Kriege werden zwar nicht aus der Luft gewonnen, aber ohne den Einsatz von Kampfjets und Marschflugkörpern der Nato wären die Rebellen nicht bis in die Hauptstadt eingedrungen. Dennoch ist das Bündnis voller Sorge: Denn mit Gaddafis Waffen, die den Rebellen in die Hände gefallen sind, ließe sich mindestens ein großer Bürgerkrieg führen. Die Nato ahnt, dass ihr Einsatz noch lange nicht zu Ende ist.
Als die Rebellen am Sonntag zum Sturm auf Tripolis ansetzten, war die Nato wieder dabei. Wie schon seit bald sechs Monaten half sie ihnen aus der Luft gegen die technisch überlegenen Truppen Muammar al-Gaddafis.
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Libysche Freiheitskämpfer begrüßen im April 2011 in Bengasi das türkische Fährschiff Ankara. (© dpa)
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Der Einsatzbericht des Bündnisses für diesen Tag verzeichnet Angriffe von Kampfflugzeugen auf drei militärische Hauptquartiere, eine Stellung, zwei Radaranlagen, neun Raketenwerfer, einen Panzer und zwei gepanzerte Fahrzeuge.
Kriege werden nicht aus der Luft gewonnen, aber ohne den Einsatz von Kampfflugzeugen und Marschflugkörpern wären die Rebellen nicht bis vor die Tore der Hauptstadt gekommen.
Einer der Gründe für ihren Erfolg liegt darin, dass die Allianz, in der Frankreich, die USA, Großbritannien und Kanada die Hauptlast getragen haben, seit dem 31. März fast 8000 Angriffe geflogen und mit 12.000 Kontrollflügen den Luftraum gesichert hat.
Doch trotz dieses Drucks auf Gaddafi wagte noch vor kurzem niemand im Nato-Hauptquartier vorherzusagen, wie lange der Krieg noch dauern würde. Ein klares Bild von der wirklichen Kampfkraft der Rebellen hat die Nato nie gewonnen.
Dass es nun doch so schnell gegangen ist, sorgt für Erleichterung im Bündnis. Denn die Länder, die den Einsatz getragen haben, gerieten an die Grenze ihrer Kapazitäten. Andererseits macht man sich in Brüssel in der Nato und in den außenpolitisch kundigen Quartieren der Europäischen Union Sorgen um die weitere Entwicklung.
Seit der militärische Anführer der Rebellen vor einigen Wochen unter mysteriösen Umständen ums Leben kam und seitdem Spannungen im Rebellenrat bekannt geworden sind, rechnet die Nato nach, wie viele Waffen noch im Land sind. Das Ergebnis ist bedenklich: Mit den noch nicht zerstörten Arsenalen Gaddafis, die den Rebellen nun in die Hände fallen werden, lässt sich nach Ansicht der Experten der Nato noch mindestens ein großer Bürgerkrieg führen.
Die Gefahr dafür schätzt Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen offensichtlich nicht als gering ein - angesichts der Unübersichtlichkeit der politischen Kräfte in Libyen und der Rolle, die die Stämme spielen werden. Er hat eine Mahnung an die Rebellen geschickt. Der Übergang müsse "friedlich" sein.
Um dem Nachdruck zu geben, droht er sogar: Die Nato werde "die militärischen Anlagen und die Schlüsselstellungen weiterhin kontrollieren, wie wir es seit März getan haben, und wenn wir irgendeine Bewegung sehen, die gegen das libysche Volk gerichtet ist, dann werden wir dem Auftrag der UN entsprechend handeln".
Damit hält Rasmussen an der Formel vom "Schutz der Bevölkerung" fest, die sich in der Resolution der Vereinten Nationen und im Einsatzbeschluss der Nato findet. Allerdings dürfte es der Nato schwerfallen, zwischen einem Kampf gegen Zivilisten und einem gewalttätigen Streit zwischen verfeindeten Rebellengruppen zu unterscheiden.
Ende September läuft die Nato-Mission aus. Sollte es bis dahin friedlich bleiben in Libyen, dann dürfte die Mission kaum erneuert werden. Eine Verlängerung aber wurde am Montag in Brüssel für den Fall fortdauernder Instabilität nicht grundsätzlich ausgeschlossen.
Eines ist aber wie von Anfang an klar: Die Nato wird keine Bodentruppen nach Libyen schicken. Und sie will auch politisch nicht eingreifen. Das sei, sagen Diplomaten, allein die Sache der Vereinten Nationen. Die müssten sich auch um die Entsendung von Blauhelmen kümmern. Und für den Wiederaufbau sei die EU zuständig. Die verkündete am Montag auch schon Pläne, wie man Libyen auf die Beine helfen will. Denn die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton quälen - anders als Rasmussen - "keine Zweifel": Das libysche Volk werde "vereinigt dafür sorgen", dass Libyen ein wohlhabender, stabiler und demokratischer Staat werde.
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(SZ vom 23.08.2011/liv/gba)
Documenta-Leiterin Carolyn Christov-Bakargiev
Rebellen und Revolutionäre sind neuerdings sehr beliebt. Das war nicht immer so. Das hängt sicher u.a. von der Region und dem Ziel, welches diese Rebellen haben, ab.
Es würde nicht wundern, wenn demnächst "Erkenntnisse" auftauchen, dass Libyen Plutonium oder Giftgas lagert...
Ich lache lauthals über die folgenden Sätze:
"Die Nato wird keine Bodentruppen nach Libyen schicken."
Dabei sind die doch längst dort!
"Und sie will auch politisch nicht eingreifen. Das sei, sagen Diplomaten, allein die Sache der Vereinten Nationen."
Ist die Ermordung eines Staatschefs jetz Sache der UNO?
"Die müssten sich auch um die Entsendung von Blauhelmen kümmern."
Weshalb bleibt die NATO nicht einfach dort, wie deren Generalsäkretär bereits in Aussicht stellt?
"Und für den Wiederaufbau sei die EU zuständig."
Ist DAS Arbeitsteilung, die NATO zerstört und die EU baut wieder auf?
"Die verkündete am Montag auch schon Pläne, wie man Libyen auf die Beine helfen will."
Als ob die EU keine anderen Sorgen hätte!
Manisch-depressive Reaktionen auf die Situation in Libyen
sind zu beobachten. Gestern: Der Spuk ist zuende und heute:
Genug Waffen für Bürgerkrieg und Unkenntnis über die
Ziele der Rebellen.
Was bleibt angesichts dieser Misere von der selbstquälerischen
Forderung nach militärischer Beteiligung der Bundeswehr?
Unsere Regierung hat sehr klug gehandelt.
Nein, denn jetzt müssen sie wahrscheinlich mit irgendwelchen Stammesfürsten um die Ölförderrechte streiten, das können langwierige Kleinkriege werden, für die teuer bezahlte Privatarmeen gechartert werden müssen.
Da geht es dann nicht mehr so heroisch zu, wo man der Öffentlichkeit den "Sieg der Demokratie" mit schönen Fotos dazu verkaufen kann. Da wird sich der Westen bald zurücksehnen nach einem so leicht lokalisierbaren, grellbunten Ziel wie der Persönlichkeit Gadaffis.
Da müssen jetzt wieder Mehrheiten zusammengekauft werden, damit es wenigstems von außen nach einer "jungen Demokratie" ausschaut. Und wer da jetzt mit welchen Waffen herumläuft, die Infrastruktur, die anscheinend auch nicht ungerecht gewesen ist, ist jedenfalls nachhaltig zerstört.
Aber Human-Rights-Watch - so sie nicht sowieso von den Ölgesellschafteng gekauft oder sogar gegründet wurde (good job), hätte jetzt die Aufgabe, dass nicht nur eine Demokratie eingeführt wird, sondern dass die gigantischen Gewinne aus dem Ölgeschäft jetzt auch nicht einfach in neue Taschen fließen, sondern gerecht verteilt und dem Lande zu Gute kommen werden. Darauf sollten wir, die Öffentlich jetzt größtes Augenmerk haben!
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