Häufig als Relikt des kalten Krieges geschmäht, ist die Nato immer noch auf der Weltbühne. Ein Interview mit dem neuen Nato-Oberkommandierenden General John Craddock über die Zukunft der Allianz und den wichtigsten Einsatz in Afghanistan.
SZ: Wie geht es eigentlich dem Patienten Nato, General Craddock?
General Craddock: Nato ist im Wandel. (© Foto: AP)
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Craddock: Die Nato ist sehr gesund. Schauen Sie auf die letzten Gipfel in Riga, Istanbul und Prag, da kriegen Sie ein Gefühl für den Wandlungsprozess und das neue sicherheitspolitische Umfeld.
SZ:: Die Nato sucht noch mehr Partner in aller Welt. Wie global kann die Allianz werden?
Craddock: Diese Entscheidung muss die Politik fällen. Die Debatte läuft. Allerdings glaube ich, dass jeder den Wandel in der Nato erkennt. Transformation ist ein strapazierter Begriff, aber er ist bezeichnend - für die Wandlung von einem kollektiven Verteidigungsbündnis hin zu einem Bündnis für kollektive Sicherheit.
SZ: Kollektiv - was bedeutet das heute noch? Der frühere US-Verteidigungsminister sah in dem Bündnis eine Werkzeugkiste, aus der sich jeder bedienen könne. Verliert die Nato ihren Zusammenhalt?
Craddock: Militärisch betrachtet: Nein, die Nato hat ihre Perspektive nicht verloren und sie passt sich dem neuen Sicherheitsumfeld an. Aber: Geschieht das so schnell oder so umfassend wie man sich das wünscht? Absolut nicht. Trotzdem war die Nato die wichtigste Sicherheitsallianz in der Welt und sie wird es auch in Zukunft bleiben.
SZ: Die Nato hat ehrgeizige Ziele, aber es mangelt ihr an Fähigkeiten.
Craddock: Die Spannung zwischen Ehrgeiz und Fähigkeiten gibt es immer. Nach der Bedrohungsanalyse müssen wir verlegefähig und weltweit einsetzbar sein. Die Zeiten der Heimatverteidigung sind vorüber. Heute müssen wir Truppen in einem vielfältigen Einsatzszenario bewegen - von tatsächlichen Kampfeinsätzen zu humanitären Missionen und Katastrophenhilfe. Truppen müssen einsatzbereit sein, sie brauchen Transportflugzeuge. Davon haben wir zu wenige. Außerdem gibt es Nischen-Fähigkeiten, die heute wichtiger sein können: eine Sanitäts-Einheit, oder eine Einheit für zivile Angelegenheiten.
SZ: Wie weit ist die Transformation fortgeschritten?
Craddock: Der Umbau der Plattformen - Fahrzeuge, Geräte - ist gut vorangekommen, ebenso der Kommando- und Befehlsstruktur. Die Veränderung im Kopf - das ist die größte Herausforderung. Das ist am schwierigsten. Selbst wenn wir mit hohem Tempo operieren, müssen wir noch in Analyse und Kritik beweglich sein.
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