Von Henrik Bork

Ist Hongkong, also Kapitalismus ohne Demokratie, ein brauchbares Modell für Asien? Die Wirtschaft in der Glitzerstadt brummt, aber die Ausbeutung durch korrupte, autoritäre Eliten ist kein Modell, das langfristig Anhänger finden wird.

Jahrestage sind verführerische Anlässe für historische Urteile. Ein rundes Datum, warum nicht auch eine runde Meinung. Nun also Hongkong, zehn Jahre danach. Zehn Jahre nach dem Handover, zehn Jahre nach dem Ende der britischen Kolonialherrschaft, zehn Jahre unter chinesischer Hoheit. Der Kalender suggeriert, es sei Zeit für eine Bilanz. Jahrestage aber können auch eine Falle sein und zu grandiosen Fehlurteilen verleiten.

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Die Wirtschaft brummt, die Skyline wächst: Zehn Jahre unter chinesischer Hoheit kann man in Hongkong noch immer viel Geld verdienen. (© Foto:)

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Ist Hongkong, also Kapitalismus ohne Demokratie, ein brauchbares Modell für Asien? Eine Momentaufnahme des "duftenden Hafens" zehn Jahre nach dem 1. Juli 1997 könnte dazu anregen, diese Frage mit "Ja" zu beantworten. Die Wirtschaft in der Glitzerstadt brummt.

Die Bürger konzentrieren sich aufs Geldverdienen, viele von ihnen sind dabei höchst erfolgreich. Mehr Mitbestimmung werde nicht gebraucht, argumentieren die neuen Machthaber in Peking. Oberflächlich betrachtet ist das Experiment Hongkong gelungen. "Ein Land, zwei Systeme" war die Formel, die Chinas greiser Patriarch Deng Xiaoping den Briten schmackhaft machte. Sozialismus in China und Kapitalismus in Hongkong, und das mindestens 50 Jahre lang.

Vorbild für ganz China

Bislang haben die Chinesen ihr Versprechen weitgehend gehalten. Zumindest einem internationalen Vergleich der konservativen Heritage Foundation aus Washington zufolge hat Hongkong noch immer die liberalste Volkswirtschaft der Erde. Das allgemeine Wahlrecht mag weiterhin fehlen, aber Geld verdienen dürfen die Bürger hier auch unter der Aufsicht der roten Mandarine von Peking so ungestört wie eh und je.

Könnte Hongkong also ein Vorbild für ganz China sein? Könnte Festlandschina eines Tages ein ähnlich liberales kapitalistisches System haben wie Hongkong, ein ähnliches Marionettenparlament, und dennoch weiter kommunistisch bleiben?

Das Modell scheint der Kommunistischen Partei in Peking tatsächlich vorzuschweben. Deren Chef Hu Jintao hat gerade wieder die Einparteien-Herrschaft in einer Grundsatzrede verteidigt. Gleichzeitig aber gibt er Lippenbekenntnisse zu mehr Rechtsstaatlichkeit ab.

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