Zeugin im NSU-Prozess "White Power Mandy" druckst herum

Sie hatte "BH 88" in ihrem Autokennzeichen, das steht in der rechten Szene für "Blood & Honour" und "Heil Hitler". Nun soll Mandy S. im NSU-Prozess Einblicke in die Neonazi-Szene geben. Ihre Erklärung für das Kennzeichen überrascht.

Aus dem Gericht von Tanjev Schultz

Mandy S. kennt den Gerichtssaal in München bereits. Ende Februar musste die Friseurin aus Sachsen hier zwei Tage lang als Zeugin im NSU-Prozess aussagen. Gegen sie läuft ein eigenes Verfahren, weil sie das untergetauchte Neonazi-Trio Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt 1998 bei ihrem damaligen Freund einquartiert und unterstützt haben soll. Diese Taten sind allerdings verjährt, nach jetzigem Stand dürfte Mandy S. straffrei davonkommen.

Wegen des noch laufenden Verfahrens hat sie ein Auskunftsverweigerungsrecht, davon macht sie aber keinen Gebrauch, als sie an diesem Donnerstag im NSU-Prozess aussagt. Dennoch ist es mühsam, von dieser Zeugin etwas zu erfahren. Die Anwälte der Nebenklage fragen nach vielen Details zur rechten Szene, es ist eine quälende Prozedur. Mandy S. soll sich genau erinnern an Konzerte, an Demos, an Kontakte zu inhaftierten Neonazis.

Meistens kann oder will sie sich jedoch nicht erinnern; sie weicht aus, bleibt vage und kurz angebunden. Der Zusammenhang der Fragen zum NSU ist nicht immer sofort offensichtlich. Den Anwälten geht es darum, so viel wie möglich über das Umfeld der Untergetauchten zu erfahren. Die Verteidiger von Beate Zschäpe und Ralf Wohlleben intervenieren gelegentlich und beanstanden einzelne Fragen. Ihnen geht das alles zu weit.

Aber auch Richter Manfred Götzl fragt intensiv nach den Strukturen und Organisationen in der rechten Szene. Zwischendurch klingelt ein Handy, es ist nicht das erste Mal in diesem Prozess. Götzl sagt unwirsch: "Wir haben das jetzt jeden Verhandlungstag. Das stört!"

Ihr Autokennzeichen enthielt die Kombination "BH 88"

Mandy S. druckst herum, als ihr Auszüge aus einem Artikel vorgehalten werden, der vor Jahren in der Neonazi-Postille Landser erschien und an dem sie mitgeschrieben hatte. Von nationalem Widerstand war darin die Rede, den alle, die "reinen Blutes" seien, leisten müssten.

Es geht nun im Gericht lange hin und her, weil die Zeugin mal behauptet, sie habe den Satz von einem NPD-Flugblatt abgeschrieben, dann, dass ihr Ko-Autor das damals geschrieben habe. Jedenfalls nicht sie. Mandy S. hat erkennbar keine Lust, die radikalen Ideen, sie sie vertreten hat, zu erläutern. Letztlich bringt das alles das NSU-Verfahren kaum weiter.

Dass die Zeugin jahrelang tief drin steckte in der Neonazi-Szene, ist ohnehin offenkundig. Sie trug zeitweise den Spitznamen "White Power Mandy". Den verpasste man ihr, weil sie einen Anstecker mit einer weißen Faust an ihrer Bomberjacke hatte. "White Power" gehört zu den rassistischen Slogans von Rechtsextremisten, nicht nur in den USA und Großbritannien.

Mandy S. hatte zeitweise in ihrem Autokennzeichen die Buchstaben- und Zahlenkombination "BH 88". In der Szene steht 88 für Heil Hitler, BH ist eine Abkürzung für die mittlerweile verbotene Organisation "Blood & Honour". Die Zeugin behauptet, es habe in ihrem Fall "Bike-Halterin" bedeutet, sie sei ja Motorrad-Fahrerin. Auch eine interessante Version.