Zschäpe und NSU-Helfer – Carsten S., 32

Wenn es in diesem Fall auch so etwas wie eine tragische Figur geben sollte, so wäre das vermutlich Carsten S. Der in New Delhi geborene Homosexuelle ist möglicherweise aus Protest gegen seine Eltern und fasziniert von den Männlichkeitsritualen der braunen Szene im rechten Sumpf gelandet. Er hat sich dann von der Szene im Alter von 20 Jahren distanziert und sich später in einer Düsseldorfer Aidshilfe engagiert.

Als er noch sehr jung war und sein Name noch nicht in allen Polizeiakten stand, hatten die Unterstützer des Trios ihm den Auftrag gegeben, den Kontakt zu den dreien zu halten. Das machte er und brach sogar in eine frühere Wohnung von Beate Zschäpe ein, um Sachen zu holen. Gemeinsam mit Wohlleben soll er im Auftrag von Mundlos und Böhnhardt ein Motorrad gestohlen haben.

Zum Verhängnis könnte für Carsten S. ein Auftrag werden, den ihm Wohlleben vermutlich 1999 oder Anfang 2000 erteilt haben soll. Wohlleben soll ihn mit der Beschaffung der Ceska 83 mit Schalldämpfer beauftragt haben, und er lieferte die Waffe ab. Deshalb wird auch S., der schon bei der ersten Vernehmung in Karlsruhe ausgepackt hat, Beihilfe zum Mord in neun Fällen vorgeworfen. Er befindet sich derzeit in einem Zeugenschutzprogramm. Vor Gericht soll auch geklärt werden, ob er zum Zeitpunkt der ihm vorgeworfenen Taten nach seiner Entwicklung noch einem Jugendlichen gleichstand.

Bild: dapd 8. November 2012, 21:082012-11-08 21:08:58 © SZ vom 09.11.2012/anri