Ziele der russischen Außenpolitik Putins Traum von "Neurussland"

Entspannt und ein bisschen verträumt - Russlands Präsident Putin bei einer Gesprächsrunde mit Jugendlichen.

(Foto: REUTERS)

Angeberisch und irgendwie irre klingt es, wenn prorussische Separatisten von der Errichtung eines neuen Staates sprechen. Doch "Neurussland" ist mittlerweile auch zur Vision von Russlands Präsident Putin geworden, der mit Radikal-Rhetorik nachlegt.

Von Cathrin Kahlweit, Wien

Es war am 24. Mai dieses Jahres, einen Tag vor der Präsidentschaftswahl in der Ukraine, als russische Medien folgende Nachricht in die Welt schickten: "Die Volksrepubliken Donezk und Luhansk haben die Errichtung eines neuen Staates, Noworossija, bekanntgegeben", das melde "Volksgouverneur" Pawel Gubarew. Noworossija fordere den neuen Mann in Kiew - gewählt wurde dann Petro Poroschenko - auf, die Unabhängigkeit der Republiken des Donezkbeckens anzuerkennen.

Dann zählte Gubarew auf, was er noch zu diesem neuen Staat, dessen Geburt er quasi nebenbei ankündigte, hinzurechne: neben den Bezirken Donezk und Luhansk auch Dnjepropetrowsk, Saporoschje, Odessa, Nikolajew, Charkiw und Cherson. Das ist, wenn man sich diese Namen auf einer Landkarte der Ukraine anschaut, mehr als ein Drittel des ganzen Staatsgebiets.

Damals klang diese Ankündigung angeberisch, irgendwie irre. Zumal Gubarew nur wenige Tage an der Macht war und verhaftet wurde, als die proukrainischen Kräfte kurzzeitig wieder die Oberhand gewonnen hatten in Donezk.

Konkretes Konzept des Präsidenten

In den vergangenen Wochen, in denen die ukrainische Armee immer weiter in den Donbass vorrückte, das von den Separatisten gehaltene Terrain Stück um Stück zurückeroberte, Nachschublinien blockierte, die Verbindung zwischen Donezk und Luhansk unterbrach, sah es tatsächlich aus, als würde Neurussland, Noworossija, ein Traumgebilde russischer Nationalisten um den rechtsextremen Ideologen Alexander Dugin bleiben.

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Doch der Traum der Separatisten ist mehr als eine Vision von uniformierten Aushilfsanführern, die sich ohnehin zuletzt weitgehend in ihre Heimat zurückgezogen haben. Es ist nicht nur der Traum des Geheimdienstoffiziers Igor Girkin alias Strelkin, der schon in Tschetschenien gekämpft und zuletzt in Donezk die Operation "Abspaltung des Donbass" kommandiert hatte.

Und nicht nur der Traum des russischen Militärhistorikers Alexander Borodai, der eine Zeit lang in Donezk als "Premierminister" im Einsatz gewesen war. Auch wenn diese Männer in russischen Medien von der "Reinigung" der Ukraine von "Faschisten" und der Weltmacht Russland reden, so ist Neurussland doch auch ein ganz konkretes Konzept ihres Präsidenten.