvergangenheit ein. Hochhuth münzte auf Filbinger das Wort vom ,,furchtbaren Juristen''.
Ein politischer Januskopf
Filbinger zog, einem schlechten Rat des Amtsvorvorgängers und ehemaligen Verfassungsgerichtspräsidenten Gebhard Müller folgend, vor Gericht. Er unterlag und verstrickte sich, anstatt aufzuklären, in ein Gespinst aus Vergessen und Rechtfertigen. Der Sozialdemokrat Erhard Eppler diagnostizierte bei dem Getriebenen ein ,,pathologisch gutes Gewissen''. Zuletzt hielt nur noch Gerhard Mayer-Vorfelder zu seinem Chef. Unter dem Druck der Partei räumte Filbinger am 7. August 1978 den Stuhl in der Villa Reitzenstein für Lothar Späth.
Der 1913 als Sohn eines Bankangestellten in Mannheim geborene Filbinger, der Jura und Volkswirtschaft in Freiburg studiert hatte, war ein politischer Januskopf. Es wäre unredlich, die landespolitische Bilanz des Christdemokraten ausschließlich vom beschämenden Schlussakt her zu beurteilen.
Erst Hans Filbinger legte, nachdem er 1966 eine große Koalition mit den Sozialdemokraten gebildet hatte, stabile Fundamente für den rasanten wirtschaftlichen Aufstieg Südwestdeutschlands sowie für dessen Ausbau zu einer Bastion der CDU.
Im Verein mit Innenminister Walter Krause (SPD) setzte Filbinger, quasi im Handstreich und zum Entsetzen der in die Opposition geschickten FDP, die Abschaffung von Konfessionsschulen zu Gunsten christlicher Gemeinschaftsschulen und eine Verwaltungsreform durch: Von 3381 Gemeinden blieb nach dieser Rosskur lediglich ein Drittel übrig.
Den Ehrenvorsitz in der CDU Baden-Württembergs nahm der frühere Ministerpräsident ernst, bis zuletzt erschien er regelmäßig auf Landesparteitagen, wenn auch noch so altersgebeugt.
(SZ vom 3.4.2007)
Die Ärzte in München
Dass es Unbelehrbare gibt, ist nicht neu.
Dss es Menschen mit offensichtlich gestörter Wahrnehmung gibt ist auch nicht neu.
Das wirklich Kranke an den Vorgängen ist die Huldigung höchster Deutscher Politiker am Grabe eines unwürdigen. erade diese Vehaltensweise stlellt nicht nur Verharmlosung sondern auch eine Verhöhnung der Opfer dar, wie sie unappetitlicher nicht sein kann. Es darf daran erinnert werden, dass ein hoher Przentsatz der unter den Nazis dienenden Richter und Staatsanwälten im Schoße der Bundesrepublik Beschäftigung und erheblichen Einfluss fand.
Leider ein Sittenbild von 2007.
Es ist interessant zu lesen, was in anderen Zeitungen über Herrn Filbinger geschrieben wird.
Mir ist der Kommentar Nr. 6 auf dieser Seite ins Auge gestochen:
http://www.taz.de/pt/2007/04/04/a0121.1/text
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