Zentralafrikanische Republik Rebellen verkünden Einnahme des Präsidentenpalastes

Djouma Narkoyo, Sprecher der Rebellenbewegung Séléka.

(Foto: AFP)

Die Lage in der Zentralafrikanischen Republik spitzt sich zu: Aufständische sind in die Hauptstadt Bangui vorgerückt und haben nach eigenen Angaben den Präsidentenpalast gestürmt. Die frühere Kolonialmacht Frankreich drängt auf eine Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrats.

Sie wollen den Präsidenten stürzen, nun scheinen sie ihrem Ziel näher zu kommen: Die Rebellenbewegung Séléka hat am Sonntag die Einnahme des Präsidentenpalastes der zentralafrikanischen Hauptstadt Bangui verkündet. Ein Sprecher der Rebellen sagte der Nachrichtenagentur AFP, Staatschef François Bozizé sei "nicht dagewesen". Die Aufständischen würden sich nun zum Gebäude des Staatsrundfunks begeben, damit Rebellenchef Michel Djotodia "das Wort ergreifen" könne.

Der britische Sender BBC zitierte einen Rebellensprecher mit den Worten, seine Leute hätten einen Militärhubschrauber abgeschossen. "Die Rebellen kontrollieren die Stadt", zitierte die Nachrichtenagentur Reuters einen Regierungssprecher. Präsident Bozizé sei einem seiner Berater zufolge in den Kongo geflohen.

Die Séléka - eine lose Gruppierung von Aufständischen - hatte in dieser Woche die Kampfhandlungen in der früheren französischen Kolonie wiederaufgenommen. Laut Augenzeugenberichten lieferten sich die Rebellen am Samstag bei Bangui Gefechte mit Regierungstruppen. In der Stadt herrscht Beobachtern zufolge große Angst, Geschäfte, Büros und Schulen wurden geschlossen. Der französische Sender RFI sprach von einem "Vulkan, der jeden Moment explodieren könnte".

Paris reagiert prompt

Die Séléka-Kämpfer werfen Präsident Bozizé vor, eine im Januar getroffene Friedensvereinbarung nicht einzuhalten und sie entgegen der Abmachung nicht in die Armee zu integrieren. Nach den Gesprächen hatten die Rebellen zunächst zugestimmt, dass Bozizé bis 2016 im Amt bleibt.

Angesichts der sich zuspitzenden Lage beantragte die frühere Kolonialmacht Frankreich am Samstag eine Sondersitzung des UN-Sicherheitsrats. Zudem verstärkt Paris Diplomaten zufolge seine Truppen zur Sicherung des internationalen Flughafens. In der ehemaligen Kolonie leben etwa 1200 Franzosen, die meisten davon in Bangui. Frankreich hat in dem Land derzeit 250 Soldaten stationiert.

Schon am Freitag hatte das Außenministerium in Paris alle Landesleute in dem Land aufgerufen, möglichst nicht mehr aus dem Haus zu gehen. Es leben heute noch etwa 1200 Franzosen in dem krisengeschüttelten Land, die meisten davon in Bangui.

Die Lage ist seit Monaten angespannt. Bereits im Dezember hatten die Séléka-Rebellen wichtige Städte eingenommen und waren auf dem Weg nach Bangui. Frankreich, die USA und die Zentralafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft schickten daraufhin Truppen in das Krisenland.

Die Zentralafrikanische Republik war 1960 unabhängig geworden. Das Land, das an andere Krisenstaaten wie den Kongo und den Sudan grenzt, ist seit langem von politischer Instabilität geprägt. Trotz reicher Rohstoffvorkommen an Diamanten, Gold und Uran gehört es nach wie vor zu den ärmsten Staaten der Erde.