Zeugenaussage gegen mutmaßliche NSU-Terroristin Zschäpe soll sich in Tatort-Nähe aufgehalten haben

War Beate Zschäpe direkt an den Morden des Nationalsozialistischen Untergrunds beteiligt? Laut Medienberichten will eine Zeugin die NSU-Terroristin in direkter Nähe eines Nürnberger Tatorts gesehen haben - beim Bezahlen an einer Supermarktkasse.

488 Seiten umfasst die Anklageschrift. Mehr als 600 Zeugen werden benannt, fast 400 Urkunden sollen die Anklage stützen, 22 Sachverständige werden zitiert. Die Anklage, die die Bundesanwaltschaft gegen die NSU-Terroristin Beate Zschäpe erhoben hat, lautet Mord.

Bisher jedoch war unklar, wie eng die 37-Jährige an den Morden beteiligt gewesen ist. Wie nun bekannt wurde, will eine Zeugin Zschäpe in direkter Nähe des Tatorts eines der zehn Morde gesehen haben. Sowohl die taz als auch Spiegel Online berichten aus Ermittlungsakten der Bundesanwaltschaft.

Die Zeugin habe Zschäpe am Tag des Mordes an Ismail Yasar in Nürnberg gegen zehn Uhr beim Bezahlen in einem Supermarkt beobachtet. Direkt hinter dem Markt stand der Döner-Imbiss, an dem Yasar am 9. Juni 2005 zwischen 09.45 Uhr und 10.15 Uhr erschossen worden sei.

Die Zeugin sagte dem Zeitungsbericht zufolge aus, sie sei sich sicher, Zschäpe gesehen zu haben. Die fremde Frau habe sie damals an die US-Schauspielerin Sara Gilbert erinnert, die in der Serie "Roseanne" die Darlene spielt.

Für die Zuverlässigkeit der Zeugin spreche, dass sie bereits 2005 ausgesagt habe, sie habe in der Nähe des Tatortes zwei Männer mit Fahrrädern gesehen. Dies decke sich mit weiteren Zeugenaussagen. Zschäpes mutmaßliche Komplizen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt sollen bei mehreren Morden und Überfällen mit Fahrrädern unterwegs gewesen sein.

Ein Sprecher der Bundesanwaltschaft verwies auf die Anklageerhebung gegen Zschäpe. Demnach lägen für den Mordanschlag vom 9. Juni 2005 in Nürnberg "Anhaltspunkte dafür vor, dass sich die Angeschuldigte Zschäpe in der Nähe des Tatorts aufhielt".

Die Bundesanwaltschaft legt dem Neonazi-Trio die Ermordung von acht türkischen und einem griechischen Einwanderer sowie den Mord an einer Polizistin zur Last. Die Taten ereigneten sich zwischen 2000 und 2007. Außerdem soll der NSU zwei Bombenanschläge in Köln in den Jahren 2001 und 2004 verübt haben.