Von Hans-Jürgen Jakobs

Er hatte das Zeug, wie sein Bruder John US-Präsident zu werden - ein Skandal verhinderte die große Karriere. Nun starb Kennedy im Alter von 77 Jahren.

Seine Karriere hätte vermutlich irgendwann ins Weiße Haus geführt, wenn es diese eine Nacht nicht gegeben hätte. Diese Nacht zum 19. Juli 1969 auf einer Insel mit dem schönen Indianernamen Chappaquiddick.

Ted Kennedy, AP

Edward "Ted" Kennedy (© Foto: AP)

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Nach einer Party kam er mit dem Auto von der Brücke ab, das Fahrzeug stürzte ins Wasser und nachher war seine Beifahrerin und Wahlhelferin tot, die schöne Mary Jo Kopechne. Er selbst konnte sich retten, wurde wegen Fahrerflucht zu Gefängnis mit Bewährung verurteilt und bezeichnete den Vorfall als "irrational, unerklärlich und unentschuldbar".

So wurde Edward ("Ted") Moore Kennedy, der flamboyante Spross der lange Zeit einflussreichsten politischen Dynastie der USA, niemals selbst Präsident. Er musste sich in der Rolle als Strippenzieher der Demokraten und als Senator mit der Position des Präsidentenmachers begnügen. Gerade für Barack Obama hat er viel getan.

Die Auftritte des bereits von einer Krebskrankheit schwer gezeichneten Politikers halfen dem schwarzen Kandidaten, im weißen liberalen Establishment Anerkennung zu finden. Womöglich war es für Obama vorentscheidend, dass der große alte Mann der Partei ihn einen würdigen Nachfolger des 1963 ermordeten John F. Kennedy nannte.

Gute Chancen auf das Regierungsamt

1976 hätte das Jahr Ted Kennedys sein können. Damals hatte er gute Chancen, das Regierungsamt in Washington zu erlangen. Doch er selbst lehnte eine Bewerbung ab: Die USA waren damals ganz auf Skandale eingestimmt, nachdem der Bösewicht im Dienst, Richard Nixon, infolge der Watergate-Affäre zurücktreten musste.

Die Zeitungen begannen, den niemals aufgeklärten Vorfall in Chappaquiddick zu untersuchen, die Popularitätswerte Kennedys sanken. Demokratischer Kandidat und Präsident wurde dann Jimmy Carter.

Dem studierten Juristen Kennedy blieb insgeheim nur das Selbstbewusstsein, der Beste oder jedenfalls der Bessere gewesen zu sein. Der Star der Demokraten hatte immer einen Hang zum Bedrohlichen und zum allzu Leichtfüßigen.

Als er Anfang der fünfziger Jahre an der Harvard University anfing, machte er durch seine Debattenbeiträge und sportlichen Fähigkeiten auf sich aufmerksam - aber auch dadurch, dass er eine Examensarbeit in Spanisch von einem Kommilitonen schrieben ließ. Er wurde relegiert.

Selbstverständlich wurde Kennedy später in Harvard wieder zugelassen. Sein Leben bestand immer darin, bei aller Begabung Konflikte des Alltags bewältigen zu müssen. Früh kam der zugelassene Anwalt mit dem politischen Leben in Berührung - als Manager seines Bruders John F. Kennedy, der 1960 amerikanischer Präsident wurde.

Ted Kennedy wurde dann 1962 erstmals Senator von Massachusetts, und blieb es einfach. Er wurde danach bei jeder Senatorenwahl bestätigt. Das Amt schien ihm zu gehören, dem Mann mit der linksliberalen Aura und dem Drang zu Sozialreformen, der sich früh für Benachteiligte und Afroamerikaner einsetzte sowie für eine Beendigung des Vietnamkriegs.

Es blieb das Trauma, nicht Präsident werden zu können. Für 1980 versuchte er es wieder, er kandidierte offiziell, doch bei den Vorwahlen gab es gegen Carter viele Niederlagen und nur wenige Siege. Kennedy scheiterte, brachte aber einige Ideen in Carters Wahlprogramm ein. Langsam begann der Kennedy-Mythos zu verblassen. Es erschienen immer mehr Geschichten über Liebesaffären der toten Brüder John F. und Robert Kennedy, der 1968 ermordet worden war, auch er ein Anwärter auf das Präsidentenamt.

Auch in der Ära des ultrakonservativen Ronald Reagan blieb Edward Kennedy ein liberaler Störfaktor, ein einflussreicher politischer Vorarbeiter, der sich für einen Stopp der nuklearen Aufrüstung einsetzte und 1987 den polnischen Arbeitführer Lech Walesa unterstützte. Er prägte den Satz: "Ich bin ein Pole." So trat Kennedy öffentlichkeitswirksam auf internationaler Bühne auf.

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