Zschäpe im NSU-Prozess Eine Mohrrübe für das Gericht

Machtspiele von Beate Zschäpe

Das Vertrauensverhältnis zwischen Beate Zschäpe und ihrer Verteidigerin Anja Sturm ist zerrüttet. Die Angeklagte will ihre Anwältin loswerden. Gefährdet der Streit den NSU-Prozess? mehr... Video

Beate Zschäpes Feldzug gegen ihre eigenen Anwälte ist pure Taktik. Sie gibt vor, reden zu wollen, wenn sie nur ihre Verteidiger loswerden würde. Auf diese Manipulation wird sich das Gericht aber nicht einlassen.

Kommentar von Annette Ramelsberger

Es ist eine Schlammschlacht. Nur aufs Geld seien ihre drei Verteidiger aus, sie würden im Gerichtssaal ihren Urlaub organisieren und sie anschreien, wenn sie etwas sagen wolle, schreibt Beate Zschäpe ans Gericht. Die Hauptangeklagte im NSU-Prozess setzt sich in Szene - als von aller Welt, vor allem aber von ihrer Verteidigung verlassenes Geschöpf. Und sie hält dem Gericht wie einem müden Pferd eine Mohrrübe vor die Nase: Wenn ich die böse Verteidigung loswerde, dann würde ich ja auch etwas sagen.

Dass alle im Prozess müde sind nach 210 Verhandlungstagen, ist nicht zu übersehen. Aber ob die Möhren-Strategie beim Gericht verfängt, ist fraglich. Denn ganz offensichtlich geht Zschäpe nur taktisch vor. Sie hat erkannt, dass der Prozess gegen sie läuft und versucht nun, das Letzte aufzubieten, was ihr noch bleibt: die Macht über die Wahrheit. Alle wollen wissen, wie es wirklich war im Inneren des NSU, warum die Morde geschahen, wie sie geplant wurden. Diese, ihre letzte, Macht spielt sie nun aus: Beugt sich das Gericht ihrem Willen, will Zschäpe im Gegenzug etwas sagen.

Aber was? Ein kleiner Einblick in den NSU vielleicht? Gerade genug, dass man mehr wissen möchte? Und würde sie den Preis für weitere Informationen dann immer höher schrauben? Erst einen Anwalt loswerden, dann den nächsten, am Schluss alle? Zschäpe verfügt über eine manipulative Macht, der sich mittlerweile offenbar auch ihre Anwälte entziehen wollen. Anders kann man ihren gemeinsamen Brief, in dem sie Zschäpe ermahnen, sie solle sich nicht als Oberverteidigerin aufspielen, sie sei anmaßend, nicht auffassen.

Auch die Anwälte suchen offenbar nach einer Exit-Strategie aus dieser Verpflichtung, die sie vor über drei Jahren eingegangen sind. Sie beklagen, dass Zschäpe auch ihren eigenen Anwälten immer nur fragmentarisch Erkenntnisse preisgab. Das spricht nicht dafür, dass Zschäpe dann vor Gericht die volle Wahrheit sagt.

Wenn sie sprechen will, kann ihr das niemand verbieten. Das weiß auch das Gericht. Es wird sich nicht auf einen Handel mit Zschäpe einlassen.

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