Zollitsch und das Zölibat Signal gegen die Selbstzensur

Erzbischof Robert Zollitsch hat nicht Himmel, Erde und Kirche erschüttert, als er sagte, die Verpflichtung der katholischen Priester zur Ehelosigkeit sei theologisch nicht notwendig.

Von Matthias Drobinski

Das hat vor ihm schon mancher Bischof gesagt, und der neue Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz hat auch gleich hinzugefügt, dass es in Teilen der katholischen Weltkirche einen Aufstand gäbe, würde der Zölibat abgeschafft - deshalb könnten auf absehbare Zeit nur ehelose Männer katholischer Priester werden. Revolutionär ist das nicht.

Viel spannender als die Zölibatsfrage ist, was Zollitsch insgesamt vor seinem Amtsantritt am heutigen Montag gesagt hat und wie er es gesagt hat. Es ist ein Signal gegen die wachsende innerkatholische Selbstzensur, die zur Folge hat, dass ein kirchlicher Amtsträger zu innerkirchlich umstrittenen Themen lieber den Mund hält, als sich zu verquatschen.

Seine scharfe Kritik an den steuerhinterziehenden Reichen, die wissen müssten, dass Wohlstand sozialpflichtig ist, zeigt: Zollitsch möchte sich auch politisch einmischen. Und dass er dem evangelischen Bischof Wolfgang Huber widerspricht, wenn der ja zur Verschiebung des Stichtags zum Import embryonaler Stammzellen sagt, signalisiert Selbstbewusstsein: Vor dem eloquenten und gewandten Ratsvorsitzenden der evangelischen Kirche habe ich keine Angst.

Der neue Vertreter der deutschen Bischöfe kommt nicht sonderlich laut, aber doch ziemlich selbstbewusst daher: Die katholische Kirche hat sich nicht nur nach innen zu verwalten, sie hat auch nach außen hin etwas zu sagen. Ob dies nun gelegen oder ungelegen kommt in Rom, in Berlin oder in den Villenvierteln dieser Republik.